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Fondsgesellschaft : Sparkassen übernehmen Deka vollständig

Die Sparkassen besitzen die Fondsgesellschaft Dekabank nun vollständig Bild: Lucas Wahl

Die Landesbanken steigen aus der Fondsgesellschaft aus. Denn die EU hat den angeschlagenen Instituten eine Schrumpfkur verordnet. Für ihren Anteil erhalten sie mehr als 2 Milliarden Euro. Und Kapitalmarktvorstand Groll muss gehen.

          Die Sparkassen sind bei der Dekabank am Ziel. Seit Donnerstagabend gehört die Fondsgesellschaft ihnen vollständig. Bislang besaßen Landesbanken 50 Prozent und Sparkassen 50 Prozent der Deka-Anteile. Die Landesbanken erlösen als Verkaufspreis 2,3 Milliarden Euro, davon bringen die Sparkassen 1,3 Milliarden Euro auf. 1 Milliarde Euro muss die Deka aus eigenen Rücklagen aufwenden. Ihr Kapital wird somit herabgesetzt. Ihre Kernkapitalquote sinkt damit auf rund 10 Prozent.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Dekabank ist die Fondsgesellschaft der Sparkassen-Finanzgruppe. Die Sparkassen verkaufen ihren Kunden überwiegend Deka-Fonds. Insgesamt stecken in Aktien-, Renten, und Immobilienfonds der Deka rund 160 Milliarden Euro. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis 1918 zurück, als die Deutsche Girozentrale (DGZ) entstand.

          1956 wurde die Deka als Kapitalanlagegesellschaft gegründet. Aus DGZ und Deka entstand 1999 die Dekabank. Seitdem sei es das Ziel der Sparkassen gewesen, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Deka auch durch ein stärkeres gesellschaftsrechtliches Engagement zu unterlegen und damit noch stärker am gemeinsam erwirtschafteten Wertzuwachs beteiligt zu sein, stellt Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes fest und fügt hinzu: „Das ist jetzt möglich.“

          Immer mehr Landesbanken wollten sich von Deka-Anteilen trennen

          Die Landesbanken trennen sich von ihren Anteilen, weil viele von ihnen in der Finanzkrise taumelten und staatlicher Hilfe bedurften. Als Auflage für die öffentlichen Beihilfen machte die EU-Kommission in Brüssel den Landesbanken Auflagen zum Schrumpfen. Als sich die Landesbank Baden-Württemberg, mit 15 Prozent einer der größten Eigner der Deka, vor fast zwei Jahren entschloss, ihren Deka-Anteil zu verkaufen, kam Bewegung in das zuvor fein ausbalancierte Eigentümergefüge aus Sparkassen und Landesbanken.

          Immer mehr Landesbanken wie West LB und Nord LB wollten sich von ihren Deka-Anteilen trennen. Damit müssen die Landesbanken Einfluss in der Sparkassen-Finanzgruppe aufgeben. Viele Landesbanken haben eigene Fondsgesellschaften. Außerdem verkaufen sie den Sparkassen Investmentzertifikate. Damit stehen sie zu den Deka-Fonds in Konkurrenz. Daher hatten Landesbanken immer ein Auge darauf, dass die Deka nicht zu groß wird.

          Daher sah auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die keine Verkaufsauflagen der EU erfüllen muss, vor einem Jahr noch ihre Beteiligung an der Deka als strategisch an. Letztlich musste aber auch der Vorstand der Helaba, die in Frankfurt nur wenige Meter von der Deka entfernt ihren Sitz hat, dem Wunsch ihrer Eigner folgen. Der Sparkassenverband Hessen-Thüringen, dem 85 Prozent der Helaba gehören, wollte, dass auch die Helaba aus der Deka aussteigt. Damit ist eine immer wieder angedachte Fusion dieser beiden Häuser eher unwahrscheinlicher geworden.

          Deka half, 50 Millionen Euro Kapitalertragssteuer zu vermeiden

          Vielmehr werden nun die Sparkassen die Deka noch stärker auf ihre Rolle als Fondsgesellschaft ausrichten. Der seit Jahresanfang 2006 amtierende Vorstandsvorsitzende Franz Waas, der den Ausbau des Kapitalmarktgeschäftes forciert hat, verliert einen seiner engsten Mitstreiter. Kapitalmarktvorstand Walter Groll, den Waas aus gemeinsamen Zeiten bei der HSH Nordbank schätzte und im Sommer 2006 zur Deka holte, muss gehen. Sein am 30. Juni auslaufender Vertrag wird, wie in Teilen der Auflage vom 8. April schon berichtet, nicht verlängert, wie der Verwaltungsrat der Deka am Donnerstag Abend entschied.

          Groll wird vorgeworfen, dass die Deka in den Monaten vor der Insolvenz von Lehman Brothers strukturierte Wertpapiere im Wert von 11 Milliarden Euro kaufte, die ihr im Jahr 2008 einen dreistelligen Millionenverlust einbrachten. Auch weil sich die Kurse dieser Wertpapiere später wieder erholten und das Ergebnis der Deka 2009 und 2010 auf Rekordhöhen trieben, schien sich die Grolls Position wieder zu festigen.

          Doch vor wenigen Wochen kam ans Licht, dass die Deka ausländischen Anlegern mit Aktiengeschäften in Milliardenhöhe im Jahr 2010 dabei geholfen hat, 50 Millionen Euro Kapitalertragssteuer zu vermeiden. Dies gefiel den kommunalen Sparkassen, die sich gerne gemeinwohlorientiert geben, nicht. Ein Nachfolger für Groll wird gesucht. Immobilien-Vorstand Matthias Danne dagegen wird eine Verlängerung seines Ende Juni auslaufenden Vertrages angeboten.

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