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Fortis-Verkauf gescheitert : Aktionäre brüskieren den Vorstand

Auf der Hauptversammlung ereiferten sich die Kleinaktionäre Bild: AFP

Es war eine turbulente Hauptversammlung: Fünf Stunden lang bemühten sich Fortis und seine Mitstreiter, den Aktionären den Verkauf der Fortis Bank an den belgischen Staat sowie - in einem zweiten Schritt - von 75 Prozent der Anteile nach Frankreich schmackhaft zu machen: vergeblich. Eine Reportage.

          Es ist kurz vor 15.30 Uhr, als die Entscheidung gegen den Verkauf des belgischen Fortis-Konzerns an die französische Großbank BNP Paribas fällt. Lediglich 49,74 Prozent der auf dem Brüsseler Messegelände in zwei Hallen versammelten Aktionäre der Fortis-Holding stimmen dem Beschluss zu, dem belgischen Staat sämtliche Anteile der im vergangenen Herbst in den Strudel der Finanzkrise geratenen Fortis-Bank zu überlassen. „Das wird sehr knapp“, hat Jan-Michiel Hessels, der Vorstandsvorsitzende der Holding zuvor noch halb scherzhaft gesagt. Kurz darauf, als er das Ergebnis der Abstimmung bekannt gibt, klingt er resigniert. „Damit wird es unmöglich für den belgischen Staat, Fortis an BNP Paribas zu verkaufen.“

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Fünf Stunden lang hatten sich Fortis und seine Mitstreiter auf dem Podium bemüht, den Anfang Oktober vereinbarten Verkauf an den belgischen Staat sowie - in einem zweiten Schritt - von 75 Prozent der Anteile nach Frankreich schmackhaft zu machen: vergeblich. Dabei hat Hessels zuvor, als die Stimmung im Saal schon hochgepeitscht worden war, für den Fall eines „Nein“-Votums vor der schlimmsten aller Folgen gewarnt. Dann werde es der Fortis-Bank an mehr als zwei Milliarden Euro fehlen, an die sie auf anderen Wegen in der jetzigen Situation kaum herankommen könne. „Das kann bedeuten, dass sie pleite geht“, ruft Hessels.

          Im Publikum wird diese Bemerkung mit zahlreichen Buhrufen quittiert. Als „Handlanger“ sogar als „Pinocchio“, der die Aktionäre an der Nase herumführen, muss sich Hessels beschimpfen lassen. Die Schweißtropfen auf der Stirn des sonst so gefasst wirkten Niederländers sind auf den großen Leinwänden in der Halle deutlich zu erkennen.

          „Anonyme Briefe, physische Bedrohung: Wir haben alles erlebt“

          Schon zu Anfang der Versammlung ist deutlich zu spüren, wer an diesem Mittwoch das Sagen ist. Als erster ergreift Pierre Nothomb, ein smarter Anwalt, der eine Gruppe von Kleinaktionären vertritt, das Wort. Er steht ungefähr 100 Meter vom Vorstandspodium entfernt; mit bloßem Auge ist er nur dank eines auf ihn gerichteten Scheinwerfers zu erkennen. Über die Lautsprecher ist jedoch überdeutlich zu vernehmen, was Nothomb von der Art und Weise hält, wie das Geschäft mit BNP Paribas eingefädelt wurde und vollzogen werden sollten: „Noch nie verlief eine Rettungsaktion so verheerend und so chaotisch“.

          Er habe am eigenen Leib gespürt, mit welchen Mitteln der Verkauf durchgedrückt werden sollte: „Anonyme Briefe, physische Bedrohung: Wir haben alles erlebt“, ruft Nothomb. Ein Großteil der Anwesenden johlt, als er verkündet, der belgische Staat habe in letzter Minute versucht, als Anteilseigner der Fortis-Bank illegale Stimmrechte wahrzunehmen. Dass Hessiels Nothomb wacker entgegenhält, die Holding unterstütze dieses Ansinnen nicht, hilft nicht mehr. Die Stimmung ist endgültig gekippt. Dabei hätte das Aktienpaket des belgischen Staats zweifellos die Mehrheitsverhältnisse zugunsten des Verkaufs an BNP Paribas wenden können.

          Kurz vor der entscheidenden Abstimmung hat Hessels jedoch verkündet, dass der Staat sich nicht an dem Votum beteiligen werde. Nur wenige Redner versuchen zuvor, für den Verkauf an BNP Paribas zu werben. Zum Beispiel ein älterer Herr mit weißem Haarkranz, der sich schlicht als Aktionär vorgestellt. Er sagt in seufzendem Ton: „Wir haben schon viel verloren. Wir sollten nicht alles aufs Spiel setzen“.

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