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Folgen von Corona : Die Musikwelt im Krisenmodus

Kampf um Aufmerksamkeit wird härter

Das liegt einerseits an dem Ausfall von Einnahmen durch abgesagte Touren oder des eigenen Label-Festivals, andererseits daran, dass viele Alben nicht wie geplant veröffentlicht werden. Die prominentesten Verschiebungen betreffen die Werke von Lady Gaga, Sam Smith oder der schottischen Rock-Band Biffy Clyro, doch die Liste ließe sich lange weiterführen. Gelder für schon angelaufene Werbekampagnen verlaufen folglich erst einmal im Nichts, andere werden eingefroren. Der Dreh von Musik-Videos, aufwendige Fan-Aktionen und vor allem die wichtigen Release-Konzerte – an viele der Maßnahmen, die eine Album-Veröffentlichung gewöhnlich begleiten, ist derzeit nicht zu denken. Auch umfangreiche Studiotermine, um an neuer Musik zu arbeiten, fallen weitestgehend flach. Ähnlich wie bei den verschobenen Touren dürften sich im weiteren Verlauf des Jahres so viele Veröffentlichungen überschneiden. Der Kampf um die begrenzte Aufmerksamkeit der Konsumenten wird also noch härter werden.

Durch das enorme Wachstum des Musik-Streamings sind zumindest die Folgen der großflächigen Schließungen im stationären Einzelhandel für die Labels nicht so schwerwiegend, wie sie es zu Hochzeiten der CD gewesen wären. Gleichwohl stand der Umsatz mit physischen Tonträgern auf dem deutschen Markt für Musikaufnahmen 2019 immer noch für 35,6 Prozent. Liefereinschränkungen machen derzeit auch den Versand komplizierter. „Der physische Markt ist quasi gänzlich zum Erliegen gekommen“, so eine Sprecherin des Branchenriesen Warner Music. Für kleine Labels wie Uncle M ist das noch einmal heikler, zumal Gläser einen deutlichen Rückgang im Streaming seiner Künstler beobachtet.

Spenden sammeln via Spotify

Grundsätzlich hätten sich die Nutzungszahlen kaum verändert, so ein Sprecher des Marktführers Spotify. Allerdings verschiebe sich der Konsum von mobilen Endgeräten mehr auf Fernseher, Konsolen oder vernetzte Lautsprecher; das Pendeln zur Arbeit oder längere Reisen fallen derzeit schließlich weg. Eine ähnliche Entwicklung vermeldet der kleinere, französische Streamingdienst Deezer. Zudem wachse das Interesse an nichtmusikalischen Inhalten wie Podcasts. Wie Amazon Music, Apple, Tidal oder Youtube Music beteiligt sich Spotify derweil finanziell an einem Hilfsfonds der amerikanischen „MusiCares“-Stiftung. Aus diesem werden von Absagen betroffene Künstler und ihre Partner unterstützt. Vergleichbare Initiativen beispielsweise auch mit Blick auf die Tour-Crews gibt es einige in der Musikbranche. In Kürze sollen Künstler außerdem über ihre Spotify-Seite Spenden für sich selbst oder Hilfsprojekte sammeln können.

Das mit zuletzt 7,2 Milliarden Euro Umsatz größte Musiklabel der Welt, Universal Music, hat unterdessen angekündigt, seinen Künstlern beispielsweise durch Gebührenverzicht entgegenzukommen. Zudem wolle man helfen, Fans digital besser zu erreichen und den Schaden durch ausbleibende Tour-Einnahmen abzufedern. Solche Möglichkeiten haben freilich vor allem die großen, finanzstarken Labels wie die drei sogenannten Majors Universal, Warner und Sony Music.

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