https://www.faz.net/-gqe-9s6b5

Folgen der Cook-Pleite : Die Neuordnung der Urlaubswelt

Einfach mal ausspannen: Das war für viele Thomas-Cook-Urlauber dieses Jahr nicht mehr möglich. Bild: Reuters

Die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook löst ein Wettrennen der Rivalen aus. Jeder will Hotelpartner und Kunden dazugewinnen.

          4 Min.

          Es geht um nicht weniger als die Neuordnung der Urlaubswelt. Nach der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook wittern Konkurrenten auf dem umkämpften Pauschalreisemarkt die Chance auf mehr Kunden und mehr Marktanteile. Um Partnerschaften mit bislang von Thomas Cook gefüllten Hotels ist ein Wettrennen entbrannt.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Anbieter Alltours posaunte als einer der ersten Neuverträge mit Hoteliers heraus. „Auf diese Weise muss kein Kunde in seinem Urlaub auf sein gewohntes Hotel verzichten“, sagte Alltours-Hoteleinkäufer Karsten Fricke. Man habe „einen großen Teil der Hotel- und Bettenkontingente“ übernommen.

          Alltours preschte vor, Konkurrenten haben aber sehr ähnliche Botschaften. „Die Menschen in Deutschland wollen weiterhin verreisen. Die Nachfrage für das kommende Jahr wird sich schnell neu verteilen“, ist Geschäftsführer Ralph Schiller vom Reiseveranstalter FTI überzeugt. Nach dem Wegfall von Thomas Cook rückt das Münchner Unternehmen zur Nummer drei in Deutschland auf. „Das übliche Buchungsvolumen für den Monat Oktober hat sich innerhalb einer Woche neu auf die übrigen Anbieter – auch auf uns – verteilt“, sagt Schiller im Gespräch mit der F.A.Z.

          Auch FTI stockt auf. „Die Wege zwischen Hoteliers und uns von FTI sind kurz, denn wir sind in allen wichtigen Reisezielen vertreten. Wir bauen in zahlreichen Hotels unsere Kapazitäten aus und nehmen Hotels, die wir bislang nicht anbieten konnten, neu unter Vertrag“, sagt er.

          Zahlen nennt er nicht. In Branchenkreisen heißt es, eine mittlere zweistellige Zahl an Herbergen, die zum Exklusiv-Portfolio von Cook gehörten, sei schon bei FTI unter Vertrag. Marktführer TUI teilte mit, man rechne 2020 mit einer halben Million zusätzlicher deutscher Kunden, die dank zusätzlicher Hotelverträge „die größte Auswahl“ bekämen. In wenigen Wochen dürfen die Hotelumverteilung abgeschlossen sein.

          Was wird aus den Pauschalreisen?

          Das klingt nach Goldgräberstimmung in der Urlaubswelt. Tatsächlich hat die Branche einen Reputationsschaden zu verarbeiten. Der deutsche Thomas-Cook-Ableger, Vertragspartner hiesiger Urlauber, meldete erst zwei Tage nach dem britischen Mutterkonzern Insolvenz an. Diese 48 Stunden genügten, um viel Missstimmung zu schaffen. Verunsicherte Hoteliers baten ebenso verunsicherte Kunden in dieser Zwischenphase abermals zur Kasse. Urlauber wurden aus Hotels geworfen und gar dort eingeschlossen. Der Deutsche Reiseverband rügte solche Praktiken als „völlig inakzeptabel“. Schon abermalige Zahlungsverlangen sind unzulässig. In manchen Urlaubsorten litten dennoch Rechtstreue und Ansehen der Branche.

          Dazu kommt, dass sich der rechtliche Insolvenzschutz für Pauschalreisende, auf den die Anbieter nur allzu gern verweisen, als löchrig erweist. Wer 1000 Euro für geplante Ferien bezahlt hat und trotz Sicherungsschein nur 400 Euro, 300 Euro oder weniger zurückbekommt, wird das spüren.

          Der im Fall von Thomas Cook involvierte Versicherer Zurich muss gesetzlich mit maximal 110 Millionen Euro haften, Kundenforderungen könnten sich auf das Dreifache summieren. Noch lässt sich nicht abschätzen, welche Folgen das auf die künftige Nachfrage nach Pauschalreisen hat.

          FTI-Manager Schiller zeigt sich zuversichtlich: „Die Pauschalreise ist nach wie vor die sicherste Reiseform für Urlauber, da es für Einzelbuchungen von Flügen und Hotels gar keine gesetzliche Absicherung gibt.“ Er verweist darauf, dass alle Urlauber geordnet heimreisen konnten. „Nach der Thomas-Cook-Insolvenz ist kein Pauschalreisekunde ohne Aussicht auf Rückbeförderung am Urlaubsziel gestrandet.“

          Weitere Themen

          Karstadt kauft sich Teile von Thomas Cook

          Nach Insolvenz : Karstadt kauft sich Teile von Thomas Cook

          Wie geht es weiter mit den Reisebüros des insolventen Touristikkonzerns? Sie gehen ausgerechnet in die Hände des Handelsunternehmens, zu dessen Vorgängerkonzern Thomas Cook schon in alten Zeiten gehörte. Alltours nutzt die Lücke.

          Etappensieg gegen Ryanair

          Flugrechte : Etappensieg gegen Ryanair

          Wer bucht und doch nicht fliegt, soll von Airlines Steuern und Gebühren zurückbekommen. Nicht immer klappt das. Ein Rechtsdienstleister klagt gegen Ryanair und hat einen wichtigen Schritt geschafft.

          Topmeldungen

          Die israelische Siedlung Migron in der Westbank

          Israel und Palästina : Die Besetzung bleibt rechtswidrig

          Zumindest für den UN-Sicherheitsrat ist die Sache klar: Der Bau israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten bleibt völkerrechtswidrig – und Israel ist aufgefordert, alle Siedlungsaktivitäten einzustellen.
          Die Fähre, auf der 25 Migranten in einem Kühlcontainer gefunden wurden.

          Fähre Richtung England : 25 Migranten in Kühlcontainer entdeckt

          Unterkühlt harrt eine Gruppe Migranten im Inneren eines Kühlcontainers aus, um so vom europäischen Festland nach Großbritannien zu gelangen. Sie werden erst entdeckt, als sie ein Loch in den Container schlagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.