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Legaltechs : Flugreisende sollen in nur acht Minuten entschädigt werden

Gestrichene Flüge auf dem Flughafen Schönefeld (Brandenburg) Bild: dpa

Das junge Unternehmen Flightright will seinen Kunden innerhalb von Minuten die Entschädigung eines verspäteten oder abgesagten Fluges besorgen. Wie sieht dieses System aus?

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          Deutsche Flugreisende müssen oft warten, weil ihr Flug verspätet ist oder gleich komplett ausfällt. Insgesamt mussten sie 2016 rund 14,5 Jahre an deutschen Flughäfen ausharren, bevor ihr Ersatzflug oder die verspätete Verbindung doch startete. Das hat zumindest der Dienstleister Flightright ausgerechnet. Nach Willen des Unternehmensgründers Philipp Kadelbach sollen Fluggäste nicht mehr lange auf ihre Entschädigung warten müssen – obwohl sich Fluggesellschaften nicht selten auf die Kundenbeschwerden hin weigern, die nach der europäischen Fluggastrechteverordnung vorgeschriebenen Kompensationen auszuzahlen. „Wir wollen zeigen, dass für Kunden zwischen recht haben und recht bekommen nicht mehr als acht Minuten liegen müssen“, meint Kadelbach, der auch Anwalt in einer Berliner Kanzlei ist.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Flightright ist ein Legaltech, also eines der jungen Unternehmen, das Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Rechte über das Internet hilft. Als einer der ersten Anbieter hat sich das 2010 gegründete Start-up darauf spezialisiert, für Passagiere Entschädigungen bei Annullierung, Nichtbeförderung und Verspätung einzutreiben. Abhängig von der Flugzeit und dem Ausmaß der Verzögerung, können Reisenden zwischen 250 und 600 Euro zustehen – losgelöst von dem eigentlichen Ticketpreis. Aussichtslos sind Forderungen nur, wenn Flughäfen gesperrt waren, da Personal streikte oder Unwetter tobten. Dann berufen sich die Fluggesellschaften auf Fälle der höheren Gewalt, eine Entschädigung scheidet danach aus.

          35 Prozent des Entschädigungsanspruchs

          Für alle übrigen Fälle setzt man in Potsdam bei Flightright auf die moderne Technik – Big Data und darauf aufbauende juristische Vorhersagen: Dabei werden die Flug- und Verspätungsdaten der Reisenden mit einer Datenbank abgeglichen, die Flightright mit tatsächlichen Landezeiten und Angaben zu rund 35.000 Gerichtsverfahren gefüttert hat. In dieser ersten, technischen Instanz befindet ein Algorithmus anstelle eines Juristen über den Rechtsanspruch.

          Ist die Wahrscheinlichkeit einer Entschädigung hoch, wird den Nutzern angeboten, nach einer Identifizierung per Video-Online-Telefonat über den Zahldienst Paypal schnell und sicher an ihre Entschädigung zu kommen. Flightright kümmert sich dann um den Rest und treibt seinerseits das Geld von der Fluggesellschaft ein – notfalls über eine Klage. Wie andere Legaltechs lässt sich Flightright den ursprünglichen Entschädigungsanspruch des Passagiers gegen die Gesellschaft abtreten und behält 35 Prozent des Entschädigungsanspruchs zuzüglich der Mehrwertsteuer ein. Von den möglichen 600 Euro Entschädigung erhält der Kunde somit lediglich 348 Euro – aber in wenigen Minuten anstatt nach einem langen Rechtsstreit.

          „Die Differenz ist unsere Marge, mit der wir unser Risiko abdecken“, sagt Kadelbach. Das Geld darf der Passagier auch dann behalten, wenn Flightright Monate später die Klage doch verliert. Ursprünglich hatte Flightright Kunden immer erst Geld gezahlt, wenn der im Auftrag des Reisenden geführte Rechtsstreit gewonnen war. Nicht selten vergingen Monate. Reisende wollten aber meist den Ärger wegen einer Verspätung schnell vom Tisch haben und würden den hohen Abschlag hinnehmen, ist Kadelbach überzeugt. Daher scheide für sie auch der Weg über die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr aus, über die Passagiere Forderungen zwar kostenlos, aber mit längeren Wartezeiten geltend machen könnten.

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