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Vorteil auf dem Arbeitsmarkt : Deutschkenntnisse in Frankreich sehr gefragt

Kulturwandel: Junge Schüler sollen mehr Fremdsprachen lernen, ältere weniger. Bild: Reuters

Airbus und Bosch: Frankreichs Unternehmen wenden sich gegen die geplante Abschaffung von Fremdsprachenklassen. Für ihre Angestellten sind Deutschkenntnisse ein großes Plus.

          3 Min.

          Wenn sich die Konzernchefs des französischen Börsenleitindex CAC-40 zu Fragen von Sechstklässlern äußern, muss etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein. Der Vorstandsvorsitzende des Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus, Fabrice Brégier, kritisierte vor einigen Tagen in Paris die geplante Schulreform der französischen Sekundarstufe. „Diese Reform geht völlig gegen den Strom dessen, was notwendig ist“, polterte der französische Spitzenmanager gegenüber Journalisten und forderte, dass die Regierung ihre Pläne so rasch wie möglich ändern solle.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Stein des Anstoßes ist die geplante Veränderung des Fremdsprachenunterrichts. Die französische Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem will die sogenannten Bilingualen Zweige in der sechsten bis neunten Klasse abschaffen. In diesen Sonderklassen wird intensiver als in den anderen Klassen Deutsch und Englisch gelehrt. Der sozialistischen Ministerin sind diese Klassen zu „elitär“, sie glaubt, dass vor allem die Wohlhabenden davon profitierten und der Rest auf der Strecke bleibe.

          Ihr Rezept dagegen: Den Fremdsprachenunterricht früher anfangen lassen und auf alle Schüler ausdehnen. So würde die Mehrzahl der Schüler tatsächlich mehr Sprachunterricht haben als bisher, doch gegenüber den Spezialklassen würde die Stundenzahl sinken. „Gleichheit, aber auf einem tieferen Niveau“ sei die Folge für einen erheblichen Teil der Schüler, werfen die Kritiker der Ministerin vor. „Wenn man im Kindergarten ein paar Stunden Englisch hat, heißt das nicht, dass man mit 17 automatisch gut Englisch kann“, meinte Airbus-Chef Brégier.

          Arbeitsmarktvorteil: Deutschkenntnisse

          Die Angriffe haben auch einen ganz konkreten Grund: Die Unternehmen in Frankreich suchen händeringend Kandidaten mit Deutschkenntnissen. „Bei der aktuell hohen Arbeitslosigkeit haben wir Mühe, deutschsprachige Franzosen zu finden – eine Kompetenz, die häufig unverzichtbar ist, um in unseren Unternehmen oder im Export zu arbeiten“, schrieb Guy Maugis, Chef von Bosch Frankreich sowie Präsident der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer (AHK) an die Ministerin.

          „Tausende von Stellen“ blieben daher unbesetzt und Exportmärkte gingen verloren oder würden gar nicht erst erobert, stellte der Manager fest. Der Mangel trete querbeet auf: Höhere Angestellte, Ingenieure, Vertriebsleute und Verwaltungspersonal seien betroffen. Die AHK, die in Frankreich 3000 deutsche Unternehmen mit 300.000 Arbeitsplätzen vertritt, zeigt sich dabei außergewöhnlich militant. Auf ihrer Website kann man per Link eine Petition gegen die Reform elektronisch unterzeichnen. Fast 33.400 Personen haben das bisher getan.

          Offene Türen einrennen

          „Den anderen zu verstehen – das ist nicht nur der Schlüssel für die deutsch-französische und europäische Verständigung, das ist der Schlüssel für jede Art von Erfolg“, meint der Frankreich-Chef von BASF, Xavier Susterac, der mit einer Deutschen verheiratet ist und seinen Sohn zweisprachig erzieht. Er sei „sehr enttäuscht“ über den Reformvorschlag, „der hoffentlich nicht das letzte Wort ist“. Auch BASF brauche Fachkräfte mit Deutschkenntnissen. „Viele Besprechungen in der Gruppe werden zwar in Englisch abgehalten, doch am Ende geht man häufig zu Deutsch über“, berichtet der Franzose, der in Frankreich 3000 Mitarbeiter hat.

          Dass das Erlernen der deutschen Sprache als elitär angesehen werde, versteht er nicht. Vor wenigen Tagen hatte BASF zusammen mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk Schüler aus dem sozial benachteiligten Norden von Paris in die Konzernzentrale eingeladen, um ihnen nicht nur die Vorteile einer dualen Berufsausbildung schmackhaft zu machen, sondern auch die deutsche Sprache. Dabei rannten sie offene Türen ein, denn die jungen Leute aus einem Collège des Pariser Vorortes Aulnay-sous-Bois lernen bereits Deutsch.

          Die Botschaft ist bei der Ministerin Vallaud-Belkacem bisher allerdings nicht angekommen. „Die Regierung bewegt sich nicht“, berichtet Hans Herth, der Präsident der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa. Die Ministerin betont, dass sie sogar neue Deutschlehrer einstellen wolle, denn im Durchschnitt nehme die Zahl der Stunden zu. Doch daran herrschen große Zweifel.

          Die Kritiker erwarten, dass künftig wieder mehr französische Schüler Spanisch als zweite Fremdsprache neben Englisch wählen werden. Der Niedergang der deutschen Sprache in Frankreich, der durch die Spezialklassen gestoppt worden war, werde damit wieder einsetzen. Vereinspräsident Herth übt freilich auch Kritik an deutschen Stellen, weil sie nicht genügend für Deutschland und die deutsche Sprache Werbung machten. „Die Franzosen können das viel besser. Der Spruch ‚Leben wie Gott in Frankreich‘ ist dafür das beste Beispiel.“

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