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Florierendes Geschäft : Pelz verliert den Makel

Das Geschäft läuft - und zwar so gut wie schon sehr lange nicht mehr

Dennoch ist die Pelzbranche wieder obenauf. „Vor allem in den vergangenen drei Jahren hat sich der Markt dramatisch verändert“, sagt Lenhart. Wegen der großen Nachfrage aus Fernost, aber auch aus Russland, schossen die Preise nach oben. Die Pelzwirtschaft war schon eine globalisierte Branche, bevor es das Wort überhaupt gab. Rosenberg & Lenhart kauft seine Felle bei den großen internationalen Auktionen in Kopenhagen oder Toronto ein, lässt es in der Ukraine gerben und färben und in China, Tschechien und Griechenland weiterverarbeiten. „Nerz ist noch immer der gefragteste Pelz“, sagt Lenhart. Er macht nach seiner Schätzung rund 60 Prozent des Marktes aus. Aber auch Fuchs, Lammfell und Wildtiere wie der Waschbär stehen bei den Kunden hoch im Kurs.

Wenn James Brückner über die Wiederauferstehung der Pelzmode spricht, dann klingt er manchmal ziemlich ratlos. „Meinungsumfragen zeigen, dass die große Mehrheit der Deutschen Pelz weiterhin ablehnt“, sagt der Mann von der Münchner Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. Aber warum kaufen die Deutschen dann trotzdem wieder deutlich mehr Pelz als noch vor wenigen Jahren? „Das zeigt, dass wir das Problembewusstsein der Verbraucher immer wieder reaktivieren müssen“, sagt Brückner.

„Ich kenne das aus meinem eigenen Bekanntenkreis“

Eine Erklärung für die widersprüchliche Haltung der Deutschen zum Pelz könnte darin liegen, dass die Tierfelle heute anders verarbeitet werden als früher. Pelzmäntel mögen für viele noch immer tabu sein, aber den Pelzkragen an der Winterjacke, die Pelzstola oder die Mütze aus Tierfell finden viele schick. In Deutschland machen solche Accessoires heute rund 70 Prozent der Umsätze mit Pelzen aus. „Ich kenne das aus meinem eigenen Bekanntenkreis“, sagt Brückner. „Leute, die sich niemals einen Pelzmantel zulegen würden, kaufen bedenkenlos eine Jacke mit Pelzkragen.“

Wer Susanne Kolb-Wachtel fragt, warum die Appelle der Tierschützer heute an den Ladenkassen weniger Wirkung zeigen als früher, bekommt eine ganz andere Antwort. „Die Geschichten der Pelzgegner sind ja immer dieselben“, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Pelz Instituts in Frankfurt, das von der Pelzwirtschaft finanziert wird. „Die Leute sind es einfach leid.“ Kolb-Wachtel spricht vom „Ende der Selbstverleugnung und Askese“ und von weiblicher Emanzipation. „Die Frauen sagen: Ich esse ja auch Fleisch, warum soll ich dann nicht auch Pelz tragen?“

In Berlin zeigte Dorothee Schumacher jüngst eine Kollektion aus Materialien wie Strick, Pelz oder auch Leder

Weil es ein großer Unterschied sei, ob Tiere getötet würden, um daraus Nahrungsmittel herzustellen, oder für einen bloßen Modeartikel, entgegnen Tierschützer wie James Brückner. Pelze sind für sie ähnlich überflüssig wie Tierversuche in der Kosmetikindustrie oder das Töten von Elefanten wegen ihrer Hörner. Auch unabhängig von den höchst umstrittenen Haltungsmethoden der Branche lehnt der Tierschutzbund und andere Organisationen die Pelztierzucht deshalb ab - und findet damit offenkundig immer weniger Gehör.

Nirgendwo profitiert die Wirtschaft so sehr von der umstrittenen Pelzmode wie in Europa. Europäische Züchter vor allem aus Dänemark, den Niederlanden und Finnland schlachteten 2011 rund 31 Millionen Nerze und mehr als 2 Millionen Füchse wegen ihrer kostbaren Felle. Europas Anteil an der globalen Pelzproduktion liegt bei 60 Prozent und ist damit mehr als doppelt so groß wie der von China, dem zweitgrößten Erzeuger. Von Finnland bis Italien gibt es rund 7200 Pelztierfarmen - in Deutschland mittlerweile allerdings nur noch 14.

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