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Integration : Flüchtlinge sind in Familienunternehmen gefragt

  • -Aktualisiert am

Integration: Ein Flüchtling steht mit seinem Ausbildungsmeister an einer Drehmaschine. Bild: Henning Bode

Jeder vierte Familienbetrieb möchte einen Flüchtling beschäftigen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten: Die Betriebe nutzen die aktuelle Lage auch für Forderungen.

          Unternehmer Matthias Bauer von der Baumdienste GmbH aus Eppstein in Hessen hat schon im Jahr 2000 einen Asylbewerber aus Bangladesch, der Kirchenasyl hatte, eingestellt. Der Mitarbeiter hatte keinen Führerschein und war ungelernt. Heute ist er ein Spezialist in der Bedienung von Wurzelfräsen, spricht Deutsch und kann Kunden in ganz Deutschland bedienen.

          Darüber hinaus hat Bauer kürzlich einen Kurden aus dem Irak als Praktikanten aufgenommen. Er war Schäfer in seiner Heimat. „Viele Unternehmer haben gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Präsident des Verbands der Familienunternehmer, Lutz Goebel. „Es braucht viel Zeit und Geduld. Sprache und Qualifikation sind häufig ein Hindernis. Doch die Motivation der Menschen ist überdurchschnittlich“.

          Nicht nur die Familienunternehmer schicken sich an, Flüchtlinge zu integrieren – in Deutschland und in den hiesigen Arbeitsmarkt. Auch Unternehmen und ihre Verbände aus anderen Branchen spenden Geld, organisieren Projekte und lassen Mitarbeiter während der Arbeitszeit ihr Ehrenamt ausüben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stellte vor kurzem ein Programm zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vor. Im kommenden Jahr investiert der DIHK dafür 20 Millionen Euro. Die 79 Industrie- und Handelskammern wollen bei der Vermittlung in Einstiegsqualifizierung und Ausbildung unterstützen.

          Beim Thema Integration steht das Erlernen der Landessprache immer an erster Stelle, sagen die Unternehmer, damit sich Zuwanderer in ihrem neuen Umfeld zurechtfinden können. Sie benötigten aber auch praktische Tipps für den Lebensalltag, vor allem wenn es um Behördengänge, das Ausfüllen von Formularen und jegliche Rechte und Pflichten als Mitglied der deutschen Gesellschaft gehe.

          Positive Erfahrungen

          Als die Flüchtlingskrise immer akuter wurde, sensibilisierte Goebel von den Familienunternehmen in einem ersten Schritt mit einem Infoschreiben die Mitglieder für das Thema. Er zeigte mit Beispielen auf, das jeder Einzelne im Kleinen etwas tun könne. Sodann konzipierte eine Arbeitsgruppe von Unternehmern Vorschläge, wie eine Million zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Einer aktuellen Mitgliederumfrage zufolge planen 16 Prozent der Familienunternehmer im kommenden Jahr, Flüchtlinge auszubilden. 24 Prozent möchten Flüchtlinge in ihren Betrieben beschäftigen. 30 Prozent möchten Flüchtlinge als Praktikanten einstellen.

          Auch die bisherigen Erfahrungen mit Flüchtlingen im Handwerk seien positiv, sagt ein Sprecher des Zentralverbands. So setzt der ZDH derzeit unter anderem ein gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geschaffenes Projekt um, das die Qualifizierung und Ausbildung von Flüchtlingen als potentielle Aufbauhelfer bei einer Rückkehr in ihre Heimatländer zum Ziel hat. Auch Banken „helfen im Rahmen des Kerngeschäfts und ihres sozialen Engagements“, sagt die Sprecherin des Bankenverbands. Die Finanzinstitute spenden Geld, legen eigene Projekte auf und fördern Flüchtlinge auch direkt im Betrieb. Die Comdirect Bank etwa bietet eine „Math4Refugees-Willkommensbox“ für Kinder an. Die Box beinhaltet Matheübungen und -spiele.

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