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Frankfurter Flughafen : So rüstet sich der Frankfurter Flughafen für „Extremspitzen“

Viel los: Passagiere im Abflugbereich im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens am 13.07.2022 Bild: Frank Rumpenhorst

Der Frankfurter Flughafen rüstet sich für den größten Ansturm seit 2019. Aus Sicht der Flugsicherung wird es auch am Himmel eng – doch das liegt nicht nur an Urlaubern.

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          Wenn Arndt Schoenemann über Wochenenden spricht, dann geht es nicht um Erholung im Sommer, sondern um „Extremspitzen“ in der Arbeit für Fluglotsen. Schoenemann ist der Chef der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt, die den Verkehr am Himmel über der Bundesrepublik regelt. Und die Lotsen der DFS sehen seit Wochen, dass vor allem am Wochenende viel los ist – weil sich der Urlauberverkehr dem Vorkrisenniveau angenähert hat, während es weniger Geschäftsreisen gibt. Das kommende Wochenende gilt als besondere Herausforderung. Dann beginnen auch in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland die Schulferien. Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt rechnet mit dem aufkommensstärksten Tag seit fast drei Jahren.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwischen 5 Uhr am Morgen und 23 Uhr sollen mehr als 200.000 Passagiere starten oder landen. Auch wenn der Flughafenbetreiber Fraport im Kampf gegen Engpässe, Schlangen und Gepäckchaos die Zahl der Starts und Landungen je Stunde in zwei Schritten von 106 auf 88 senken ließ, bleiben etwas mehr als 1200 Flüge am Tag von und nach Frankfurt, um die sich die Lotsen der DFS kümmern müssen. Im ersten Halbjahr begleiteten sie insgesamt mehr als 1,2 Millionen Flüge, das waren 76 Prozent des Niveaus von 2019, berichtet Schoenemann. Für das Gesamtjahr rechnet er mit 85 Prozent.

          Doch teils liegt man schon jetzt höher. So seien im DFS-Kontrollzentrum in Karlsruhe, das den Luftraum über Süddeutschland überwacht, in diesem Juni 20 Prozent mehr Flüge gezählt worden als im Juni 2019. Schoenemann spricht von einem „rasanten Verkehrsanstieg“. Flughäfen und Fluggesellschaften führen den in ihrem Geschäft auf die große Urlaubslust nach zwei Corona-Jahren zurück, während trotz angelaufener Neueinstellungen weiter Personal fehlt. Schoenemann sieht noch andere Auslöser, die die Arbeit seiner Lotsen wachsen lassen. Seit Russland Krieg in der Ukraine führt, sind Teile Osteuropas nicht mehr überfliegbar, Airlines weichen weiträumig aus. „Östlich von Warschau gibt es kaum noch Flugverkehr“, sagt er. Die französische Flugsicherung hat indes Software in ihrer Zentrale getauscht, für eine Übergangszeit können Lotsen dort weniger Flüge überwachen, wieder weichen Airlines aus. Von Ost und West drängt somit mehr Verkehr in das Zuständigkeitsgebiet der DFS. „Es gibt eine extreme Verdichtung im Luftverkehr“, sagt Schoenemann.

          „Wir sind nicht der Treiber“

          Dazu kämen militärische Überflüge, von denen es in der aktuellen Krisenzeit bis zu 60 Prozent mehr gebe. Für diese Überflüge muss stets kurzfristig einer von vier Flugkorridoren gesperrt werden, die Lotsen müssen Urlauberjets und andere Passagierflüge umleiten oder auf eine niedrigere oder größere Höhe zwingen. Zur Vorbereitung bleiben oft nur 30 Minuten. Mancher Korridor sei, so Schoenemann, bis zu fünf Stunden am Tag nicht für zivile Flüge nutzbar.

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