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Französische Zeitung : „La Tribune“ unter Gläubigerschutz

Millionenverluste: Die Auflage sinkt stetig Bild: AFP

Die französische Wirtschaftszeitung „La Tribune“ hat ein Verfahren auf Schutz vor seinen Gläubigern beantragt, um dem Bankrott zu entgehen. Die zweite nationale Wirtschaftszeitung neben dem größeren Konkurrenten „Les Echos“ hat sechs Monate Zeit, um neue Investoren zu finden.

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          Die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune" hat ein Verfahren auf Schutz vor seinen Gläubigern beantragt, um dem Bankrott zu entgehen. Die zweite nationale Wirtschaftszeitung neben dem größeren Konkurrenten "Les Echos" gibt sich damit sechs Monate Zeit, um neue Investoren zu finden. Die seit dem vergangenen Mai laufende Suche nach neuen Geldgebern ist erfolglos gewesen. Der damalige Eigentümer Alain Weill hatte damals überraschend angekündigt, 78 Prozent des Kapitals der "La Tribune"-Geschäftsführerin Valérie Decamp für die symbolische Summe von einem Euro zu übertragen. Neue Investoren sollten daraufhin gefunden werden.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Weill, der als Eigentümer der Radiostationen RMC und BFM sowie des Fernsehsenders BFM-TV einer der wenigen reinen Medienunternehmer des Landes ist, hatte die Wirtschaftszeitung 2008 von dem Großaktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH, Bernard Arnault, ebenfalls für einen Euro übernommen. Doch die Restrukturierungsbemühungen schlugen fehl. Von den 43 Millionen Euro an liquiden Mitteln, die 2008 Arnault hinterlassen hatte, sollen nur noch 7 Millionen Euro vorhanden sein, heißt es in Paris. Das Verfahren des Gläubigerschutzes, dem ein Handelsgericht in Paris am Mittwoch zustimmte, erlaube der Zeitung, "nun in Ruhe die mit potentiellen Investoren eingeleiteten Diskussionen fortzusetzen", teilte "La Tribune" mit.

          Mit wem diese Gespräche geführt werden, wollte der Verlag allerdings nicht mitteilen. Daher wachsen in Paris Zweifel am Überleben der Zeitung. Gegen den älteren und größeren Konkurrenten "Les Echos" konnte sich das Blatt nie durchsetzen. Der langjährige Eigentümer Bernard Arnault trennte sich vor gut zwei Jahren daher von dem verlustreichen Titel, um Eigentümer von "Les Echos" zu werden. Das Verfahren des Gläubigerschutzes hatte 2006 auch die Tageszeitung "Libération" in Anspruch genommen. Es führte zum Einstieg des Bankiers Edouard de Rothschild und sicherte das Überleben. Doch ein solcher Retter ist bei "La Tribune" derzeit nicht in Sicht. In der Wirtschaftskrise musste sich das Blatt einen deutlich geschrumpften Werbemarkt mit "Les Echos" teilen. Der Versuch, im Internet mit stärker auf Wirtschaftsleser spezialisierten Informationen Geld zu verdienen, führte ebenfalls nicht weit.

          Gemäß den Angaben des Unternehmens erlitt die Zeitung im Jahr 2009 einen Verlust von 7,9 Millionen Euro. Die Auflage sank um 10 Prozent auf rund 67.000 Exemplare. Seither dürfte der Verkauf weiter deutlich gesunken sein. Im vergangenen Jahr wollte "La Tribune" 6,5 Millionen Euro einsparen, unter anderem durch die Einstellung der Samstagsausgabe und den Wechsel auf ein kleineres Format. Jetzt aber brauche die Zeitung mindestens 15 Millionen Euro, um überleben zu können, schätzen Beobachter. Die Journalistengewerkschaft hat ein Treffen mit der französischen Finanzministerin Christine Lagarde und mit dem Kulturminister Frédéric Mitterrand gefordert, um staatliche Unterstützung zu verlangen.

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