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Ford : Jaguar könnte bald indisch werden

Auf dem Sprung: Die Entscheidung über Jaguar fällt in den nächsten Wochen Bild: AFP

Ford arbeitet seit Monaten am Verkauf seiner beiden britischen Marken Jaguar und Land Rover. In den nächsten Wochen soll die Entscheidung fallen. Der indische Konzern Tata Motors hat die besten Aussichten.

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          Der Verkaufsprozess für Jaguar und Land Rover tritt in die entscheidende Phase. In den nächsten Wochen will der amerikanische Ford-Konzern darüber befinden, wer seine britischen Nobelmarken übernimmt. Beste Chancen für den Zuschlag zum Preis von rund 1,5 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) dürfte der Konkurrent Tata Motors besitzen. Denn der drittgrößte Autohersteller Indiens kann mit der Rückendeckung der britischen Gewerkschaften rechnen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Bieterrennen um Jaguar und Land Rover ist seit Jahresmitte eröffnet. Nach einer internen Auslese blieben drei ernsthafte Interessenten übrig: Neben Tata Motors der indische Nutzfahrzeug-Hersteller Mahindra & Mahindra, der sich dafür mit dem Finanzinvestor Apollo verbündet hatte, sowie die Beteiligungsgesellschaft One Equity Partners, die der ehemalige Ford-Konzernlenker Jacques Nasser vertritt.

          Tata hat in der Branche einen guten Ruf

          Tata Motors, die Automobilsparte des Mischkonzerns Tata, galt nach der Vorauswahl schon als der Favorit von Ford. Das von Gründer Ratan Tata geführte Firmenkonglomerat genießt zum einen seit seiner Kooperation mit Fiat in der Branche einen guten Ruf. Darüber hinaus scheinen sich die Geschäftsinteressen des indischen Herstellers mit denen des amerikanischen Autokonzerns auch auf anderen Marktfeldern zu ergänzen. Tata Motors will von 2008 an in seiner Heimat ein Billigauto für weniger als 100.000 Rupien (1798 Euro) anbieten. Just in diesem Segment und dieser Region will auch Ford kräftig wachsen.

          Ratan Tata, Chef von Tata Motors, könnte bald der neue Herr über Jaguar und Land Rover sein

          Alan Mulally, Vorstandsvorsitzender von Ford, setzte das Gros der europäischen Automarken auf die Verkaufsliste, um sich auf die Sanierung des Kerngeschäfts zu konzentrieren. Bis 2009, so die interne Vorgabe, muss der verlustreiche Autohersteller wieder Gewinn erwirtschaften. Den Anfang beim Ausverkauf von Ford machte der profitable Sportwagenhersteller Aston Martin, der im März für eine Milliarde Dollar von einem Konsortium des britischen Sportunternehmers David Richards übernommen wurde. Bei Jaguar und Land Rover indessen, die der Mutterkonzern aus Dearborn nur im Doppelpack abgeben will und die zusammen in Großbritannien noch 16.000 Mitarbeiter in drei Werken beschäftigen, ist die Transaktion jedoch mit vielen Tücken behaftet.

          Hohe Verluste und Entlassungen bein Jaguar

          Angesichts der hohen Verluste bei Jaguar, die sich unter der 18 Jahre währenden Regentschaft von Ford nach Schätzungen auf bis zu 10 Milliarden Dollar auftürmen, musste die Belegschaft drastische Kürzungen verkraften. Im Zuge des jüngsten Sparkurses vor drei Jahren wurde das legendäre Jaguar-Stammwerk in Coventry geschlossen, was zur Entlassung von 1150 Beschäftigten führte. Seitdem verteilen sich die verbliebenen 8000 Jaguar-Arbeiter auf die beiden Standorte in Castle Bromwich bei Birmingham und im nordenglischen Halewood. Doch um den Erhalt Halewoods wird bis heute gerungen. Obwohl die Infrastruktur modernisiert und die Auslastung durch die Produktion des Land Rover Freelander erhöht wurde, gilt die Fabrik am Stadtrand Liverpools mit nur 261.000 produzierten Autos pro Jahr als unproduktiv.

          Angesichts der prekären Lage will der Mutterkonzern beim geplanten Eigentümerwechsel keinesfalls patzen und Spekulationen um einen weiteren Kahlschlag in der britischen Belegschaft vermeiden. Hinzu kommt: Hinter Nordamerika ist Großbritannien die zweitwichtigste Verkaufsregion von Ford. Ein Fehler beim Verkauf von Jaguar und Land Rover könnte dem Konzern den Ruf des "Kostenkillers" einbringen, Boykotts britischer Verbraucher provozieren und zu Verkaufseinbußen bei der Stammmarke führen, heißt es in Dearborn.

          Die Einbindung der Gewerkschaft ist clever

          Vor diesem Hintergrund gilt die Einbindung der zuständigen Branchengewerkschaft Unite in den Verkaufsprozess als cleverer Zug. In der vergangenen Woche präsentierten die drei Bieter ihre Konzepte vor dem Unite-Gremium. Nach dem Treffen machte Gewerkschaftsführer Tony Woodley zwar klar, dass seine Organisation grundsätzlich den Verbleib bei Ford favorisiere. Aber falls der Verkauf unvermeidlich sei, wäre der Belegschaft mit einem Eigentümer am besten gedient, der aus der Branche komme und dort etabliert sei. Diese Kriterien erfüllt Tata Motors laut Woodley.

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