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Florierendes Geschäft : Pelz verliert den Makel

Pelz fürs Fell: Auch dieser Hund wärmt sich mit zusätzlichem Fell Bild: dpa

Tierschützer warnen zwar wie eh und je, aber Pelzmode ist wieder populär - auch in Deutschland. Das globale Geschäft mit Tierfellen floriert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

          6 Min.

          Es seien goldene Zeiten, sagt Mark Oaten. „Wir haben noch mindestens zehn Jahre Wachstum vor uns“, da ist sich der Geschäftsführer der International Fur Trade Federation (IFTF) sicher. Der Chef des Weltverbands der Pelzhändler vertritt eine Branche, die zumindest in westlichen Industrieländern geächtet ist wie wenige andere.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Geschäft läuft trotzdem - und zwar so gut wie schon sehr lange nicht mehr. Nach den Zahlen des IFTF ist der globale Großhandelsumsatz mit Pelzen aller Art in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent auf rund 15 Milliarden Dollar (11,5 Milliarden Euro) gestiegen. In Europa haben die Preise für Nerzfelle einen historischen Höchststand erreicht. Im deutschen Einzelhandel sind die Erlöse mit Pelzmode in den vergangenen vier Jahren trotz Tierschützern und Finanzkrise um 10 Prozent gewachsen.

          Mark Oaten, der Pelzlobbyist vom IFTF im Londoner Vorort Weybridge, wundert sich manchmal selbst, wo sich für seine Unternehmen neuerdings Expansionschancen auftun. Zum Beispiel in Dubai. „Ein sehr dynamischer Markt“, sagt der Brite. In dem Wüstenemirat, in dem auch im Winter die Temperaturen kaum einmal unter 20 Grad Celsius fallen, verkauften mehr als 300 Geschäfte Pelzmode.

          Die Kunden seien nicht nur ausländische Touristen auf Shopping-Tour, sondern auch Einheimische. Das Gelobte Land der Pelzbranche ist aber die aufstrebende Wirtschaftssupermacht China. Der Hunger nach materiellen Statussymbolen im Reich der Mitte hat in den vergangenen Jahren den globalen Pelzmarkt auf den Kopf gestellt. „In China gibt es 90 Städte, in denen so viel Pelz gekauft wird wie in New York“, sagt Oaten. Gesättigt sei die Nachfrage dennoch noch lange nicht.

          Popstars und Schauspielerinnen tragen Tierfelle

          Längst haben Modedesigner die Zeichen der Zeit erkannt. Sie wollen am chinesischen Luxus-Boom mitverdienen. Ob Nerz, Fuchs, Ziege, Zobel, Kaninchen, Karakul-Lamm oder Waschbär - internationale Modemarken wie McQueen, Prada, Roberto Cavalli oder Mulberry hüllen ihre Laufsteg-Models reihenweise in Tierfelle. Designerinnen wie Stella McCartney, die aus Prinzip weder Felle noch Leder verarbeitet, sind rar. Der lange Zeit geächtete Pelz hat seinen Makel weitgehend verloren. Popstars und Schauspielerinnen, wie Lady Gaga, Madonna, Kayne West und Sharon Stone tragen Tierfelle und nehmen in Kauf, dafür von Tierschutzorganisationen wie Peta attackiert zu werden.

          Andreas Lenhart war gerade zwei Wochen auf Geschäftsreise in China, Hongkong und Vietnam unterwegs. Der 71 Jahre alte Seniorchef des Frankfurter Pelzhandelshauses Rosenberg & Lenhart ist seit mehr als einem halben Jahrhundert im Geschäft. Wenn der Unternehmer gefragt wird, wann die Zeiten in seiner Branche besser waren als heute, muss er weit ausholen: Die siebziger und achtziger Jahre waren die Wirtschaftswunderjahre der Pelzbranche. Damals in der alten Bundesrepublik war der Pelzmantel noch ein Schaustück des bürgerlichen Wohlstands für alle, ungetrübt von ethischen Bedenken. Dann kamen die Tierschützer, die neunziger Jahre waren hart. Auch heute noch verzichten eine Reihe großer Textilhändler wie Adler, Kaufhof und Peek & Cloppenburg, auf Pelzmode. Zu groß ist ihre Furcht vor Protestaktionen und die Sorge um den Ruf des Unternehmens.

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