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Forschungsinstitut Forth : Weltmarktführer aus Griechenland

Modernste griechische Forschung: Die Karyatiden im Athener Akropolismuseum wurden vom Ruß der Jahrtausende gesäubert Bild: Picture-Alliance/KEYSTONE

Griechische Produkte können Spitze und exporttauglich sein, wenn der Staat sich nicht allzu sehr einmischt. Das zeigt zum Beispiel das Forschungsinstitut Forth auf Kreta.

          5 Min.

          Frauen, die sich im mehr als biblischen Alter von fast 2500 Jahren erstmals einer Schönheitsoperation unterziehen, stellen Ärzte vor außerordentliche Herausforderungen. Das Institut für elektronische Strukturen und Laser in Heraklion auf Kreta hat diese Aufgabe glänzend bestanden. Durch dort entwickelte Lasertechnik wurden die Karyatiden des Erechtheions der Athener Akropolis vom Ruß der Jahrtausende gesäubert. Die Originalfiguren, die seit vorchristlichen Zeiten das Gebälk ihres Tempels gestützt hatten, waren zwar schon Ende der siebziger Jahre ins Museum gebracht und auf der Akropolis durch Kopien ersetzt worden, doch ihre Restaurierung galt lange als äußerst schwierig.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Erst in Heraklion gelang es, eine Lasertechnik zu entwickeln, die dem Schmutz beikommt, ohne die Struktur des Steins anzugreifen – in jahrelanger Arbeit, Quadratzentimeter für Quadratzentimeter. „Für diese Entwicklung haben wir eine wichtige internationale wissenschaftliche Auszeichnung erhalten“, sagt Kostas Fotakis und weist nicht ohne Stolz auf die Urkunde in seinem Büro, in der es heißt, die Wissenschaftler aus Kreta hätten „eine Verbindung zwischen dem antiken und dem modernen Griechenland“ geschaffen. Bis nach China ist der Ruf der in Heraklion entwickelten Technik zur schonenden Restaurierung historischer Bauten inzwischen vorgedrungen. Von dort und aus vielen anderen Ländern gehen in Heraklion nun Anfragen zur Restaurierung von Palästen und Tempeln ein.

          Weltweite wissenschaftliche Anerkennung

          Fotakis ist Präsident der 1983 gegründeten „Stiftung für Forschung und Technologie Hellas“ (Forth), die mittlerweile aus sechs Instituten besteht, von denen einige weltweite wissenschaftliche Anerkennung genießen. Das Laser-Institut, an dem die Verjüngungskur für die Karyatiden entwickelt wurde, kennt er besonders gut, denn der Physikprofessor, der auch hervorragend Deutsch spricht, hat es 17 Jahre lang geleitet, bevor er 2013 Präsident von Forth wurde. Forth ist gleichsam ein laserstrahlheller Lichtblick in der griechischen Wirtschaft. Denn die sechs wirtschaftsnahen Forschungsinstitute zeigen, dass Griechenland Spitze, zum Teil sogar Weltspitze sein kann – wenn der Staat sich nicht allzu stark einmischt und wissenschaftlichen Forschungsdrang sowie Kreativität unterstützt, statt sie zu ersticken. Formal untersteht Forth zwar dem griechischen Bildungsministerium, aber anders als etwa die staatlichen Universitäten ist die Stiftung freier in ihrer Arbeit.

          Kotas Fotakis

          Auf Kreta befinden sich außer dem Laser-Institut auch Forschungseinrichtungen für Molekularbiologie, Computerwissenschaften, angewandte Mathematik und Mittelmeerstudien. Auch in anderen Städten gibt es Ableger, so eine Abteilung Molekularbiologie im nordgriechischen Ioannina. Etwa 1300 Personen, vom Verwaltungspersonal bis zu forschenden Postdoktoranden, sind bei Forth beschäftigt. „Eine Kathedrale in der Wüste“ nennt Kostas Fotakis seine Institution, obschon deren schneeweißer Hauptsitz in einem Außenbezirk von Kretas Hauptstadt mehr an ein Schiff in bewegter See erinnert. Auf jeden Fall zeigt Forth, dass Griechenland mehr produzieren kann als Olivenöl und Rosinen – nämlich exzellente Ideen, mit denen sich Geld verdienen lässt. Dazu gründet die Stiftung „Spin-off-Unternehmen“, wie Fotakis das nennt – Firmen, die aussichtsreiche Forth-Innovationen zu Geld machen sollen.

          Das gelingt freilich nicht immer, weil es in Griechenland an dem wirtschaftlichen Umfeld mangelt, um taugliche Ideen zu vermarkten und in die Wirtschaft zu integrieren. Als Beispiel erzählt Fotakis die Geschichte der biomedizinischen Firma „Forth Photonics“, die gegründet wurde, nachdem Forth-Wissenschaftler eine Methode entwickelt hatten, mit der sich die Zuverlässigkeit des Pap-Tests für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs erheblich verbessern lässt: „Der Fall Forth Photonics zeigt, was in Griechenland geschieht, wenn eine gute Idee aufgrund mangelnder Strukturen und Unterstützung anderswo verwertet wird.“ Forth Photonics überstand jene Phase nicht, die der Physiker „das Tal des Todes“ auf dem Weg zur Zulassung eines neuen Medikaments oder einer neuen Behandlungsmethode nennt.

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