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Frankfurter Flughafen : „Wir sind ein Einkaufszentrum mit Landebahn“

  • Aktualisiert am

Die Pisten in Frankfurt sind ausgelastet Bild: ddp

Noch vier Monate. Dann ist Stefan Schulte der neue Vorstandsvorsitzende von Fraport, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Im Interview spricht der neue Flughafen-Chef über Läden im Airport, flüsternde Flugzeuge und teure Kofferträger.

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          Noch vier Monate. Dann ist Stefan Schulte der neue Vorstandsvorsitzende von Fraport, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Im Interview spricht der neue Flughafen-Chef über Läden im Airport, flüsternde Flugzeuge und teure Kofferträger.

          Herr Schulte, einen Tag parken kostet bei Ihnen 23 Euro. Dafür kann man fast schon fliegen. Können Sie das nicht billiger machen?

          Parken ist bei uns günstiger als an anderen internationalen Flughäfen. Und wenn Sie im Internet vorausbuchen, bekommen Sie noch erheblichen Nachlass. Und außerdem: Fliegen ab Frankfurt ist günstig, aber für 23 Euro sind Flüge dann doch nicht zu haben, denn wir bieten vor allem europäische und interkontinentale Ziele an.

          Bürowechsel am 1. September: Der künftige Fraport-Chef Stefan Schulte
          Bürowechsel am 1. September: Der künftige Fraport-Chef Stefan Schulte : Bild: Daniel Pilar

          Einverstanden. Aus Ihren Zahlen geht hervor: Sie leben nicht vom Fluggeschäft, sondern von Parkgebühren und vom Einzelhandel.

          Rein zahlenmäßig stimmt das. Vermietung von Laden- und Gastronomieflächen und die Parkeinnahmen steuern schon deutlich über 60 Prozent unserer Ergebnisse bei. Der Anteil wird weiter steigen.

          Sie wollen Ihre Flächen für Geschäfte und Gaststätten bis 2012 verdoppeln. Wird der Flughafen dann endgültig zum Einkaufszentrum mit Flugmöglichkeit?

          Voraussetzung für jeden Umsatz im Flughafen ist ein exzellenter Flugservice und eine exzellente Anbindung an Eisenbahn und Autobahn. Das haben wir. Aber es stimmt: Flughäfen werden zunehmend Einkaufszentren mit Landebahn, sie leben vor allem vom Handel und der Gastronomie. Wir holen mit unseren Erweiterungsplänen nach, was in einigen internationalen Flughäfen schon üblich ist.

          Ihr Hauptkunde und Großaktionär Lufthansa setzt Sie unter Druck, die Landegebühren zu senken und stattdessen das Geld mit einkaufenden Passagieren zu verdienen.

          Wettbewerb ist in Ordnung, aber wir haben durchaus international wettbewerbsfähige Landeentgelte.

          Werden Sie überhaupt Kundschaft für Ihre neuen Ladenzeilen finden?

          Ganz klar ja! Unsere Passagiere erwarten vielfältigere Angebote. In manchen Terminal-Bereichen finden sie kein hochwertiges Restaurant und viel zu wenige Läden. Das ändern wir.

          Es wird doch kein Fluggast Frankfurt ansteuern, nur weil man dort bald schön einkaufen kann.

          Täuschen Sie sich nicht. Das ist für viele Kunden durchaus auch heute schon ein Kriterium. Für sie soll der Urlaub schon am Flughafen beginnen. Sie kommen ein bis zwei Stunden früher, bummeln die Ladenzeilen entlang und kaufen ein.

          Sind das nicht Argumente aus der alten Welt? Wir haben eine schlimme Wirtschaftskrise. Die Leute kaufen vielleicht gar nicht mehr ein.

          Nicht so pessimistisch bitte! Davon merken wir bisher nichts. Im ersten Quartal wurde je Passagier sogar mehr Geld bei uns ausgegeben als im Vorjahr.

          Ist es nicht gleichzeitig bedrohlich, dass Ihre Erträge im Kerngeschäft Flugbetrieb eher zu sinken drohen?

          Bei Investitionen von derzeit etwa einer Milliarde Euro im Jahr müssen wir die Erträge auch im Flugbetrieb deutlich steigern. Und unsere Auslandbeteiligungen, zum Beispiel im türkischen Antalya und in Lima/Peru, entwickeln sich positiv. Der Ergebnisanteil aus diesen Ländern wird weiter steigen, denn es sind dynamisch wachsende Flughäfen.

          Im Kerngeschäft Bodenverkehrsdienste - zum Beispiel Beladung, Betankung, Koffertransport - machen Sie keinen Euro Gewinn.

          Stimmt. Die knapp 6000 Mitarbeiter machen einen exzellenten Job. Aber die Personalkosten sind hier 25 bis 30 Prozent höher als bei dem Konkurrenten Acciona. Das ist zu viel. Wir müssen die Kosten senken, zum Beispiel über weniger Urlaub, Kürzung übertariflicher Leistungen oder andere Maßnahmen. Gibt es keine Einigung, werden wir die Dienste ausgliedern, verkaufen oder schrittweise nicht mehr anbieten können.

          Haben Sie überhaupt eine Chance, 2009 schwarze Zahlen zu schreiben? Der Geschäftsreiseverkehr bricht ein, die Touristen urlauben in Deutschland. Der Frachtverkehr schrumpft.

          Das Jahr 2009 wird sicher schwierig. Wir haben derzeit Passagierrückgänge von knapp 10 Prozent, die Fracht ist mehr als 20 Prozent im Minus. Beim Passagierverkehr spüren wir aber wieder eine leichte Besserung. Im März hat sich der Rückgang der Fluggastzahlen verringert, und im April setzt sich dieser Trend derzeit fort. Abwarten müssen wir, wie sich der touristische Flugverkehr entwickeln wird.

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