https://www.faz.net/-gqe-xuh7

Flugzeughersteller : Airbus lässt Boeing abermals hinter sich

Auf Krücken nach Toulouse: Richard Branson mit (von links) Virgin-America-Chef David Cush sowie den Airbus-Vorständen John Leahy und Tom Enders Bild: REUTERS

Airbus unterzeichnete am Montag den zehntausendsten Auftrag seiner Geschichte und setzt somit die Bilanz des vergangenen Jahres fort: Mehr Auslieferungen und mehr Bestellungen als Konkurrent Boeing– aber deutlich weniger Gewinn.

          Airbus hat den Erzrivalen Boeing im vergangenen Jahr abermals abgehängt. Dass der europäische Flugzeughersteller im vergangenen Jahr mehr Maschinen ausgeliefert hat als sein amerikanischer Wettbewerber, war schon bekannt. Doch nun bestätigt sich die Tendenz auch bei den Neuaufträgen: Abzüglich der Stornierungen erhielt Airbus im vergangenen Jahr Bestellungen über 574 Maschinen, für Boeing liegt diese Kennziffer bei 530. Seit 2008 hat Airbus damit jedes Jahr mehr Aufträge hereingeholt als Boeing. Nach Katalogpreisen, die in der Realität allerdings fast immer unterboten werden, wird Airbus damit Einnahmen von 74,6 Milliarden Dollar erzielen, gegenüber 51,6 Milliarden Dollar für Boeing. Der Abstand ist so groß, weil die Europäer mehr große Maschinen verkauften, darunter 32 Maschinen vom Typ A 380. „2010 war ein gutes Jahr, besser, als wir vor zwölf Monaten erwartet hatten“, sagte Airbus-Chef Tom Enders.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Öffentlichkeitswirksam unterzeichnete Airbus in Toulouse am Montag den zehntausendsten Auftrag seiner Geschichte. Sir Richard Branson, der Eigentümer der Fluggesellschaft Virgin, war zur Unterzeichnung eigens angereist. Seine 2007 gegründete Fluggesellschaft Virgin America orderte 60 Mittelstreckenmaschinen des Typs A 320, die Hälfte mit dem neuen spritsparenden Triebwerk Neo.

          Die indische Fluggesellschaft Indigo will 150 A 320 Neo kaufen, hat bisher jedoch nur eine Grundsatzvereinbarung unterzeichnet (siehe Riesenauftrag für Airbus). Virgin America dagegen hat nun fest bestellt und ist damit offizieller Erstkunde. „Die neuen Triebwerke erlauben es uns, von der amerikanischen Westküste bis nach Hawaii zu fliegen“, sagt der Virgin-America-Chef David Cush.

          Sparprogramme laufen weiter

          Angesichts der guten Auftragslage will Airbus indes nicht die Herausforderungen der nahen Zukunft unterschätzen. Das Gewinn-Niveau ist nicht zufriedenstellend, wie Enders einräumte. Daher sollen die laufenden Sparprogramme fortgesetzt werden. In den ersten neun Monaten 2010 erzielte Airbus einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Wertminderungen, Abschreibungen und außerordentlichen Posten (Ebit) von nur 296 Millionen Euro, halb so viel wie im Vorjahr. Boeing dagegen wies für seine kommerzielle Luftfahrtsparte im gleichen Zeitraum mehr als 2,3 Milliarden Dollar operativen Gewinn aus. Die Amerikaner rechnen zwar anders, indem sie Forschungs- und Entwicklungskosten auf viele Jahre verteilen. Der Abstand ist nach Einschätzung von Analysten dennoch erheblich. Erst 2012 werde sich die Rentabilität verbessern, hatte der Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Louis Gallois, in der vergangenen Woche angekündigt.

          Der Ergebnisrückstand gegenüber Boeing ist nach Angaben von Enders mit den hohen Investitionen in Zukunftsprogramme zu erklären. Vom Langstreckenflieger A 350 bis zum Militärtransporter A 400M befänden sich diese indes auf gutem Wege. Der Airbus-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass trotz des Widerstands einiger deutscher Parlamentarier bald auch die Bundesregierung die im vergangenen Jahr mühsam ausgehandelte Neufinanzierung des A 400M unterzeichne. „Die sechs anderen Nationen schauen auf Deutschland, den größten A-400M-Kunden“, sagte Enders. Aufgrund der guten Auftragslage will Airbus in diesem Jahr 3000 neue Mitarbeiter einstellen. Die Hälfte davon ersetzt freigewordene Stellen, der Rest ist Personalaufbau.

          Weitere Themen

          Das war die Gamescom 2019 Video-Seite öffnen

          Rückblick : Das war die Gamescom 2019

          Die Gamescom 2019 ist vorbei. Doch welche Hallen und Stände lohnten einen Besuch? F.A.Z.-Redakteur Bastian Benrath verrät es auf einem Videorundgang.

          Topmeldungen

          Reformen der Koalition : Immer auf die Besserverdiener

          Egal ob Baukindergeld, Pflegereform oder Soli – die große Koalition schließt Einkommensstarke konsequent von finanziellen Entlastungen aus. Die Grenzen setzt sie dabei willkürlich und der Papierkrieg ist immens.

          Brandenburg : Ist das schlimmer als Diktatur?

          Angegriffen und abgehängt: Vor den Landtagswahlen kocht im Osten die Stimmung. Davon profitiert vor allem die AfD. Eine Reise durch die Dörfer Brandenburgs.

          AfD in Sachsen : Die DDR ist ein Wahlkampfschlager

          In Sachsen will die AfD die Landtagswahl gewinnen – dafür bedient sie gezielt ein Zerrbild der Wirklichkeit. Ihre Wähler stört das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.