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Fluggesellschaft : American Airlines ist insolvent

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Am Boden: Ein Flugzeug von American Airlines Bild: Reuters

Die drittgrößte amerikanische Fluggesellschaft ist nach hohen Verlusten insolvent. Der Mutterkonzern AMR beantragte vor einem New Yorker Gericht Gläubigerschutz. Der Flugbetrieb soll während des Insolvenzverfahrens weitergeführt werden.

          Die verlustreiche amerikanische Fluggesellschaft American Airlines versucht mit einem radikalen Schnitt den Neustart. Um hohe Kosten und überbordende Schulden abzuschütteln, flüchtet sich der Mutterkonzern AMR mitsamt Tochtergesellschaften in den sogenannten Gläubigerschutz nach Kapitel elf („Chapter 11“) des amerikanischen Insolvenzrechts (siehe Kasten unten). Damit kann American Airlines erstmal wie gewohnt weiterarbeiten, ist aber vor dem Zugriff seiner Geldgeber sicher.

          „Das war eine schwierige Entscheidung“, sagte der neue Konzernchef Thomas Horton am Dienstag. „Es ist aber notwendig und richtig, dass wir diesen Weg gehen.“ Horton hat per sofort den Veteranen Gerard Arpey abgelöst, der in den Ruhestand geht. Der neue Mann an der Spitze versicherte, dass der Flugbetrieb wie geplant weiterlaufe. „Unsere Kunden stehen bei uns an erster Stelle.“

          Veraltete Flotte

          American war die einzige der großen amerikanischen Fluggesellschaften, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nicht Insolvenz anmelden musste. Als letzte große Airline traf es 2005 Delta. Doch schon seit längerem gab es Gerüchte über eine bevorstehende Pleite der drittgrößten amerikanischen Fluggesellschaft. Sie plagen seit langem hohe Verluste. Allein in den ersten neun Monaten diesen Jahres war ein Minus von unterm Strich 884 Millionen Dollar (663 Mio Euro) angefallen. Damit liegt der Verlust mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum.

          Viele der mehr als 900 Maschinen von American Airlines und der für Regionalstrecken zuständigen Schwestergesellschaft American Eagle sind alt, sie verbrauchen viel Sprit und benötigen eine intensive Wartung. So fliegt American Airlines noch die längst eingestellten Boeing MD-80, die im Schnitt 20 Jahre auf dem Buckel haben und 35 Prozent mehr Sprit als moderne Flieger verbrauchen.

          Allein in diesem Jahr musste American Airlines ein Drittel mehr für Kerosin ausgeben. Der Gesellschaft gelang es nicht, die höheren Kosten komplett auf die Ticketpreise draufzuschlagen. Um Kosten einzusparen, schlossen sich etwa die Rivalen United und Continental zur neuen Nummer eins der Branche zusammen. Das hat den Druck auf American Airlines noch verstärkt.

          In den Vereinigten Staaten herrscht ein gnadenloser Preiskampf in der Luft. Es gibt Dutzende Fluggesellschaften, die mit Billigpreisen um die Kundschaft werben. Angesichts der Größe des Landes und angesichts des schlecht ausgebauten Bahnnetzes ist Fliegen an der Tagesordnung. Allein American Airlines bietet täglich mehr als 3300 Flüge an.

          Noch ist unklar, welche langfristigen Auswirkungen die Insolvenz haben wird. American Airlines ist Teil des Luftfahrtbündnisses Oneworld, dem die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin 2012 beitreten will.
          Zudem hatte American Airlines erst vor einigen Monaten einen gigantischen Auftrag für neue Flugzeuge an Airbus und Boeing vergeben. Insgesamt 460 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen vom Typ Boeing 737 und Airbus A320 sollen die Flotte erneuern. Der Listenpreis der Bestellung liegt bei 40 Milliarden Dollar, wobei allerdings satte Rabatte üblich sind.

          Zumindest vorerst sollen die Geschäftspartner aber ihr Geld pünktlich bekommen. American Airlines hat dafür 4,1 Milliarden Dollar auf der hohen Kante liegen. Das reiche vermutlich mehr als aus, um durch die Insolvenz zu steuern, teilte das Management mit. Die neuen Flugzeuge werden erst in den kommenden Jahren ausgeliefert.
          American Airlines ist nicht die erste amerikanische Fluggesellschaft, die wiedergeboren aus einer Insolvenz hervorgeht. So war der Rivale Delta Air Lines fast zwei Jahre bis 2007 unter Gläubigerschutz geflogen. Diese Zeit nutzte das Management zu Massenentlassungen und zur Streichung von unrentablen Strecken. Heute steht Delta wieder solide da und ist die Nummer zwei unter den amerikanischen Linien.
          Die Investoren fürchten aber, dass sie letztlich die Zeche für einen Neustart von American Airlines zahlen müssen. Der Kurs stürzte am Dienstag vorbörslich um 60 Prozent ab.

          Chapter 11

          Die Vereinigten Staaten kennen zwei unterschiedliche Insolvenzverfahren, die nach den jeweiligen Kapiteln im amerikanischen Konkursrecht als Chapter 7 und Chapter 11 bezeichnet werden.

          Während das Ziel eines Chapter-7-Verfahrens die Liquidierung eines bankrotten Unternehmens ist, kann man das Verfahren nach Chapter 11 eher als Sanierungsverfahren unter gerichtlicher Aufsicht bezeichnen. Oberste Priorität hat dabei der Erhalt des betroffenen Unternehmens.

          Das Insolvenzverfahren nach Chapter 11 unterscheidet sich deutlich vom deutschen Insolvenzrecht. So gibt es keinen Insolvenzverwalter. Vielmehr behält fast immer das bisherige Management die Kontrolle über das Tagesgeschäft. Wichtige Transaktionen, wie etwa der Verkauf von Unternehmensteilen oder anderen wesentlichen Vermögenswerten, müssen aber vom zuständigen Gericht genehmigt werden.

          Das Chapter-11-Verfahren bietet für bedrohte Firmen zahlreiche Vorteile. So können Gläubiger, die sich zuvor mit dem betroffenen Unternehmen nicht auf einen Forderungsverzicht einigen konnten, vom Insolvenzgericht zu einer Einigung gezwungen werden. Das insolvente Unternehmen kann sich frisches Kapital besorgen. Forderungen der Gläubiger können nicht sofort vollstreckt werden. Ausländische Tochterfirmen werden nicht zu einer Folgeinsolvenz gezwungen.

          Zu früheren Insolvenzfällen gehörten auch schon der Autobauer Chrysler, die Fluglinie United Airlines und der Ölkonzern Texaco, die auf der Basis von Chapter 11 saniert wurden. Insolvenzverfahren dieses Typs dauern im Durchschnitt drei bis vier Monate. Sie können mithilfe eines „prepackaged deals“ auf wenige Tage verkürzt werden. Das Insolvenzverfahren des amerikanischen Busherstellers Blue Bird dauerte beispielsweise nur einen einzigen Tag.

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