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Bilanzskandal : Flossen bei Wirecard hunderte Millionen Euro ab?

  • Aktualisiert am

Wirecard-Zentrale in Wien Bild: Reuters

Ein Medienbericht legt nahe, dass bei Wirecard betrogen wurde. Die Staatsanwaltschaft München überprüft nun Ermittlungen in diese Richtung. Es geht um unseriöse Finanzdeals in Asien und auf Mauritius.

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          Der Skandal beim Finanzdienstleister Wirecard weitet sich offenbar aus. Wie der Rechercheverbund vonSüddeutsche Zeitung“, NDR und WDR berichten, gibt es Hinweise auf Betrug im großem Stil. Demnach seien über fragwürdige Kredite an Unternehmen in Asien und Briefkastenfirmen auf Mauritius im Indischen Ozean Hunderte Millionen Dollar verloren gegangen. Das würden Unterlagen der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG nahelegen. Wo das Geld nun ist, sei unklar.

          Die Staatsanwaltschaft München I prüft nun, ob sie gegen das Unternehmen aus Aschheim auch Betrugsermittlungen aufnehme, hieß es weiter. Bislang geht sie dem Verdacht der Bilanzfälschung und Manipulation des Börsenkurses bei der Wirecard AG nach. Vorausgegangen waren Anzeigen gegen den ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun und seinen Kollegen Jan Marsalek, der vermutlich in Asien untergetaucht ist. Die Staatsanwaltschaft hatte an diesem Mittwoch zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit die Büros der Firma untersucht. Mit dabei waren zwölf Strafverfolger, die von 33 Polizeibeamten und weiteren IT-Fachleuten des Polizeipräsidiums München sowie ihren Kollegen unterstützt wurden.

          Laut den Unterlagen der KPMG habe Wirecard zwei Unternehmen aus Asien 2018 die Möglichkeit unterbreitet, Kredite über eine Höhe von 250 Millionen Euro in Anspruch zu nehmen, ohne dafür Sicherheiten zu verlangen. Bei einer weiteren Firma aus Asien sollen es 115 Millionen Euro gewesen sein. Im kommenden Jahr seien dann keine Zinsen auf die Kredite gezahlt wurden, Wirecard habe die Kredite aber dennoch um ein Jahr verlängert. Chef dieser Firmen soll laut den KPMG-Unterlagen ein ehemaliger Wirecard-Manager gewesen sein.

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          Bei einem Geschäft mit einer Briefkastenfirma in Mauritius soll es ebenfalls Ungereimtheiten gegeben haben. Wirecard habe von dieser aus einen Zahlungsdienstleister aus Indien für 315 Millionen Dollar gekauft. Die Briefkastenfirma selbst soll zuvor das indische Unternehmen für nur 35 Millionen Euro erworben haben.

          Laut der Nachrichtenagentur „Reuters“ untersuchen die Zentralbank Mauritius und deren Finanzaufsicht aber nun, ob es zu einem sogenannten „Round-Tripping“ gekommen sei, einer Aufblähung des Umsatzes durch hin- und hergeschobenen Überweisungen zwischen einzelnen Konzerngesellschaften. Gegen den ehemaligen Vorstand liegt ein Haftbefehl vor. Wirecard äußerte sich laut dem Medienbericht zu den Vorwürfen nicht.

          Das Unternehmen aus dem Münchner Vorort Aschheim wickelt als Dienstleister für Banken, Kreditkartenfirmen und Händler bargeldlose Zahlungen ab, die Tochtergesellschaft Wirecard Bank hat eine Vollbanklizenz. Aufgrund des Bilanzskandals droht den Finanzdienstleistern aber nun der Rauswurf aus dem Dax.

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