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Tarifkonflikt : Flughafenkontrolleure drohen mit neuen Streiks

Meldet der Körperscanner ein verdächtiges Signal, werden die Passagiere noch mal persönlich überprüft. Bild: Frank Röth

Die ewig langen Warteschlangen im Sommer haben viele Flugreisende mächtig verärgert. In vier Wochen könnte es wieder so weit sein, denn die Gewerkschaft fordert Lohnerhöhungen für die Kontrolleure um bis zu 50 Prozent.

          Auch im kommenden Jahr drohen Warteschlangen an Flughafen-Sicherheitskontrollen: Waren jedoch in diesem Jahr gestiegene Passagierzahlen und nicht angepasste Kontrollabläufe der Grund, droht im neuen Jahr ein Streik. Die Gewerkschaft Verdi tritt in den Tarifverhandlungen für die Luftsicherheitsassistenten nämlich mit einer eingängigen Forderung auf: 20 Euro je Stunde für jeden, der dort arbeitet. Die Arbeitgeber wollen da nicht mitmachen, nach ihrer Rechnung ergäben sich nämlich Aufschläge von bis zu 55 Prozent. An diesem Mittwoch beginnt die dritte Verhandlungsrunde, die letzte vereinbarte endet am Freitag vor Weihnachten. Kommt es zu keiner Annäherung, droht unmittelbar nach dem Auslaufen der alten – sämtlich zum Jahresende gekündigten – Tarifverträge Streikgefahr.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Fluggesellschaften, die in dem Konflikt nicht mit am Tisch sitzen, blicken schon mit Sorge auf den Konflikt. Aus ihrem Umfeld ertönt die Warnung, dass die Verdi-Forderung Fliegen verteuern würde, wenn in der Folge die im Ticketpreis enthaltene staatlich festgesetzte  Luftsicherheitsgebühr angehoben werden müsste. Sofern sich die Kosten nicht an Passagiere durchreichen ließen, ginge der Aufschlag auf Kosten der Gewinne der Fluggesellschaften.

          Der Tarifkonflikt gewinnt dadurch Brisanz, dass erstmals für die 23.000 Luftsicherheitsassistenten in ganz Deutschland verhandelt wird. Bislang gibt es keine einheitliche Vergütung für die Beschäftigten privater Sicherheitsdienste, die im Auftrag der Bundespolizei an Flughäfen tätig sind. Tarifverträge sind länderweise mit Verdi und der Gewerkschaft DBB geschlossen, in den östlichen Länder sind die Sätze durchweg niedriger. Und es gibt zwei Gruppen von Personal: die Beschäftigten, die Reisende und deren Handgepäck in den Terminals kontrollieren, und jene, die Personal und Waren an separaten Einlässen prüfen.

          In Sachsen und Thüringen wird am schlechtesten gezahlt

          Mit dieser Vielfalt soll nach dem Willen der Gewerkschaft Schluss sein. Selbst Zahlen des Bundesverbandes der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) zeigen eine große Spreizung: Am unteren Ende steht demnach ein Personalkontrolleur in Sachsen oder Thüringen mit einem Stundengrundlohn von 12,90 Euro, am oberen Ende eine Kraft in einem Terminal in Baden-Württemberg mit 17,16 Euro – selbst in diesem Fall entspricht die Verdi-Forderung einem Aufschlag von 17 Prozent.

          Während Verdi eine gute Bezahlung für anspruchsvolle, sicherheitsrelevante Tätigkeiten verlangt, wird in der Luftfahrt argumentiert, dass die Sicherheitsassistenten keine Ausbildung, sondern eine 160-Stunden-Schulung mit Prüfung absolvierten. Zudem hätten die Kräfte, die zu Beginn des Jahrzehnts mit Stundensätzen von teils weniger als 11 Euro tatsächlich noch zu den geringer Verdienenden an Flughäfen zählten, seitdem Erhöhungen von teils mehr als 50 Prozent erstritten. Daran will auch niemand mehr rütteln. Auch gegen ein Ende des Ost-West-Unterschieds haben die Arbeitgeber im Grundsatz nichts einzuwenden. Sie halten es allerdings für nicht leistbar, die Differenz mit einem Schlag zu bereinigen und plädieren für eine Stufenlösung, die zu einer Angleichung nach sechs Jahren führt. Den Unterschied zwischen den Kontrollpunkten hält man indes für gerechtfertigt: An den Personaleinlässen würden nur Leute kontrolliert, die schon zur Anstellung eine spezielle Sicherheitsüberprüfung durchlaufen hätten. Das sei also einfacher, als wenn unbekannte Menschen gründlich überprüft werden müssten.

          Nach dem Flugchaos des vergangenen Sommers, zu dem auch Schlangen vor Sicherheitskontrollen beigetragen haben, geht in der deutschen Luftfahrt die Sorge um, dass sie es auch 2019 mit Passagieren zu tun hat, die es im Fall eines Streiks der Luftsicherheitsassistenten nicht rechtzeitig zum Flugzeug schaffen. Öffentliche Äußerungen gibt es dazu aber nicht, zu groß ist die Befürchtung, dass eine beschworene Streikgefahr für Anfang 2019 schon jetzt Reisende vom Buchen abhalten könnte.

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