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Folge der Insolvenz : Sechs Karstadt-Häuser schließen

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Vor dem Aus: das Münchener Karstadt-Haus am Dom Bild: dpa

Zur Sanierung von Karstadt müssen sechs Kaufhäuser schließen: in Hamburg, München und Dortmund sowie drei Fachmärkte in Berlin, Braunschweig und Stuttgart. Die Gläubiger haben grünes Licht für die Fortführung der insolventen Kette gegeben.

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          Die Karstadt-Gläubiger haben grünes Licht für die Fortführung der zahlungsunfähigen Kaufhauskette gegeben. Sie stimmten auf der Gläubigerversammlung in Essen am Dienstag mit mehr als 99 Prozent einem entsprechenden Antrag des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg zu. Karstadt betreibt zur Zeit mit 26.500 Mitarbeitern noch 126 Waren- und Sporthäuser in Deutschland. Allerdings sollen sechs Standorte der zahlungsunfähigen Warenhauskette bis Anfang 2010 geschlossen werden. Betroffen sind mehr als 400 Mitarbeiter.

          Die Schließungen seien zum Jahresende geplant. Betroffen seien die Karstadt-Häuser am Dom in München, in der Kampstraße in Dortmund, im Hamburger Elbe-Einkaufszentrum, in Berlin-Biesdorf, das Schaulandt in Braunschweig sowie das WOM in Stuttgart. Weitere elf Häuser zählten weiterhin zu den sogenannten Prüf-Filialen, sagte ein Verdi-Sprecherin auf Anfrage. Ihr Schicksal werde sich voraussichtlich bis Mitte kommenden Monats entscheiden.

          Auch beim Arcandor-Konzern geht die Neuordnung voran. Der TV-Shoppingsender HSE 24 solle an die Beteiligungsgesellschaft Axa Private Equity gehen, teilte Insolvenzverwalter Görg mit. Der Gläubigerausschuss habe die Transaktion bereits gebilligt, durch die 500 Arbeitsplätze gesichert würden. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. In Verhandlungskreisen hieß es, der Verkaufspreis entspreche etwa dem, den Arcandor damals bezahlt habe. Damals lag der Preis bei rund bei 180 Millionen Euro. HSE 24 gehört zur insolventen Versandhandelssparte Primondo.

          Keine Überlebenschance: Karstadt-Filiale an der Kampstraße in Dortmund

          Suche nach einem Investor

          Zuvor hatte Insolvenzverwalter Görg hatte auf der Karstadt-Gläubigerversammlung für einen Erhalt der insolventen Warenhauskette geworben. Die Sanierung und der anschließende Verkauf von Karstadt seien „für alle Beteiligten die beste Alternative“, sagte der Insolvenzverwalter am Dienstag vor mehreren hundert Gläubigern in der Grugahalle. „Der Datenraum ist mittlerweile eingerichtet, so dass die Investorensuche in Kürze beginnen kann“, sagte Görg.

          Konkurrent Metro hat Interesse an einigen Häusern gezeigt, sich aber zuletzt nicht auf eine Zahl festgelegt. Görg will die Filialen als ganzes Paket abgeben. „Der Geschäftsbetrieb der Schuldnerin dauert auf einer gegenwärtig stabilen Grundlage an und erscheint unter gewissen Bedingungen sanierungs- und fortführungsfähig“, resümierte Görg vor den Gläubigern.

          Forderungen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro angemeldet

          Rund 33.000 Gläubiger haben insgesamt Forderungen von 2,6 Milliarden Euro gegen das Arcandor-Tochterunternehmen angemeldet. Görg betonte, bei einer Rettung des Unternehmens mit Hilfe eines Insolvenzplans könne Karstadt später verkauft und der Erlös an alle Gläubiger verteilt werden. Bei einer Zerschlagung drohten dagegen hohe Vermögensschäden. Außerdem werde der Schuldenberg durch zusätzliche Ansprüche der Arbeitnehmer und Vermieter noch erhöht.

          Die Verhandlungen mit Vermietern, Beschäftigten und Logistikdienstleistern über eine Sanierungsbeitrag seien weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschossen, betonte Görg. Neben den Arbeitnehmern habe aber auch der wichtigste Vermieter der Warenhauskette, das Highstreet-Konsortium, die Bereitschaft zu Zugeständnissen erklärt.

          Rund 70 Prozent der Häuser vermietet das Highstreet-Konsortium, dem vor allem Fonds von Goldman Sachs und der Deutschen Bank angehören. Die Verhandlungen über Erleichterungen für Karstadt seien weit fortgeschritten, ein Eckpunktepapier liege bereits vor, sagte Görg. Er will unrentable Standorte aus dem Mietvertrag herauslösen, um deren Betrieb einstellen zu können, und die Mieten für die restlichen Häuser deutlich senken. Auch bei den Verhandlungen mit der Esch-Gruppe, die fünf Waren- und Sporthäuser an die Arcandor AG vermietet hat, scheine eine Einigung noch möglich.

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