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Nach Wartechaos : Frankfurter Flughafen baut Sicherheitskontrollen aus

Gepäckkontrolle am Frankfurter Flughafen Bild: Frank Röth

Der Frankfurter Flughafen kämpft gegen lange Wartezeiten und baut deshalb neue Kontrollanlagen. Die Zahl der abgefertigten Passagiere soll so um die Hälfte steigen. Kritik kommt von der Bundespolizei.

          Der Frankfurter Flughafen schafft Platz für mehr neue Sicherheitskontrollspuren, um die Überprüfung von Passagieren und Handgepäck zu beschleunigen. Das hat Stefan Schulte, der Vorstandsvorsitzende des Flughafenbetreibers Fraport, auf den Hauptversammlung des Konzerns am Dienstag in Frankfurt angekündigt. „Die Bundespolizei hat uns mitgeteilt, dass an zwei der neuen Spuren bis zu 500 Passagiere in der Stunde abgefertigt werden können“, sagte er. Auf gleicher Fläche konnten an vier alten Kontrolllinien 320 Passagiere – unter Idealbedingungen zuweilen auch 400 – geprüft werden. Somit ergibt sich an den neuen Anlagen ein Anstieg des Reisenden-Durchsatzes um in der Spitze rund 50 Prozent. „Es geht in die richtige Richtung“, sagte Schulte.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In den Regeleinsatz kommen sieben der neuen Anlagen, die die Bundespolizei mit privaten Dienstleistern in den vergangenen Monaten getestet hat, im Sommer in einem Anbau das Terminal 1. „Dadurch werden wir einen Flaschenhals im Terminalbereich A verhindern“, zeigte sich Schulte überzeugt, dass Passagiere des Fraport-Hauptkunden Lufthansa, die diesen Bereich für ihre Abflüge nutzt, mit kürzeren Schlangen rechnen können. 2018 waren lange Warteschlangen ein Ärgernis. Für Irritationen hatte im Vorfeld der Hauptversammlung gesorgt, dass Fraport einräumte, mit dem Anbau nicht ganz fertig zu sein und die neue Halle nach dem Sommer für restliche Innenarbeiten vorerst wieder zu schließen.

          Zu wenig Platz

          Wie die F.A.Z. aus dem Konzern erfuhr, sollen die neuen Anlagen aber nicht über Monate ungenutzt herumstehen. Sie sollen in der neuen Halle abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgestellt werden. Einige der Spuren werden dann voraussichtlich auch im Terminal 2 eingesetzt, der von Wettbewerbern der Lufthansa genutzt wird. Nach Abschluss der Restarbeiten im Neubau sollen schließlich im Jahr 2020 dort zusätzliche neue Anlagen aufgestellt werden. Im neuen Terminal 3, dessen erster Bereich 2021 fertig sein soll, sollen die neuen Spuren zur Standardausstattung gehören.

          Die neuen Einrichtungen für die Durchleuchtung von Handgepäck sind mit Tischen und Förderbändern länger als die bisherigen, weshalb sie nicht ohne weiteres in jeder bisherigen Kontrollzone aufgestellt werden können. Dieter Romann, der Präsident der Bundespolizei, in deren Verantwortung die Kontrollen liegen, hatte zuletzt kritisiert, dass Flughäfen neben Restaurants und Einkaufsbereichen nicht immer genug Platz für die Modernisierung der Anlagen bereit stellen. „Ein echtes Problem ist die Fläche, die für die Kontrollen zur Verfügung gestellt wird. Die reicht vielerorts für unsere modernsten und effizientesten Geräte nicht aus."

          Fraport setzt auf das Ausland

          Für sein Wachstum setzt Fraport stärker auf Standorte im Ausland. Nachdem der Konzern 2018 den Flughafenbetrieb in den brasilianischen Städten Fortaleza und Porto Alegre übernommen hatte, zählt Fraport an mehrheitlich oder komplett zum Konzern gehörenden Auslandsstandorten mehr Passagiere als in Frankfurt. In den ersten vier Monaten standen den 20,8 Passagieren in Frankfurt 21,5 Millionen Reisende in komplett oder mehrheitlich Fraport zugerechneten Terminals – ob auf griechischen Inseln, in Lima in Peru oder im türkischen Antalya – gegenüber. Mit den Minderheitsbeteiligungen in St. Petersburg und im chinesischen Xi’an waren die Auslandszahlen schon vorher höher.

          Jenseits von Frankfurt fällt das Wachstum auch höher aus. In Brasilien stiegen die Passagierzahlen bis Ende April gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 13 Prozent, in Griechenland um knapp 8 Prozent. Frankfurt zählte nur 3,3 Prozent mehr Reisende, da Fraport bis zur Eröffnung von Terminal 3 kaum noch Wachstumsmöglichkeiten hat. Schulte bekräftigte, dass das Auslandsgeschäft sich künftig noch stärker auszahlen soll. „Während 2016 weniger als ein Viertel des operativen Ergebnisses aus dem Segment kam, lag der Anteil 2018 schon bei 36 Prozent. Langfristig möchten wir den Ergebnisanteil aus dem internationalen Geschäft in Richtung 50 Prozent steigern“, sagte er.

          Fraport hatte 2018 unterm Strich 506 Millionen Euro verdient – ohne den Verkaufserlös für die Beteiligung am Flughafen Hannover waren es rund 430 Millionen Euro. In dieser Größenordnung – zwischen 420 und 460 Millionen Euro – soll auch 2019 der Überschuss liegen, bekräftigte Schulte die Jahresprognose.

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