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Franken-Freigabe : So zittern die Schweizer

Das Matterhorn zieht viele Touristen an. Bild: Reuters

Die Freigabe des Franken trifft Teile der Schweizer Wirtschaft ins Mark. Die Hoteliers zittern, weil Urlaub in der Schweiz unerschwinglich wird. Derweil kaufen die Eidgenossen fröhlich in Deutschland ein.

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          Was kostet der Skipass in der Schweiz? Beispiel Matterhorn: 79 Franken kostet ein Tagesskipass für die Bergbahnen und Lifte, welche die Wintersportler von Zermatt aus hinauf in luftige Höhen bringen. 79 Franken, das waren bis vor kurzem umgerechnet 66 Euro. Das ist auch schon eine Menge Holz. Inzwischen jedoch sind 79 Franken fast 79 Euro. Nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag ihre Wechselkurspolitik kurzerhand über den Haufen geworfen hat und dem Frankenkurs freien Lauf gab, wertete die Schweizer Währung schlagartig stark auf. Kurzzeitig war der Kurs von der jahrelang verteidigten Untergrenze von 1,20 Franken je Euro bis auf 78 Rappen je Euro gefallen. Später pendelte er sich bei 1,03 Franken je Euro ein. Am Freitag kostete der Franken weiterhin fast einen Euro.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Teile der Schweizer Wirtschaft trifft das ins Mark. Vor allem in der Tourismusindustrie beginnt jetzt das große Zittern. Wer seine Ferien in der Eidgenossenschaft verbringt, muss schon seit vielen Jahren deutlich mehr berappen als in den Nachbarländern Österreich, Frankreich und Italien, wo bekanntlich auch der ein oder andere hohe Berg steht. In den dortigen Skiregionen kostet ein Tagesskipass im Durchschnitt weniger als 50 Euro. Auch die Preise in den Hotels und Gaststätten sind jenseits der Schweizer Grenze deutlich niedriger. Für ein Hauptgericht in einem Schweizer Lokal sind ganz schnell mehr als 30 Franken respektive Euro weg. In Austria kann sich der Gast leicht für die Hälfte dieses Betrags den Magen voll schlagen.

          „Wir werden jetzt schwer zu beißen haben“

          „Wir werden jetzt schwer zu beißen haben“, sagt Barbara Gisi, Direktorin des Schweizer Tourismusverbands. Sie befürchtet, dass nun etliche Hotelbetriebe aufgeben müssen, vor allem in den Reiseregionen, die stark von Ausländern leben. Nach ihrer Schätzung könnten die Buchungen in dieser Wintersaison um einen zweistelligen Prozentsatz fallen. Dabei spielt freilich auch der Schneemangel zu Beginn der Saison eine Rolle.

          Die Schweizer Hoteliers und Reiseveranstalter trifft die Frankenaufwertung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Im Moment ist Buchungszeit sowohl für die laufende Wintersaison als auch für den Sommer. Die Verbandschefin macht sich keine Illusionen darüber, was das bedeutet: „Jetzt ist es noch lustiger, nach Österreich zu fahren.“ Sie hofft, dass sich nun nicht auch noch die Schweizer auf und davon machen. Gisi appelliert an den Patriotismus ihrer Mitbürger: „Wenn jeder Schweizer eine Woche mehr Urlaub in der Schweiz machte, würde uns das schon sehr helfen.“

          Nun ist der Schweizer in der Tat stolz auf sein Land. Aber wenn es ans Geld geht, hat die Vaterlandsliebe ihre Grenzen. Diesen Eindruck vermittelten zumindest all jene, die sich nach der Freigabe des Wechselkurses schnurstracks mit Euros eindeckten. Vor etlichen Bankautomaten und Wechselstuben bildeten sich am Donnerstag lange Schlangen, mancherorts gingen sogar die Euro-Noten aus.

          Damit ist klar: An diesem Samstag werden sich die Schweizer in den grenznahen Einkaufsläden in Deutschland gegenseitig auf die Füße treten. Peter Herrmann, Center-Manager im Konstanzer Einkaufzentrum Lago, rechnet am Wochenende mit etwa 10 Prozent mehr Kunden. Er fühlt sich erinnert an 2011, als der Franken-Euro-Kurs kurzzeitig auch schon bei eins zu eins stand. „Damals kamen plötzlich auch eingefleischte Eidgenossen zu uns.“

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