Folgen seiner Steuerhinterziehung :
Firmenpatriarch Würth hadert mit Deutschland

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Dass er trotz Milliarden Euro gezahlter Steuern nun sogar vorbestraft ist, hat er nie verwunden: Reinhold Würth
Reinhold Würth, wegen Steuerhinterziehung verurteilt, muss es wie eine Demütigung vorkommen: Der Druck auf Bundespräsident Horst Köhler wächst, ihm das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. Für die Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens setzt er nun ein Signal.

Reinhold Würth zieht es in die Schweiz. Das ist das Signal, das bleibt, wenn die Bilanzpressekonferenz der Würth-Gruppe dieses Jahr nicht am Firmensitz stattfindet, sondern ausgerechnet am Flughafen in Zürich. Die ausländischen Gesellschaften werden seit 2009 vom schweizerischen Rorschach aus geführt, und dem wolle man Rechnung tragen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Der Ort wirft dennoch Fragen auf, schließlich hadert der Firmenpatriarch mit Deutschland, seit er vor zwei Jahren zu 3,5 Millionen Euro Strafe wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. „Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, sehe ich dort einen Gangster, einen Gauner, einen Ganoven, einen Steuerhinterzieher – das tut weh“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Würth: „Blicke ich in den Spiegel, sehe ich einen Gauner“).

Würth hat eine Erfolgsgeschichte geschrieben, wie sie in Deutschland nur selten vorkommt. Vom kleinen Schraubenhändler zum Milliardär, alles hat er aus eigener Kraft gepackt und dabei 60.000 Arbeitsplätze geschaffen. Seine Heimat Künzelsau ist schon längst „Würth-Land“: Kunsthalle, Hochschule, Flughafen, der Mäzen knausert nicht. Irgendwann aber, so scheint es, sind ihm die Maßstäbe verrutscht. In der Schweiz, sagt er, herrsche eine komplett andere Mentalität als in Deutschland mit „vorwilhelminischem ständischen Denken“. Dass er trotz Milliarden Euro gezahlter Steuern nun sogar vorbestraft ist, hat er nie verwunden. Und nun wächst sogar der öffentliche Druck auf Bundespräsident Horst Köhler, ihm das Bundesverdienstkreuz abzuerkennen. Würth muss es wie eine öffentliche Demütigung vorkommen.

Deshalb ist diese Bilanz am 19. Mai keine normale Bilanz. Solche Pressekonferenzen sind Veranstaltungen, an denen sich Unternehmen mit Stolz präsentieren: entweder am Firmensitz, um mit Produktionshallen und schicken Verwaltungszentren zu beeindrucken, oder in heimischen Metropolen, um Journalisten und Investoren entgegenzukommen. Das Signal aus Zürich ist ein anderes. Wer auf den Flugplatz geht, will verreisen. Noch wird die deutsche Landesgesellschaft von Künzelsau aus geführt. Sein Biograph hat den bald 75 Jahre alten Patriarchen gefragt, was ihn dazu bewogen hat, im Hohenloheschen zu bleiben. Würth sagte damals, die Frage habe nie eine Rolle gespielt – vielleicht stellt er sich diese Frage noch mal neu.