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Folgen der Wirtschaftskrise : Commerzbank legt Milliarde für faule Kredite zurück

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Die Commerzbank sieht sich noch lange nicht über dem Berg Bild: ddp

Die teilverstaatlichte Commerzbank ächzt immer mehr unter Kreditausfällen. Nach einem deutlichen Anstieg im dritten Quartal geht Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz jetzt davon aus, dass die Risikovorsorge höher ausfallen wird als bisher geplant.

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          Die Commerzbank stellt sich nach einem Milliardenverlust im Quartal auf weiter schwere Zeiten ein. Die Risikovorsorge für faule Kredite werde noch stärker zunehmen. In der Region Mittel- und Osteuropa, die die Commerzbank zu ihrem Kerngeschäft zählt, sei mit keiner schnellen Besserung zu rechnen. „Wenn auch die Rezession inzwischen beendet ist, wird das Umfeld für Banken dennoch eher schwierig bleiben“, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Zwischenbericht.

          Auch im kommenden Quartal wird das mit Milliardengeldern vom Staat gestützte Institut einen Verlust wohl nicht vermeiden können. Es dürfte sehr schwierig werden, ein positives operatives Ergebnis zu erzielen, erklärte der Vorstand. Dank der Markterholung war ihr dies im dritten Quartal gelungen. Unter dem Strich hatte jedoch wegen einer Abschreibung auf den Firmenwert der Tochter Eurohypo sowie Kosten für die Integration der Dresdner Bank ein Verlust von gut einer Milliarde Euro in der Bilanz gestanden.

          Besonders zu schaffen macht der auf mittelständische Firmen spezialisierten Commerzbank die zunehmenden Kreditausfälle in Folge der Wirtschaftskrise. Im dritten Quartal musste sie für ausfallgefährdete Darlehen 1,05 Milliarden Euro zur Seite legen. Im Vorjahreszeitraum lag die Risikovorsorge noch bei knapp unter 900 Millionen Euro. Finanzchef Eric Strutz kündigte am Donnerstag an, die Bank müsse in diesem Jahr rund 4,2 Milliarden Euro für faule Kredite zur Seite legen. Bislang hatte sie etwa 3,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, so viel wie 2008. Im kommenden Jahr sei jedoch wieder mit einer geringeren Risikovorsorge zu rechnen.

          Besonders in Osteuropa geht die Commerzbank davon aus, noch zahlreiche Kreditausfälle verkraften zu müssen. Insbesondere Russland und die Ukraine, wo die Commerzbank mit der Bank Forum vertreten ist, sei von der Krise betroffen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern in der Geschäftssparte erneut einen Verlust. Einbußen hinnehmen musste die Commerzbank auch in ihren Kerngeschäftsfeldern Privatkunden und Mittelstand. Der Gewinn ging jeweils im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich zurück.

          Trotz der weiterhin starken Belastungen sieht sich die Commerzbank in der Lage, die für 2012 gesteckten Ziele zu erreichen. Es sei unverändert davon auszugehen, bei positiver Marktentwicklung bereits ab 2011 mit der Rückzahlung der Stillen Einlage des Staates zu beginnen, betonte Finanzvorstand Eric Strutz. Die Commerzbank hatte vom Bund insgesamt 18,2 Milliarden Euro Kapital bekommen. Dieser ist jetzt mit 25 Prozent plus einer Aktie beteiligt und damit größter Anteilseigner der Bank.

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