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Nach Datenleck in Staatswerft : Frankreich ermittelt wegen geheimer U-Boot-Daten

Ein indisches U-Boot der Scorpene-Klasse - gebaut von DCNS. Bild: AFP

Ein französischer Konzern bekam den weltgrößten Auftrag für U-Boote in Australien. Nun sind sensible Daten über Baupläne im Netz aufgetaucht. Die französischen Behörden schalten sich ein.

          Nachdem durch ein gewaltiges Datenleck Pläne und auch geheime Informationen über von der französischen Staatswerft DCNS bekannt geworden ist, ermitteln nun die Sicherheitsbehörden. Auch DCNS habe eine interne Untersuchung eingeleitet, sagte eine Sprecher gegenüber FAZ.NET.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Ergebnisse gebe es noch nicht. Die nun laufenden Ermittlungen würden „die Natur“ der verlorenen Dokumente, den „möglichen Schaden für DCNS und für die Kunden“ sowie die Verantwortlichkeiten ans Tageslicht bringen.

          Die Angelegenheit ist hochbrisant: Sie stellt den größten Unterseeboot-Auftrag der Welt in Frage. Australien hatte DCNS bei der Vergabe des Auftrages für den Bau von zwölf Booten der deutschen Werft Thyssen-Krupp Marine Services (TKMS) vorgezogen. Im Bieter-Wettstreit wurde unter anderem kolportiert, die Deutschen ließen sich von China ausspionieren, die Boote seien deshalb nicht sicher - genau dieser Vorwurf trifft nun die Franzosen. Das Auftragsvolumen in Australien beträgt liegt bei rund 50 Milliarden Australischen Dollar (33,7 Milliarden Euro).

          Staaten rund um die Welt betroffen

          Mit den australischen Behörden stehe DCNC über ihre australische Tochtergesellschaft und ihren rund 50 Mitarbeitern in Kontakt, sagte der Sprecher weiter gegenüber FAZ.NET. Die Verhandlungen mit den australischen Behörden über das große U-Boot-Geschäft liefen weiter. Die Frage, ob sie durch das Datenleck belastet werden, wollte der Sprecher nicht kommentieren.

          DCNS ist durch einen Artikel in der Zeitung „The Australian“ auf das Datenleck aufmerksam geworden. Mehr als 22.000 Seiten teilweise sensibler Daten und Pläne der französischen Staatswerft für den Bau von U-Booten in Indien sind im Internet veröffentlicht worden.

          Von dem Leck sind Staaten rund um die Erde betroffen: In Indien werden die Boote der französischen Scorpene-Klasse für rund 3 Milliarden Dollar gerade nach vier Jahren Verzögerung fertiggestellt. Die gleiche Klasse haben die Franzosen auch an Brasilien, Chile und Malaysia verkauft, die nun auch ihre Daten bis hin zu geheimen Angaben über die Kampfkraft der Boote im Internet lesen können.

          Die Dokumente betreffen aber auch das amerikanische Waffensystem. Washington ist extrem vorsichtig, Daten aus dessen Umfeld zu veröffentlichen. So bauen amerikanische Ingenieure die Steuerung der gelieferten und mit Amerikas Flotte abgestimmten Systeme in einer „Black-Box“ ein, die auch den heimischen Technikern aus Australien oder Indien verschlossen bleibt.

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