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Manipulationsverdacht : Banken drohen Rekordstrafen im Devisenskandal

  • -Aktualisiert am

Großbanken in London: Händler mehrerer Geldinstitute stehen unter Verdacht, am Devisenmarkt manipuliert zu haben. Bild: dpa

Mutmaßliche Devisen-Manipulationen könnten die Institute viel Geld kosten - offenbar bis zu zehn Milliarden Euro. Die Ermittlungen beschäftigen mittlerweile unzählige Firmen und Kanzleien. Es gibt viel Geld zu verdienen.

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          Der Skandal um die mutmaßlichen Manipulationen am Devisenmarkt könnte fünf der größten europäischen Banken teuer zu stehen kommen: Analysten schätzen, dass die Geldhäuser für Strafen und Prozesskosten alleine in diesem und im kommenden Jahr etwa zehn Milliarden Euro einplanen müssen, berichtet die Financial Times.

          Die fünf größten europäischen Akteure auf dem Devisenmarkt (Forex) - Deutsche Bank, Barclays, HSBC, die Royal Bank of Scotland und die UBS - müssen demnach zwischen 8,5 und 10,6 Milliarden zurückstellen. Zusätzlich zu den 16,4 Milliarden Euro Prozesskosten, die die fünf Banken bis Ende des vergangenen Jahres aufbringen mussten. Händler der Banken stehen unter Verdacht, Informationen über Kundenaufträge ausgetauscht zu haben, um Devisenkurse gezielt zu beeinflussen.

          Neben den Forex-Ermittlungen stehen die Banken auch wegen Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor im Fokus der Aufsichtsbehörden. 5,8 Milliarden Dollar (4,1 Milliarden Euro) Geldbußen haben die Geldhäuser bisher dafür gezahlt, und Experten schätzen, dass weitere Milliarden hinzukommen.

          Mehr als 235 Milliarden Dollar zahlten die Banken für ihre Fehltritte

          Die vermuteten Manipulationen im Devisen-Geschäft könnten die Geld-Institute jedoch wesentlich teurer zu stehen kommen. „Es sieht nach einem Umfang von 20-30 Milliarden Dollar aus“, sagte Christopher Wheeler, Analyst bei Mediobanca, gegenüber der Financial Times. Bereits in den vergangenen Jahren mussten Großbanken weltweit für ihr Fehlverhalten tief in die Tasche greifen. Die zehn größten Banken in Europa und den Vereinigten Staaten zahlten zwischen 2008 und 2012 rund 235 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro) für ihre Fehltritte, geht aus einer Berechnung der London School of Economics hervor, auf die sich die FT bezieht.

          Für die Banken sind die teuren Prozesse grundsätzlich ein Problem: Denn die Kosten drücken die Gewinne, was es den Geldhäuser erschwert, ihre Kapitaldecke zu stärken - eines der Hauptanliegen nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008.

          15 Ermittlungsbehörden aus den Amerika, Europa und Asien beschäftigen sich mittlerweile mit dem Forex-Skandal. Angesichts des immensen Volumens von rund dreieinhalb Billionen Euro, die auf dem Devisenmarkt täglich umgesetzt werden, ist das wenig überraschend. Die Bank of England scheint die Problematik jedoch lange Zeit ignoriert zu haben. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die englische Notenbank bereits im Jahr 2006 auf die Manipulationen hingewiesen wurde. Im Frühjahr 2012 sollen zudem zwei Mitarbeiter der Bank of England explizit über die Absprachen der Devisenhändler informiert worden sein. Die Beiden wurden mittlerweile entlassen.

          Kanzleien, Beratungsagenturen und Datenspezialisten wollen mitverdienen

          Inzwischen ermitteln jedoch nicht allein Aufseher und bankinterne Abteilungen, auch immer mehr externe Dienstleister untersuchen die Vorgänge am Devisenmarkt. Unzählige Kanzleien, Beratungsagenturen und Datenspezialisten sind in die Ermittlungen eingestiegen, denn: Es gibt eine Menge Geld zu verdienen. Bis zu 1000 Personen befassten sich mittlerweile mit dem Forex-Skandal, heißt es nach Angaben der FT aus Bankenkreisen. Alleine die zehn größten Banken hätten mehr als 500 Mitarbeiter auf die Vorgänge angesetzt. Probleme bereiteten vor allem die gewaltigen Datenmengen, denen sich die Ermittler gegenüber sehen.

          Alleine die Mitarbeiter der schweizerischen Großbank UBS versendeten etwa 12 Millionen E-Mails pro Tag, heißt es. Firmen, die sich auf Datenanalyse spezialisiert haben, sollen der Datenmengen Herr werden. „Das Volumen ist so unvorstellbar groß, also müssen wir Erkenntnisse aus der Verhaltenswissenschaft nutzen. Wir suchen nach Schlüsseldaten, Schlüsselpersonen, Schlüsselgeschehnissen“, wird Phil Becket, Geschäftsführer einer Firma für Datenanalyse, zitiert.

          Die Spezialisten durchforsten Chats, E-Mails, Telefonprotokolle und SMS der Händler und gleichen diese mit Bewegungen der Devisen-Kurse ab. So hoffen sie, Manipulationen auf die Schliche zu kommen.

          Mehrere Großbanken wie die Citigroup und Barclays haben bereits erste Konsequenzen gezogen: Mehr als 20 Händler wurden in den vergangenen Monaten entlassen oder suspendiert, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch die Deutsche Bank trennte sich im Februar von drei New Yorker Händlern.

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