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Taiwaner kaufen Japaner : Sharp lässt sich von Foxconn retten

Schwere Zeiten für Sharp: Hier ein Werk nördlich von Tokio Bild: Reuters

Der angeschlagene japanische Elektronikkonzern Sharp geht in taiwanische Hand. Der Unternehmer Terry Gou bezahlt einen hohen Milliardenbetrag und siegt gegen die Japan AG. Sharps Aktie bricht um 14 Prozent ein.

          Das angeschlagene japanische Elektronikunternehmen Sharp geht in taiwanische Hand. Der Vorstand von Sharp entschied am Donnerstag, sich von Hon Hai Precision Industry (Foxconn) übernehmen zu lassen. In einer seltenen Übernahme wird damit ein ausländisches ein japanisches Unternehmen schlucken. Im Wettstreit zwischen Foxconn und dem vom japanischen Staat gestützten Fonds Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) um die Rettung von Sharp gewinnt damit die marktwirtschaftliche Lösung. Der Bieterwettkampf galt als Symbol für die wirtschaftliche Offenheit Japans unter der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Foxconn wird nach Angaben von Sharp künftig 69,5 Prozent von Sharp halten und dazu neue Aktien kaufen. Das geschieht zum günstigen Preis von 118 Yen oder 32 Prozent weniger als der Schlusskurs von Mittwoch. An der Börse in Tokio brach der Aktienkurs von Sharp zeitweise um bis zu 21 Prozent ein und lag am Handelsschluss 14 Prozent im Minus bei 149 Yen, einem Neun-Monatstief. Hon Hai schloss in Taipeh 2,7 Prozent im Plus, bevor die Details der Übernahme bekannt wurden.

          Sharp wird aus dem Aktienverkauf 484,3 Milliarden Yen erlösen. Hon Hai deponiert 100 Milliarden Yen als Garantiezahlung, sollte die Übernahme nicht durchgehen. Noch am Donnerstagmorgen war das Foxconn-Angebot mit bis zu 700 Milliarden Yen beziffert worden. Als Teil der Abmachung wird Foxconn für 100 Milliarden Yen Vorzugsaktien von Mizuho Financial Group und Mitsubishi UFJ Financial Group kaufen, den beiden Hauptgläubiger Sharps. Die beiden Großbanken, die in den vergangenen Jahren Sharp schon zwei Mal herausgepaukt hatten, geben damit je die Hälfte ihrer Aktien ab und gehen zum Teil aus dem Risiko. Die Aktie von Mizuho legte 2,7 Prozent zu, MUFJ schloss 1,8 Prozent im Plus.

          Die erste ausländische Übernahme eines großen Elektronikunternehmens ist für Japan ein Novum. Mit umgerechnet knapp 6 Milliarden Dollar ist es eine der größten ausländischen Übernahmen eines japanischen Unternehmens überhaupt. 2007 kaufte Citigroup für 7,9 Milliarden Dollar Nikko Cordial. 1999 erwarb General Motors für 6,9 Milliarden Dollar Japan Leasing und 2001 kaufte Vodafone für 6,5 Milliarden Dollar Japan Telecom.

          Die Fusion hat Weiterungen weit über die Region hinaus. Foxconn ist der größte Auftragsproduzent für das amerikanische Elektronikunternehmen Apple. Sharp gehört zu den größten Herstellern von LCD-Bildschirmen für Handys und Tablett-Computer. Terry Gou, der Vorsitzende von Foxconn, kommt mit der Übernahme seinem Ziel ein großes Stück näher, sein Unternehmen von der Auftragsproduktion bis zur Herstellung elektronischer Bauteile breiter aufzustellen. Nach Medienberichten will Gou Sharp als Einheit weitgehend erhalten, aber das Geschäft mit Solarzellen abgeben.

          Die japanische Lösung verliert

          In der japanischen Lösung betrug das Angebot des Innovationsfonds eine Kapitaleinlage von 300 Milliarden Yen (2,4 Milliarden Euro) und eine neue Kreditlinie. Der Plan sah unter anderem vor, die LCD-Display-Sparte von Sharp mit Japan Display Inc zu verschmelzen. Japan Display war 2012 mit Staatshilfe durch die Fusion der LCD-Sparten von Hitachi, Sony und Toshiba entstanden. Der Innovationsfonds verlangte nach Medienberichten auch, dass die Hauptgläubiger auf einen Teil ihrer Vorzugsaktien verzichteten. Der Fonds betonte, nur durch seine Offerte werde wertvolles technisches Wissen Sharps für Japan gerettet. Doch das mangelnde Interesse anderer japanischer Elektronikunternehmen, Sharp zu übernehmen, lässt diese Argumentation zweifelhaft erscheinen.

          Foxconn und Sharp sprechen schon seit Jahren über eine Zusammenarbeit. 2012 scheiterte eine Allianz und Kapitalbeteiligung Foxconns daran, dass Sharps Aktienkurs einbrach. Das sorgte bei Sharp in Osaka für böses Blut, wenngleich Gou persönlich in ein LCD-Werk der Japaner investierte und dort das Management übernahm. Den guten Eindruck, den er bei der Restrukturierung des Werkes machte, hat seinem Angebot jetzt geholfen.

          Sharp, einst Synonym für beste japanische Fernseher, ist durch die scharfe Konkurrenz und Überinvestitionen in die Schieflage geraten. Drei der vergangenen vier Geschäftsjahre hat Sharp mit Verlust beendet. Seit 2012 betrug das gesamte Minus netto 1,1 Billionen Yen (9,1 Milliarden Euro). In den ersten drei Quartalen des im März endenden Geschäftsjahres fuhr Sharp einen Verlust von 108 Milliarden Yen ein, 15 Mal mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um 7 Prozent auf 1,9 Billionen Yen.

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