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Flüssigkristallfenster : Auf Knopfdruck dunkle Scheiben

Flüssigkristall-Fenster bestehen aus zwei Glasscheiben, zwischen denen eine elektrisch leitende Schicht eingefügt ist. Bild: Merck/Bart van Overbeeke

Flüssigkristallfenster können sich innerhalb von Sekunden verdunkeln. Das könnte künftig Glasfassaden von Hochhäuser beim Energiesparen helfen. Der Darmstädter Konzern Merck sieht darin eine große Zukunft.

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          Es nimmt sie zwar keiner so richtig zur Kenntnis, aber mit Flüssigkristallen haben wir praktisch tagtäglich zu tun. Viele Menschen starren sie viele Stunden täglich an, ohne sie wäre unser modernes Leben kaum vorstellbar: Denn die handelsüblichen Flachbildschirme etwa von Smartphones, Fernsehern und Computerdisplays sind in LCD-Technik ausgeführt. LCD steht für „liquid cristal display“ – auf deutsch: Flüssigkristallbildschirm. Im Grundsatz beruht dessen Funktion darauf, dass Flüssigkristalle – also Substanzen, die einerseits flüssig sind und andererseits Eigenschaften aufweisen wie feste Kristalle – Licht beeinflussen, wenn elektrische Spannung angelegt wird.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Weniger bekannt ist, dass sich diese Technologie auch für Fenster einsetzen lässt. Man spricht dann von Flüssigkristallfenstern oder „liquid crystal windows“ (LCW). Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck, nach eigener Einschätzung Weltmarktführer im Bereich Flüssigkristalle, sieht in Fenstern eine besonders erfolgversprechende Zukunftsanwendung für die Technologie und hat deshalb jetzt die kleine niederländische Spezialfirma Peer+ übernommen. Peer+ war 2008 aus einem Forschungsprojekt der Technischen Universität Eindhoven hervorgegangen.

          Der Charme der High-Tech-Fenster besteht darin, dass sich deren Lichtdurchlässigkeit einfach elektrisch steuern lässt, indem man eine geringe Spannung anlegt. Binnen Sekunden soll eine Schaltung von hell nach dunkel oder umgekehrt möglich sein. Ein stufenloses Dimmen oder segmentiertes Schalten sei in Zukunft ebenfalls möglich, heißt es bei Merck. 2015 sollen die ersten Produkte für Glasfassaden auf den Markt kommen.

          Die Technologie kann den Angaben zufolge einfach in alle konventionellen Fenster integriert werden. Flüssigkristall-Fenster bestehen aus zwei sehr eng miteinander verklebten Glasscheiben. Die jeweiligen Innenseiten sind mit einer durchsichtigen, elektrisch leitenden Schicht beschichtet sowie mit einer Orientierungsschicht. Zwischen die beschichteten Substrate wird eine spezielle Flüssigkristallmischung gefüllt.

          Merck schwärmt in höchsten Tönen von den künftigen Möglichkeiten, die Flüssigkristallfenster eröffnen: Etwa neue Fassadengestaltungen durch besonders großflächige oder außergewöhnlich geformte Fenster. Oder durch die individuelle Farbgebung jedes einzelnen Fensters. Ein optimal gesteuertes Licht- und Temperaturmanagement könne die Energieeffizienz von Gebäuden entscheidend verbessern. Und sogar Solarzellen sollen zusätzlich integriert werden können.

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