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Foxconn : Apples Sündenbock in China

Menschenauflauf: Chinesen stehen bei Foxconn in Shenzen um einen Arbeitsplatz an Bild: laif

Der Elektronikfertiger Foxconn kommt nicht zur Ruhe. Die Skandale verstellen den Blick auf schlimmere Zustände in anderen Betrieben - und darauf, dass Apple am meisten von den Niedriglöhnen profitiert.

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          Die Bilder erinnern an Straßenschlachten, und tatsächlich sind ganze Straßenzüge beteiligt. Chinesische Arbeiter des Elektronikfertigers Foxconn haben Fotos ins Internet gestellt, auf denen die Folgen ihrer gewalttätigen Auseinandersetzungen mit dem Werkschutz und der Polizei zu sehen sind. Umgestürzte Wachhäuschen, demolierte Autos, zerschlagene Scheiben. Hundertschaften von Sicherheitskräften riegeln die Wege auf dem riesigen Werksgelände ab, auf dem so viele Menschen wohnen und arbeiten wie in einer Stadt.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Fast 80.000 Mitarbeiter zählt Foxconn an seinem Standort in der zentralchinesischen Metropole Taiyuan. Die meisten sind Wanderarbeiter. Ihre Zahl entspricht der Einwohnerschaft von Marburg, dabei ist der Standort noch nicht einmal der größte der taiwanischen Gruppe. In Shenzhen, das in Südchina an Hongkong grenzt, beschäftigt Foxconn in Spitzenzeiten bis zu 400.000 Menschen. Insgesamt gibt der Konzern in China 1,2 Millionen Personen Arbeit.

          Zu den Ausschreitungen in Taiyuan Ende September mit 2000 Prügelnden und 40 Verletzten kam es aus noch ungeklärten Gründen. Klar ist nur, dass der Konflikt kein Einzelfall ist. Seit Jahren gerät Foxonn, der größte Elektronikfertiger der Welt, immer wieder in die Schlagzeilen. 2010 unternahm ein Dutzend Wanderarbeiter Selbstmordversuche in Shenzhen. Im laufenden Jahr hat es nach Angaben der Arbeitsrechtsorganisation China Labour Bulletin aus Hongkong bei Foxconn schon sechs Streiks mit teilweise handgreiflichen Folgen gegeben.

          Knallhart und nüchtern

          Anfang dieses Monats legten Proteste abermals ein Werk vorübergehend lahm. In Zhengzhou, 300 Kilometer südlich von Taiyuan, hätten bis zu 4000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, meldete die Interessenvertretung China Labor Watch aus New York. Die Streikenden seien dagegen angegangen, während einer Feiertagswoche arbeiten zu müssen. Auch hätten sie sich gegen kaum erfüllbare Gütestandards gewehrt. Foxconn bestätigt, dass es einen Disput um die Produktqualität gegeben habe. Er sei aber ohne Streik beigelegt worden. Die freiwillige Feiertagsarbeit werde mit dreifachem Lohn vergolten.

          Randale: Arbeiter protestieren in der Nähe einer Foxconn-Fabrik

          Nicht nur in China steht Foxconn, das zur börsennotierten Gruppe Hon Hai in Taipeh gehört, unter Beschuss. Auch in Japan schlagen den Taiwanern Zweifel entgegen. Dort wollen sie beim angeschlagenen Elektrokonzern Sharp einsteigen. Schon im Frühjahr einigten sich die beiden Unternehmen auf eine Beteiligung von 9,9 Prozent. Doch dann musste Sharp-Präsident Takashi Okuda im August einen Quartalsverlust von 138,4 Milliarden Yen (rund 1,4 Milliarden Euro) melden. Der Akienkurs fiel an einem Tag um 28 Prozent.

          Seitdem stellt Hon Hai alles wieder in Frage. Okuda und Sharp erfahren hautnah, dass Terry Gou, der 1959 geborene Herr über das taiwanische Imperium, nicht nur knallhart ist, wenn es um die Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken geht. Er nutzt auch nüchtern die Schwäche der Japaner. Das vielversprechende Geschäft Sharps mit kleinen und mittelgroßen Flachbildschirmen will er in ein Gemeinschaftsunternehmen auslagern und Zugang zu innovativer Technik bekommen. In Okudas Strategie für die Restrukturierung Sharps, das mit Fernsehern und Solarzellen kein Geld verdient, ist gerade dieses Geschäft sehr wichtig.

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