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Größter US-Fernbusbetreiber : FlixBus übernimmt legendäre „Greyhound“-Busse

  • Aktualisiert am

Ein Greyhound-Bus in El Paso, Texas Bild: Reuters

172 Millionen Dollar zahlt das Münchner Unternehmen FlixBus für Greyhound. Bisher gehörte die legendäre Marke einem britischen Konzern. FlixBus hat in den USA große Pläne.

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          Die legendären „Greyhound“-Überlandbusse gehören künftig zu FlixBus. Die Dachgesellschaft FlixMobility kauft Greyhound Lines, den größten Fernbusbetreiber der USA, für bis zu 172 Millionen Dollar (148 Millionen Euro) vom britischen Eisenbahn- und Nahverkehrs-Unternehmen FirstGroup, wie beide Seiten am Donnerstag mitteilten.

          „Eine stetige Weiterentwicklung unseres Netzes durch Kooperationen oder Zukäufe ist schon immer ein wesentlicher Teil unserer Wachstumsstrategie, um unsere globale Präsenz weiter auszubauen“, erklärte Jochen Engert, einer der FlixMobility-Gründer und -Chefs. „Die Übernahme von Greyhound bringt uns hier einen entscheidenden Schritt weiter und stärkt die Position von FlixBus in den USA.“

          Dort sowie in Kanada und Mexiko verkehren 1300 Greyhound-Busse, die laut FlixMobility 2400 Ziele in Nordamerika ansteuern und jedes Jahr von 16 Millionen Passagieren genutzt werden. FlixBus ist selbst seit 2018 in den USA vertreten und hatte den Betrieb dort im Frühsommer wieder hochgefahren. USA-Chef Pierre Gourdain hatte im Juni angekündigt, Flixbus wolle dort bis 2023 das umfangreichste Netz anbieten.

          FlixBus in Hollywood-Filmen

          André Schwämmlein, ein weiterer Gründer und Chef von FlixMobility, hatte erst vor gut einer Woche im Gespräch mit der F.A.Z. die US-Ambitionen bekräftigt. Ziel sei die Marktführerschaft in den USA, der Markt habe das Potential, so groß zu werden wie ganz Europa.

          „Wir sind zufrieden mit der Entwicklung unseres US-Geschäfts, wollen aber wachsen“, sagte Schwämmlein. „Wir haben relevante Marktanteile gewonnen und auch Menschen zum Bus gebracht, für die das bis dahin nicht infrage kam.“

          FlixBus bringe viele junge Amerikaner zum Bus, für die das bisher keine Option gewesen sei. Allerdings müsse sich das Image des Busfahrens noch ändern. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass es mit dem Bus eine attraktive Alternative zum Auto gibt.“ Das Ziel sei, „dass man irgendwann in den Hollywood-Filmen FlixBusse sieht.“ In dem Gespräch hatte er auch noch gesagt, die Ambition sei, dass die Amerikaner künftig an FlixBus statt an Greyhound denken, wenn es um den Busverkehr gehe.

          Auf der ganzen Welt hatte Flixbus 2019 – vor dem Virus-Ausbruch – 62 Millionen Passagiere befördert. Die Pandemie hatte das Reise-Geschäft zeitweise fast vollständig zum Erliegen gebracht.

          FirstGroup hatte die Greyhound Lines 2007 übernommen, hatte aber schon vor der Corona-Pandemie nach einem Käufer gesucht. Auch das Geschäft von Greyhound litt zuletzt stark unter den Beschränkungen wegen der Virus-Krise. Von April 2020 bis März 2021 lag der Umsatz laut dem bisherigen Eigentümer FirstGroup bei 423 Millionen Dollar, der bereinigte operative Gewinn bei 1,8 Millionen.

          FlixMobility zahlt zunächst rund 140 Millionen Dollar für Greyhound, 32 Millionen sollen in den nächsten 18 Monaten in Raten fließen. Der neue Eigentümer mietet die Immobilien von Greyhound, die bei FirstGroup bleiben. Die Staatszuschüsse von 108 Millionen Dollar, die Greyhound zum Ausgleich der Pandemie-bedingten Verluste von der US-Regierung erhalten hat, bleiben bei Greyhound und kommen damit FlixMobility zugute. Unter dem Strich werde Greyhound damit mit 46 Millionen Dollar bewertet.

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