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Fluggesellschaft : Air Berlin insolvent – Lufthansa interessiert

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Am Boden: Die Fluggesellschaft Air Berlin. Bild: dpa

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin ist zahlungsunfähig. Der Flugbetrieb werde fortgeführt, teilte das Unternehmen mit. Der Staat hilft. Gespräche über die Zukunft laufen schon.

          Die Fluggesellschaft Air Berlin hat einen Insolvenzantrag gestellt. Der Flugbetrieb werde aber fortgeführt, teilte die Fluggesellschaft an diesem Dienstag mit.

          Nachdem der Hauptaktionär Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man „zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht“, hieß es in einer Pflichtmitteilung des Unternehmens. Vor diesem Hintergrund habe man beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, ließ Air Berlin wissen.

          Seit 2013 im Sinkflug

          Bei dieser Variante des Insolvenzverfahrens würde das Management des Unternehmens weiter die Geschäfte führen. Offenbar gibt es auch schon ein Ziel, wie es längerfristig weitergeht. „Es werden Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Beteiligten zur Veräußerung von Betriebsteilen geführt“, teilte Air Berlin mit. Von Seiten der Lufthansa hieß es bestätigend, man befinde sich „in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air-Berlin-Gruppe“.

          Die Bundesregierung unterstützt Air Berlin zudem mit einem Übergangskredit abgesichert durch eine Bundesbürgschaft, um den Flugbetrieb aufrecht zu erhalten. Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, im vergangenen Jahr betrug der Verlust 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

          Der Abstieg begann indes sichtbar schon im Jahr 2013, nachdem der Umsatz 2012 mit 4,3 Milliarden Euro seinen höchsten Stand erreicht hatte, und das Unternehmen mit knapp 7 Millionen Euro einen kleinen Reingewinn auswies – den ersten und einzigen nach 2007. Doch schon damals war die Eigenkapitaldecke auf winzige 6 Prozent des Vermögens geschrumpft.

          Danach aber ging Air Berlin in den finanziellen Sinkflug über: 2013 überstiegen die Schulden erstmals das Eigenkapital, 2016 schließlich um mehr als das Doppelte. Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz, der  2016 mit 3,8 Milliarden Euro unter das Niveau von 2010 fiel.

          Der Handel in der Aktie wurde am Dienstagmittag ausgesetzt. Zuletzt wurden für diese noch 76 Cents bezahlt. 2007 hatte sie mehr als 20 Euro gekostet.

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          Skeptischer äußerte sich Verdi-Bundesvorstand Christine Behle: „Wir haben große Sorge um die Arbeitsplätze der Beschäftigten.“ Deren Sicherung müsse oberste Priorität haben. Air Berlin müsse „mit Hochdruck daran arbeiten, tragfähige und gute Konzepte zu entwickeln, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten.“ Anfang des Jahres zählte Air Berlin rund 8600 Mitarbeiter.

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