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Fluggesellschaften : Ryanair kann bei Lufthansa nicht landen

Bringt Ryanair bald Fluggäste zu anderen Luftgesellschaften? Eher nicht. Bild: dpa

Europas größter Billigfluganbieter will künftig Zubringer für die etablierten Konkurrenten werden. Doch noch landet die Fluggesellschaft nicht an den großen Drehkreuzen - und es gibt auch andere Hürden.

          Seit zwei Jahrzehnten lässt Ryanair-Chef Michael O’Leary keine Gelegenheit aus, um kräftig über die etablierte Konkurrenz in Europa zu lästern. Bevorzugte Objekte seines Spotts sind traditionelle Anbieter wie die Deutsche Lufthansa, British Airways (BA) oder Air France-KLM, deren Geschäftsmodell der irische Manager als nicht mehr zeitgemäß und daher stark gefährdet ansieht. Doch jetzt vollzieht der Ryanair-Chef eine Rolle rückwärts. Er umgarnt die zuvor heftig kritisierten Wettbewerber als ideale Bündnispartner für sein Unternehmen.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In einem Gespräch mit der britischen Zeitung „The Times“, schlägt O’Leary ernsthaft vor, Billiganbieter wie Ryanair oder Easyjet könnten im Rahmen von Kooperationsverträgen die Zubringerflüge für die Langstreckenverbindungen der Konkurrenten übernehmen. Schließlich sei der Zubringerverkehr in Europa für Lufthansa & Co seit Jahren ein Verlustgeschäft, das bei einzelnen Gesellschaften jeweils mit dreistelligen Millionenbeträgen im Jahr negativ zu Buche schlägt. Für sie sei ein strategischer Schwenk in dieser Frage unvermeidlich: „Diese Fluggesellschaften werden sich auf ihre profitableren Langstreckenflüge konzentrieren und Easyjet und Ryanair sagen, übernehmt unsere Zubringerflüge, weil wir dann weniger Geld verlieren“.

          An den Drehkreuzen der Fluggesellschaften landet Ryanair aber nicht

          Was der Ryanair-Chef bei seinem Vorstoß verschweigt: Seine Fluggesellschaft ist auf den großen Flughafen-Drehkreuzen wie London-Heathrow, Paris oder Frankfurt, die zugleich die Heimatbasen von BA, Air France und Lufthansa sind, überhaupt nicht präsent. Stattdessen fliegt der Preisbrecher aus Dublin vorzugsweise kostengünstigere Standorte wie etwa die deutschen Provinz-Flughäfen an. Doch O’Leary lässt sich von solchen Schwächen in seinem Konzept keineswegs irritieren. Er selbst könne sich die geplante Zubringer-Kooperation mit BA vorstellen und rechnet damit, dass seinem britischen Rivalen Easyjet Ähnliches mit Air France vorschwebt. „Es gibt nichts, was wir nicht prüfen“, sagte O’Leary, der den Billigflieger aus Dublin seit Anfang der neunziger Jahre aus dem Nichts zur nach den Passagierzahlen führenden Fluggesellschaft in Europa ausgebaut hat.

          Bei den möglichen Partnern kam sein Vorstoß jedoch schlecht an. BA wollte sich am Donnerstag dazu nicht offiziell äußern, Manager von Air France winkten mit dem Hinweis ab, man wolle die PR-Offensive aus Dublin nicht aufwerten. Nur bei der Lufthansa war die Absage an den irischen Preisbrecher, der seine Kunden für Essen an Bord oder Gepäcktransport stets extra zur Kasse bittet, süffisant und eindeutig: „Wir möchten unseren Passagieren auch weiterhin hohe Qualität und guten Service bieten“, sagte Lufthansa-Manager Andreas Bartels, „insofern kommt für uns eine solche Kooperation nicht in Frage“.

          Die Lufthansa steckt mitten im Umbau

          Die Lufthansa steckt mitten in einem Umbau ihres Streckennetzes mit dem klaren Ziel, ihre hohen Millionenverluste im Europaverkehr mit eigener Kraft auszumerzen. Seit dem vergangenen Jahr übernimmt die frisch formierte Tochtergesellschaft Eurowings den innereuropäischen Zubringerverkehr. Ziel des Umbaus ist, die Lufthansa-Heimatbasen Frankfurt und München regelmäßig mit Passagieren zu versorgen. Von dort treten die zugeführten Gäste dann ihre Langstreckenflüge nach Asien oder Nordamerika an. Spätestens ab 2016 müsse Eurowings profitabel sein, lautet die Vorgabe des Lufthansa-Konzerns.

          Auch Air France muss im Passagiergeschäft hohe Verluste verkraften und baut sein Geschäft radikal um. Neben dem Abbau von fast 9000 Stellen seit 2012 wird zudem auf die Tochtergesellschaft Transavia der komplette Zubringerverkehr im Inland übertragen. Eine weitere Kooperation mit einem externen Partner wie Easyjet, der in Frankreich stark präsent ist, würde das Management wohl komplett überfordern, heißt es in Paris.
          IAG, der Muttergesellschaft von BA und dem spanischen Partner Iberia, geht indessen einen anderen Weg als Lufthansa und Air France: Die Briten hatten erst 2013 die Mehrheit am erfolgreichen spanischen Billigfluganbieter Vueling übernommen, statt selbst eine solche Airline aufzubauen. Dass BA künftig mit einem weiteren Partner wie Ryanair liebäugeln könnte, halten Kenner der Luftfahrt jedoch für abwegig.

          Dennoch ist BA-Chef Willie Walsh auf ein gutes Verhältnis zu seinem Landsmann O‘Leary angewiesen. Die britische Fluggesellschaft treibt mit Hochdruck die Übernahme des irischen Rivalen Aer Lingus voran, um mehr Start- und Landerechte auf ihrer Heimatbasis Heathrow zu erhalten. Größter Aktionär von Aer Lingus, der diese Transaktion absegnen muss, ist Ryanair.

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