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Fragen an: Heinrich von Pierer : „Nein, nie“

  • Aktualisiert am

Bild: Mart Klein und Miriam Migliazzi

Heinrich von Pierer pocht auf sein Unwissen: Der frühere Siemens-Chef beteuert zur Veröffentlichung seiner Autobiographie, von den schwarzen Kassen, die es im Konzern gegeben hat, nichts gewusst zu haben. Ein Interview über den Fall des „Mr. Siemens“.

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          Herr Pierer, Sie waren der einzige Vorstandsvorsitzende, der jemals vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York aufgetreten ist…

          Das stimmt. Das war damals eine besondere Situation. So etwas hat es danach nie wieder gegeben.

          Sie haben sich regelmäßig mit Staatsoberhäuptern getroffen, Kanzler waren bei Ihnen daheim zu Besuch.

          Ja, aber nicht nur. Ich bin in meinem Beruf auch vielen einfachen Menschen auf der ganzen Welt begegnet. Das war abwechslungsreich und spannend. Es gilt ja auch heute noch: Mit Siemens lernt man die Welt kennen.

          Sie waren „Mr. Siemens“. Und plötzlich, im November 2006, Sie waren schon Aufsichtsratsvorsitzender, wurden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Schmiergeldaffäre öffentlich. Kurz danach sind Sie als Aufsichtratschef zurückgetreten, wurden später sogar wie ein Schwerverbrecher morgens beim Brötchenholen abgelichtet. Hat sich seither Ihr Verhältnis zu Ihren früheren Gesprächspartnern verändert?

          Es hat sich verändert, da habe ich mir auch überhaupt keine Illusionen gemacht. Es ist doch klar, dass ein Bundeskanzler – oder eine Bundeskanzlerin – mich heute nicht mehr um Rat fragt. Natürlich sucht man eher bei aktiven Managern Rat und nicht mehr bei ausgeschiedenen. Schauen Sie, in der kommenden Woche wäre meine Amtszeit als Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens auch regulär zu Ende gewesen. Denn es gilt bei Siemens eine traditionelle und von meinen Vorgängern stets Respektierte Altersgrenze von 70 Jahren für dieses Amt. Bei mir kam der Wechsel nur etwas radikaler.

          Ist das nicht etwas verharmlosend? Denn er kam schließlich nicht freiwillig. Der Einschnitt muss für Sie doch viel gravierender gewesen sein, als Sie es jetzt beschreiben.

          Nun, ich hatte weniger Zeit, mich auf die Veränderung einzustellen, das stimmt. Und das Foto, das mich etwas verwaschen um 8 Uhr früh beim Brötchenholen mit einer Zeitung in der Hand gezeigt hat, in der an jenem Tag wieder einmal irgendwelche schlimme Dinge über mich standen, war ein Tiefpunkt. Auch das ist wahr, obwohl der Vergleich mit einem Schwerverbrecher natürlich hinkt. Zu der Zeit wurden sogar meine Nachbarn gefragt, warum man den Pierer nicht mehr auf der Straße sehe. Dabei war ich in den fraglichen Tagen einfach nur im Urlaub. Unglaublich.

          Sind Sie nun Dauerurlauber geworden?

          Nein, ich habe ein Leben nach meinem bisherigen Beruf, das mir Spaß macht. Ich habe meine Themen gefunden, das heute erscheinende Buch geschrieben, eine Managementberatung gegründet, in der genügend Arbeit anfällt. Vor allem aber habe ich viel mehr Zeit für meine Familie, meine Frau, meine Kinder, meine Enkel.

          … eine Familie, die Ihnen geraten hat, in dem Buch nicht mit Personen abzurechnen, über die Sie sich in den Jahren der Aufklärung der Schmiergeldaffäre mächtig geärgert und gar erzürnt haben?

          So ist es. Das hätte doch nichts gebracht.

          Viele haben erwartet, dass Sie mit der Rolle des heutigen Siemens-Aufsichtsratschefs und damaligen Vorsitzenden des Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat, also mit Gerhard Cromme, kritischer umgehen. Im Buch beschreiben Sie stattdessen sehr neutral Crommes besondere Eignung für das Amt des Prüfungsauschussvorsitzenden und dessen Zuständigkeit zur Überwachung von Compliance-Vorschriften im Siemens-Konzern. Reicht Ihnen das?

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