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Initiative Flustix : Mit einem Siegel gegen den Plastikmüll?

Viele Millionen Tonnen Plastik schwimmen im Meer. Bild: dpa

Eine neue Initiative zeichnet Produkte aus, die ohne Plastik auskommen. Die ersten Artikel mit dem Flustix-Siegel sind schon auf dem Markt. Verbaucherschützer sehen das kritisch.

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          Der vergangene Mittwoch war ein wichtiger Tag für Malte Biss. Mit großer Mehrheit stimmte das Europaparlament für ein Verbot von Wegwerfartikeln aus Plastik. Auch wenn der Beschluss viele „Lücken offen“ lasse: „Die Signalwirkung ist zu begrüßen“, sagt Biss. Der ehemalige Journalist und Umweltschützer aus Berlin ist Initiator von Flustix, einem neuen Siegel für plastikfreie Produkte. Mit der Kennzeichnung verfolgt Biss eine klare Strategie: Weder die Politik, noch die Verbraucher alleine – so ist er überzeugt – verfügten über die Macht, das globale Plastikproblem zu lösen. In der nötigen Effizienz und Schnelligkeit bringe das nur die Wirtschaft zustande.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Also noch ein Siegel. Beziehungsweise eigentlich sind es vier: Eines für komplett plastikfreie Artikel (Inhalt und Verpackung), eines für plastikfreie Produkte, eines für plastikfreie Verpackungen und schließlich eines für Produkte ohne Mikroplastik. Gut zu erkennen sind sie allesamt an dem Flustix-Logo, einem Fisch im Stil japanischer Faltkunst (Origami).

          Gleichwohl wird das Siegel den meisten Verbrauchern bislang unbekannt sein: Erst im September dieses Jahres sind die ersten vier Produkte mit der Kennzeichnung in den Handel gekommen, darunter der Halm, ein Strohhalm aus Glas des gleichnamigen Berliner Start-ups. Schon bald aber könnte das Siegel in einigen Supermärkten, Drogerien und Baumärkten zu finden sein: „Wir sind unter anderem mit den vier größten deutschen Handelskonzernen in engem Dialog“, sagt Biss im Gespräch mit FAZ.NET.

          100 Prozent plastikfrei ist kaum möglich

          Möchte ein Hersteller das Flustix-Siegel auf seinem Artikel verwenden, muss das Produkt ein mehrstufiges Prüfverfahren durchlaufen. Zunächst bewertet Flustix die Ware nach „ethischen und ökologischen“ Standards. So würden etwa keine Waffen ausgezeichnet und es werde darauf geachtet, dass die plastikfreie Alternative auch wirklich sinnvoll und umweltfreundlicher ist. Als Beispiel nennt Biss Plastikkisten für Getränkeflaschen, die aufgrund ihres leichteren Gewichts beim Transport CO2 einsparen und deshalb umweltfreundlicher sein können als die gusseiserne Alternative. In einem nächsten Schritt wird das Produkt von dem deutschen Prüflabor Wessling auf Kunststofffreiheit analysiert. Bei nachgewiesener Kunststofffreiheit kann der Hersteller schließlich bei dem Logo- und Lizenz-Partner RAL (Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung) die Lizenz zur Verwendung des Flustix-Siegels beantragen. Die RAL vergibt unter anderem den Blauen Engel und das Siegel der Stiftung Warentest.

          Dabei orientieren sich die Lizenzgebühren an dem Jahresumsatz eines Produkts – die Preisliste startet bei 500 Euro für Produkte mit einem Jahresumsatz von 300.000 Euro und endet bei 30.000 Euro für Produkte mit einem Jahresumsatz von über 40 Millionen Euro. So will Flustix Start-ups entlasten, die über innovative Plastikalternativen, aber wenig Kapital verfügen. Flustix selbst verdient sein Geld damit, einen Teil der Gebühren von der RAL ausbezahlt zu bekommen.

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