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Florierendes Geschäft : Pelz verliert den Makel

„Vor allem die Chinesen kaufen immer weiter“

Der weltgrößte Handelsplatz für Pelze liegt hoch im Norden Europas. Das Auktionshaus Kopenhagen Fur hält jedes Jahr fünf Versteigerungen ab, auf denen Millionen von Tierfellen den Besitzer wechseln. Geschäftsleute aus China und Hongkong bilden mittlerweile die mit Abstand größte Käufergruppe. Sie treiben die Preise in zuvor unerreichte Höhen. Diese Saison kostete der als besonders hochwertig geltende dänische Nerz ein Viertel mehr als vergangenes Jahr und rund doppelt so viel wie vor fünf Jahren.

Ein Ende des Aufschwungs sei nicht in Sicht, sagt der Pelzexperte Henning Otte Hansen von der Universität Kopenhagen. „Normalerweise sollte man erwarten, dass der starke Preisanstieg die Nachfrage dämpft, aber das ist nicht der Fall“, sagt der Agrarökonom. „Vor allem die Chinesen kaufen immer weiter. Für diese Kunden ist Pelz ein Statussymbol, ethische Bedenken spielen keine Rolle.“ Zwar expandierten viele Züchter, aber das Angebot könne mit der Kaufwut derzeit nicht mithalten.

Die Methoden der Pelzzüchter sind umstritten wie eh und je, dennoch werden die Materialien weiter verarbeitet

Dabei sind die Methoden der Pelzzüchter umstritten wie eh und je. Auf Internetplattformen wie Youtube wimmelt es von grausigen Filmen, in denen Nerze und Füchse unter erbärmlichen Bedingungen in ihren Käfigen dahinvegetieren. Während die Verbraucher jedes Jahr Milliardenbeträge für Pelzmode ausgeben, werden die Züchter zumindest in Europa immer weniger geduldet. Die Regierungen in Österreich und Großbritannien haben Tierfell-Farmen bereits verboten. In Deutschland müssen die noch übriggebliebenen Nerzfarmen neuerdings größere Ställe für die Tiere bereithalten. Laut Tierschutzbund hält bisher aber kein einziger Zuchtbetrieb diese Vorgaben ein. Stattdessen beschäftigen die neuen Richtlinien nun die Verwaltungsgerichte.

“Totaler Blödsinn“ seien die neuen Regeln, sagt Alfons Grosser, Funktionär des Zentralverbands Deutscher Pelztierzüchter und selbst Betreiber einer Nerzfarm in Nordrhein-Westfalen. Die größeren Gehege seien „nachweislich nicht artgerecht und schaden der Tiergesundheit“, sagt Grosser. „Wir Züchter haben selbst das größte Interesse daran, dass es denn Tieren gut geht, sonst leidet die Fellqualität“. Den Pelzgegnern gehe es in Wahrheit gar nicht um eine sachliche Debatte, sondern um Meinungsmache aus eigennützigen Motiven, sagt Grosser. „Die sogenannten Tierschutzorganisationen leben von Spendengeldern, und die Geldbörsen der Leute kriegen die nur mit Emotionen geöffnet.“

„Die Pelzgegner machen unsere Umsätze nicht kaputt“

Solche Sätze zeigten nur, wie gleichgültig der Branche das Schicksal der Tiere sei, antwortet James Brückner vom Tierschutzbund verweist auf eine Studie der Universität München. Veterinäre hielten in einem Feldtest eine Gruppe Nerze in einem weitläufigen Freigehege und eine andere Gruppe in Käfigen. Das Ergebnis: Die Nerze in Freilandhaltung waren deutlich gesünder als die Käfigtiere.

Aber die Wachstumszahlen der Pelzbranche zeigen eben auch ziemlich deutlich, dass die Tierschutzdebatte die Verbraucher zunehmend kaltlässt. Nicht nur in China ist Pelz längst wieder gesellschaftsfähig: Europa ist mit einem Anteil von knapp einem Drittel nach Asien die zweitwichtigste Absatzregion für die Pelzindustrie. Die nimmt den ritualisierten Schlagabtausch mit den Tierschützern inzwischen gelassen. „Die Pelzgegner machen unsere Umsätze nicht kaputt“, sagt Susanne Kolb-Wachtel, die Lobbyistin vom Deutschen Pelz Institut. „Die sind nur ein kleiner Stachel im Fleisch.“

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