https://www.faz.net/-gqe-8yu29

Frankreich : Bürgermeister fordert Kopftuchverbot für Verkäuferinnen

  • Aktualisiert am

Gegen leicht bekleidete Frauen im Schaufenster hat der Bürgermeister nichts, gegen Verkäuferinnen mit Kopftuch schon. Bild: dpa

Bei der Modekette H&M darf sich in Frankreich jeder Mitarbeiter so kleiden, „wie er möchte“. Einem Bürgermeister passt das jedoch gar nicht.

          1 Min.

          In Frankreich sorgt ein Brief des Bürgermeisters von Mandelieu-la-Napoule bei Cannes an die örtliche Filiale der Modekette H&M für landesweite Schlagzeilen. Darin fordert Henri Leroy die Betreiber auf, den muslimischen Mitarbeiterinnen das Tragen des Kopftuchs zu verbieten. Der 72 Jahre alte Politiker der konservativen Republikaner begründete sein Schreiben mit wiederholten Klagen von anderen Angestellten und Kunden. Diese fühlten sich durch das Kopftuch gestört.

          Ein Verbot könne sich auf das nationale Arbeitsrecht wie auch auf die europäische Rechtsprechung stützen, so Leroy. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte im März geurteilt, dass Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Tragen von religiösen Symbolen wie Kopftüchern verbieten können. Allerdings müssten alle Arbeitnehmer gleich behandelt werden, betonten die Richter. Auch müsse das Verbot ein „angemessenes“ Mittel zur Erreichung eines Zieles sein, etwa der Wahrung der Neutralität im Umgang mit Kunden.

          In seinem Brief verweist der Bürgermeister darauf, dass sich seine Kommune den Werten der Republik und der Neutralität in religiösen Fragen verpflichtet fühle. Eine beim Premierminister angesiedelte Beobachtungsstelle zur Trennung von Staat und Religion kommentierte diese Passage auf Twitter mit den Worten: „Zur Wahrung der Neutralität sind öffentliche Einrichtungen verpflichtet, nicht jedoch private Unternehmen.“

          Ein Sprecher von H&M sagte der Zeitung „Figaro“: „Unsere internen Regelungen erlauben jedem Mitarbeiter, sich im Rahmen der geltenden Gesetze so zu kleiden, wie er möchte.“ Was vom Gesetz her nicht untersagt sei, werde auch nicht verboten.

          Der Fall von Mandelieu-la-Napoule erinnert laut französischen Medien an die Debatten des vergangenen Sommers, als mehrere Bürgermeister nach dem Lastwagen-Attentat eines Islamisten in Nizza ein Verbot von Ganzkörperschwimmanzügen, den sogenannten Burkinis, an den Stränden der Cote d’Azur erließen.

          Weitere Themen

          So sparen Autofahrer Geld Video-Seite öffnen

          Tipps für das Tanken : So sparen Autofahrer Geld

          Diesel und Benzin werden immer teurer - Autofahrer können sich aber Preisschwankungen an der Tankstelle zunutze machen. Zahlreiche Apps zeigen die günstigsten Zapfsäulen an - und eine sparsame Fahrweise schont ebenfalls den Geldbeutel.

          Topmeldungen

          Julian Reichelt am 30. Januar 2020 auf einer Messe in Düsseldorf

          Bild-Chef Julian Reichelt : Sex, Lügen und ein achtkantiger Rauswurf

          Erst bringt die New York Times eine Riesenstory über Springer. Vorher stoppt der Verleger Ippen eine Recherche über den Bild-Chef Reichelt. Der ist seinen Job plötzlich los. Er hat wohl den Vorstand belogen. Die Chaostage sind perfekt.
          Polen sei „nach wie vor ein loyales Mitglied der EU“: Ministerpräsident Mateusz Morawiecki

          F.A.Z. Frühdenker : Was will Polen von der EU?

          Es knirscht heftig zwischen Warschau und Brüssel: Ministerpräsident Morawiecki will nun „Polens Position im Detail“ vor dem EU-Parlament erklären. Ampel-Koalitionsgespräche könnten Donnerstag starten. Und die Frankfurter Buchmesse öffnet. Der F.A.Z.-Newsletter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.