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Fusionen und Übernahmen : Chinesen dürfen das Bankhaus Hauck & Aufhäuser übernehmen

Fosun hatte sich schon im Juni 2015 mit den Eigentümern von Hauck & Aufhäuser auf einen Kaufpreis von 210 Millionen Euro verständigt. Bild: Lucas Wahl

Lange stellte sich die Bankenaufsicht quer. Nun hat sie dem neuen Eigentümer, dem Konglomerat Fosun, keine Auflagen erteilt.

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          Viele der 530 Mitarbeiter des Bankhauses Hauck & Aufhäuser haben am Donnerstag freudig aufgeatmet. Denn sie erhielten in Frankfurt und München die Nachricht, auf die sie seit Juni vergangenen Jahres sehnsüchtig gewartet haben und die zwischenzeitlich als unwahrscheinlich galt: Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun darf nach dem Votum der europäischen und der deutschen Bankenaufsicht alleiniger Eigentümer des traditionsreichen Bankhauses werden, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1796 zurück reichen. Die Bankenaufsicht habe dem neuen Eigentümer keine Auflagen erteilt, bestätigte eine Sprecherin von Hauck & Aufhäuser dieser Zeitung.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fosun hatte sich im Juni 2015 mit den Eigentümern von Hauck & Aufhäuser auf einen Kaufpreis von 210 Millionen Euro verständigt. Haucks Eigenkapital betrug damals 186 Millionen Euro. Der Kaufpreis erscheint daher hoch, denn Banken werden seit Jahren an der Börse nur zu Abschlägen vom Eigenkapital gehandelt. Auch zahlt Fosun den rund 75 Eignern des kleinen Bankhauses – darunter neben der Gründerfamilie Hauck zahlreiche deutsche Unternehmerfamilien wie Mast („Jägermeister“), Heraeus, Asbeck („Solarworld“) und Riegel („Haribo“) – etwa das Doppelte dessen, was zuvor andere Interessenten geboten haben sollen. Doch die deutsche Bankenaufsicht stellte sich lange quer. Obwohl ihr Fosun schon als früherer Miteigentümer der BHF-Bank bekannt war, dauerte es fast ein Jahr, bis die deutsche Bankenaufsicht Bafin das formal höchstens 60 Tage dauernde Inhaberkontrollverfahren begann.

          Fosun ist nicht unumstritten. Die größte private chinesische Beteiligungsgesellschaft, der unter anderem der Club Med und Anteile am Modeunternehmen Tom Tailor gehören, gilt als recht hoch verschuldet. Vor allem aber hat für Aufsehen gesorgt, dass Gründer Guo Guangchang im Dezember 2015 für vier Tage „verschwunden“ war. Offenbar musste Guo (Spitzname: Warren Buffett aus China) den chinesischen Behörden Auskunft erteilen bei deren Kampf gegen Korruption. Obwohl Guo sich anschließend demonstrativ auf Reisen im westlichen Ausland zeigte, stellten sich für die Bankenaufsicht Fragen nach der Zuverlässigkeit Fosuns als Alleineigner einer deutschen Bank. Mehr als drei Dutzend Aktenordner soll die Bafin von Fosun angefordert haben. Das Inhaberkontrollverfahren zog sich auch deshalb in die Länge, weil viele Übersetzungen chinesischer Schriftstücke vom chinesischen Konsul autorisiert werden mussten.

          Nun ist die Entscheidung für Fosun da. Nur das positive Votum der Finanzaufsicht in Luxemburg, wo Hauck auch tätig ist, fehlt noch. Weil es als Formsache gilt, können die Mitarbeiter und die Alteigner aufatmen. Fosun ist bei Hauck & Aufhäuser so gut wie am Ziel.

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