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„Beispiellose Krise“ : Flugzeugbauer Airbus will in Deutschland 5100 Stellen streichen

Der Eingang der Airbus-Betriebsstätte in der Nähe der französischen Stadt Nantes. Bild: Reuters

Der Flugzeugbauer Airbus reagiert auf die Krise – und will von Herbst an 15.000 Stellen abbauen. Die Gewerkschaften protestieren.

          6 Min.

          Der europäische Flugzeughersteller Airbus will wegen der Coronavirus-Krise 15.000 Stellen in seiner Belegschaft mit ihren weltweit 135.000 Mitarbeitern streichen. Das gab das Unternehmen an seinem Hauptsitz Toulouse am Dienstagabend bekannt. 5100 Arbeitsplätze sollen dabei in Deutschland wegfallen, 5000 in Frankreich. Wegen der „beispiellosen Krise“ soll diese „Anpassung“ bis „spätestens Sommer 2021“ umgesetzt werden, heißt es in einer Mitteilung. Der europäische Betriebsrat ist am Dienstag über diese Pläne informiert worden. Die Konzernleitung hofft, bis zum Herbst mit den Gewerkschaften eine Einigung über das Sparprogramm zu erzielen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          „Airbus steht vor der schwersten Krise, die diese Branche je erlebt hat", teilte Guillaume Faury, der Vorstandsvorsitzende von Airbus, mit. Der Konzern hat schon im März die Produktion heruntergefahren, denn die Geschäftstätigkeit in der Branche ist um 40 Prozent eingebrochen. So sei der „erste Schock dieser Pandemie aufgefangen worden“. Doch das reiche nicht. „Nun müssen wir sicherstellen, unser Unternehmen zu erhalten und Airbus aus dieser Krise wieder als gesundes, global führendes Luft- und Raumfahrtunternehmen hervorzubringen“.

          Kurzarbeit reicht nicht mehr, um durch die Krise zu kommen

          Betriebsbedingte Kündigungen könnten zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, heißt es weiter, doch Airbus wolle sich so weit wie möglich auf soziale Maßnahmen stützen, darunter freiwilliges Ausscheiden, Vorruhestandsregelungen und längerfristige Kurzarbeitsregelungen.

          Im französischen Finanz- und Wirtschaftsministerium stieß der Abbauplan auf Kritik. Die Stellenstreichungen seien „exzessiv“, hieß es in Kreisen von Minister Bruno Le Maire. Konzernchef Faury verteidigte in einer Telefonkonferenz mit Journalisten am Abend die Sparmaßnahmen. Man habe verschiedene Szenarien durchgespielt,  doch „wir sind mit der Realität der Corona-Krise konfrontiert, auf die wir reagieren müssen“. Die Verteilung der Kürzungen auf die verschiedenen Länder richte sich alleine nach konzerninternen betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten, nicht nach anderen Kriterien, betonte der Konzernchef.

          Kündigungen nicht ausgeschlossen

          Die IG Metall kritisierte die Einschnitte ebenfalls: Der für die Luftfahrtbranche zuständige IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner sagte: „Der von Airbus angekündigte Abbau von 6.000 Arbeitsplätzen betrifft Deutschland überproportional. Das wird die IG Metall nicht hinnehmen. Das Virus darf nicht als Vorwand für Einschnitte dienen, um auf Kosten der Beschäftigten die geplanten Renditeziele zu erreichen. Reflexartig mit Arbeitsplatzabbau zu reagieren, ist kurzsichtig und gefährdet die Zukunft von Airbus“.

          Auf Deutschland kommen erhebliche Lasten zu: Denn wie Airbus am Dienstag betonte, hält das Unternehmen an zuvor angekündigten Kürzungsplänen fest. Damit bleibt es in Deutschland bei weiteren 900 Stellenstreichungen beim hauseigenen Zulieferer Premium Aerotec sowie beim Abbau von mehr als 800 Stellen im Verteidigungs- und Weltraumbereich, die im Februar verkündet worden waren. Die älteren Maßnahmen eingerechnet, steht in Deutschland somit die Kürzung von gut 6800 Stellen an, in Frankreich dagegen von etwa 5400 Arbeitsplätzen. „Die jüngsten Zahlen reflektieren die Auswirkungen der Krise auf die verschiedenen Länder“, betonte Faury.

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