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Flugausfälle wegen Streik : Flixbus nimmt gestrandete Ryanair-Passagiere auf – kostenlos

  • Aktualisiert am

Springt für gestrandete Flugpassagiere ein: Das Fernbus-Unternehmen Flixbus Bild: dpa

Wer an diesem Mittwoch mit Ryanair fliegen wollte, könnte Pech haben. Wegen eines Streiks fallen mehr als 100 Flüge aus. Das hat die Fernbuslinie Flixbus auf eine Idee gebracht.

          Das Ryanair-Personal streikt, zahlreiche Flüge fallen aus oder starten verspätet. Etwa 150 von 400 werden es an diesem Mittwoch sein, betroffen sind 13 große Ryanair-Basen in ganz Deutschland. Hilfe für gestrandete Passagiere kommt jetzt von der Fernbuslinie Flixbus. Das Unternehmen spendiert Ryanair-Fluggästen, deren Flug ausfällt, eine kostenlose Busfahrt: „Dein Flug ist ausgefallen? Keine Sorge, wir helfen Dir aus der Patsche!“, verkündet das Unternehmen auf seiner Webseite.

          Kunden müssten lediglich ein Formular ausfüllen und ihr Flugticket hochladen. Nach einer kurzen Prüfung würden sie einen Freifahrt-Gutschein erhalten, gültig für eine beliebige Fahrt am Mittwoch (12.09.2018) im europäischen Flixbus Streckennetz. Eine clevere Aktion, mit der die Fernbuslinie die Werbetrommel für seine Dienste rührt.

          Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hofft indes, dass vom 24-Stunden-Streik bei Ryanair eine klare Botschaft an die irische Billigfluggesellschaft ausgeht. „Wir hoffen, dass dieser Warnstreik deutliche Wirkung zeigt“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann am Mittwoch am Flughafen Berlin-Schönefeld. Zugleich erwarte er, dass Ryanair „sieht, dass die Beschäftigten nicht länger diese miesen Arbeitsbedingungen und schlechten Entgelte hinzunehmen bereit sind“.

          „Die Streikbeteiligung ist gut“

          Splanemann äußerte die Hoffnung, dass der Streik „der erste Schritt“ hin zu einem Tarifvertrag sein könnte. Ryanair scheue sich bislang „wie der Teufel vor dem Weihwasser, deutsches Arbeitsrecht anzuerkennen“. Nun seien die Flugbegleiter erstmals bereit, trotz der Drohungen durch das Unternehmen dagegen aufzubegehren.

          Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hält weitere Arbeitsniederlegungen indes für möglich. VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher sagte am Mittwoch am Frankfurter Flughafen, er könne einen
          längeren Konflikt nicht ausschließen. „So lange Ryanair keine verbesserten Angebote macht, muss es notfalls hier auch weitere Streiks geben.“

          Am Flughafen Berlin-Schönefeld wurde nach Verdi-Angaben am Mittwochmorgen mehr als die Hälfte der Ryanair-Flüge abgesagt. „Die Streikbeteiligung ist gut“, sagte Splaneman. Am Flughafen Bremen fallen am Mittwoch neun von 16 geplanten Flügen der Billigfluglinie aus. Das Unternehmen habe unter anderem Verbindungen nach London, Mailand und Mallorca gestrichen, sagte die Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann. Sie riet allen Passagieren, vor dem Abflug Kontakt zur Fluglinie zu suchen. In Hamburg gab es weniger Auswirkungen auf den Flugverkehr. Dort waren zwei von 14 vorgesehenen Flügen betroffen. 

          Deutschlandweit hatte der Ausstand um 03.01 Uhr begonnen und sollte 24 Stunden andauern. Ryanair strich 150 der etwa 400 für Mittwoch geplanten Verbindungen von und nach Deutschland und bot betroffenen Kunden alternative Flüge an.

          Zum Streik aufgerufen hatten Verdi und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Sie fordern für die Piloten und Flugbegleiter bessere Arbeitsbedingungen sowie mehr Gehalt. Verhandlungen zwischen den Tarifparteien brachten in den vergangenen Wochen keine Einigung.

          Ryanair bezeichnet die Streiks als unnötig und verweist auf laufende Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Der irische Billigflieger drohte am Dienstag mit einem Stellenabbau in Deutschland, sollte es weitere Arbeitskampfmaßnahmen geben.

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