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Flugzeughersteller : Boeing stoppt 737-Max-Produktion

Außer Betrieb: Zahlreiche 737 Max parken in Seattle. Bild: Reuters

Wann das Flugverbot aufgehoben wird, bleibt ungewiss. Deshalb entscheidet sich Boeing für einen radikalen Schritt. Die Flugaufsicht ist ohnehin verärgert.

          3 Min.

          Angesichts fortdauernder Ungewissheit, wann das Flugverbot für sein Modell 737 Max aufgehoben wird, hat sich der Flugzeughersteller Boeing zu einem radikalen Schritt durchgerungen: Der Konzern teilte am Montagabend mit, die Fertigung der Baureihe im Januar vorübergehend ganz einzustellen. Wie lange die 737 Max nicht mehr gefertigt werden soll, ließ er offen. Über einen möglichen Produktionsstopp hatten zuvor schon amerikanische Medien berichtet, und dies hat Boeing am Montag an der Börse abermals unter Druck gesetzt. Der Aktienkurs fiel um mehr als 4 Prozent.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die 737 Max wurde im März von Aufsichtsbehörden in aller Welt aus dem Verkehr gezogen, nachdem innerhalb von weniger als sechs Monaten zwei Flugzeuge des Typs abgestürzt waren. Mit den Unfällen wurde eine speziell von Boeing für die 737 Max entwickelte Flugautomatik mit dem Namen „MCAS“ in Verbindung gebracht. Boeing hat diese Software seither nachgebessert. Das Update muss von Aufsichtsbehörden genehmigt werden, bevor die Flugzeuge wieder abheben dürfen. Dieser Prozess zieht sich aber viel länger hin, als Boeing dies ursprünglich erwartet hatte. Eigentlich hatte das Unternehmen gehofft, dass die 737 Max noch vor Ende dieses Jahres wieder im Einsatz sein und dafür die notwendige Zertifizierung von den Behörden bekommen wird. Mittlerweile hat die amerikanische Flugaufsicht FAA klargemacht, sie werde das Flugverbot nicht vor dem nächsten Jahr aufheben.

          Nachdem die 737 Max im März aus dem Verkehr gezogen wurde, hat Boeing die Auslieferungen der Maschine gestoppt. Produziert wird das Flugzeug aber weiter, wobei Boeing das Fertigungstempo gedrosselt hat. Im Moment werden im Monat 42 Jets des Typs produziert, zuvor waren es 52. Weil Boeing die neu produzierten Exemplare nicht ausliefern kann, stehen sie auf Halde. Insgesamt sind das nach Angaben des Unternehmens jetzt schon 400 Maschinen. Das Reduzieren der Produktionsraten hat schon zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe verursacht. Wenn die Fertigung nun erst einmal ganz eingestellt wird, dürfte das für den Konzern noch teurer werden, zumal sich dann seine Fixkosten auf noch weniger Flugzeuge verteilen würden.

          In der Produktion für die 737 Max sind 12.000 Mitarbeiter beschäftigt

          Boeing begründete den Produktionsstopp unter anderem mit der Unsicherheit über den Zeitpunkt für die Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb und die damit verbundenen Konditionen. Zudem wolle das Unternehmen sicherstellen, nach einer Aufhebung des Flugverbots der Auslieferung der schon produzierten Maschinen Priorität geben zu können. Diese Flugzeuge werden auch nach der Genehmigung der Behörden nicht alle auf einen Schlag an Kunden ausgeliefert werden können, Boeing hat selbst gesagt, dass sich dies bis 2021 hinziehen könnte.

          In der Produktion für die 737 Max in der Nähe von Seattle sind rund 12000 Mitarbeiter beschäftigt. Die „Seattle Times“ hatte vor wenigen Tagen geschrieben, Boeing würde im Falle eines Produktionsstopps wohl einen großen Teil dieses Personals vorübergehend freistellen. Der Konzern sagte allerdings am Montag, er habe vor, diese Mitarbeiter weiterzubeschäftigen. Sie sollen entweder weiter an Dingen arbeiten, die mit der 737 Max zu tun haben, oder in andere Projekte in der Region eingebunden werden. Jenseits von Boeing sind auch Einschnitte im großen Netz von Zulieferern denkbar, die Bauteile für das Flugzeug produzieren.

          Der Produktionsstopp dürfte den Boeing-Vorstandschef Dennis Muilenburg weiter unter Druck setzen. Muilenburg hat im Oktober schon einen Teil seiner Macht verloren und musste seine Zweitfunktion als Vorsitzender des Verwaltungsrats abtreten. Unlängst trat er in einer Anhörung vor dem amerikanischen Kongress auf und wurde von Politikern mit schweren Vorwürfen konfrontiert. In der vergangenen Woche geriet er in einem Treffen mit dem FAA-Chef Steve Dickson weiter in die Defensive. Im Vorfeld tadelte Dickson das Unternehmen in einer scharf formulierten E-Mail an Vertreter des Kongresses dafür, noch immer einen „nicht realistischen Zeitplan“ für die Rückkehr der 737 Max in den Flugbetrieb zu verfolgen. Zudem zeigte er sich besorgt darüber, dass der Eindruck entstanden sei, Boeing setze mit seinen öffentlichen Stellungnahmen die Behörde unter Druck, die Freigabe schneller voranzutreiben.

          Der FAA-Chef, der sein Amt erst im August dieses Jahres und damit nach dem Verhängen des Flugverbots angetreten hat, sagte in der vergangenen Woche selbst vor dem Kongress aus. Auch er geriet in die Defensive. Unter anderem wurde er gefragt, warum die Behörde die 737Max nicht schon nach dem ersten Absturz 2018 aus dem Verkehr gezogen habe, zumal sie in einer kürzlich bekanntgewordenen Studie vom November 2018 selbst zum Schluss gekommen sei, dass die Gefahr weiterer Unglücke bestehe. Dickson sagte, nach heutigem Kenntnisstand hätte er nach dem ersten Absturz ein Flugverbot erteilt, wenn er damals die Behörde geführt hätte.

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