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Frieden im Fleischkonzern : Tönnies bleibt in der Familie

  • -Aktualisiert am

Maximilian, Clemens und Robert Tönnies (von links) Bild: dpa

Deutschlands größter Fleischkonzern wird nicht verkauft. Die lange Zeit zerstrittenen Gesellschafter wollen stattdessen genauso weitermachen wie bisher. Woran das liegt.

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          Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies bleibt in Familienhand. Das teilten die drei Gesellschafter Robert, Clemens und Maximilian Tönnies am Mittwoch mit. „Mit der klaren Aussage für die gemeinsame Zukunft als Familienunternehmen leisten die Gesellschafter ihren Beitrag, die Gerüchte und Spekulationen um einen Verkauf oder Teilverkauf des Unternehmens zu beenden“, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Im März hatte es Berichte darüber gegeben, dass nach einem Käufer für das Familienunternehmen gesucht werde. Das Unternehmen sei dabei mit rund 4 Milliarden Euro bewertet worden, mit einem Umsatz von zuletzt mehr als 7,3 Milliarden Euro ist Tönnies der mit Abstand größte Fleischkonzern hierzulande und gehört zu den größten Schlachtern Europas.

           Tönnies hatte das damals nicht kommentiert, erklärte nun aber, dass es im ersten Halbjahr „verschiedene Optionen für die künftige Ausgestaltung der Eigentümer-Struktur“ gegeben habe. Nun sind die Familienmitglieder zu dem Schluss gekommen, genauso weiterzumachen wie bisher, weil die jetzige Struktur „genau die richtige ist, um die jahrzehntelange, erfolgreiche Arbeit fortzusetzen“.

          Auch das Zerrüttungsverfahren ist vorbei

          Der Unternehmenschef Clemens Tönnies hält 45 Prozent der Anteile, sein Sohn Maximilian 5 Prozent. Die andere Hälfte gehört Robert Tönnies, dem Sohn des verstorbenen Unternehmensgründers Bernd Tönnies. Mit seinem Onkel Clemens war Robert Tönnies in der Vergangenheit häufig uneins über die Ausrichtung des Fleischkonzerns, vor Gericht gab es auch eine Schiedsklage, nachdem das Unternehmen verkauft werden soll, wenn sich die Familienmitglieder zerstreiten. Dieses „Zerrüttungsverfahren“ erklärten die Gesellschafter nun auch für beendet.

          Das Unternehmen will nun neue Geschäftsfelder wie Tiernahrung oder pflanzliche Fleischalternativen stärker ausbauen, teilten die Gesellschafter mit. Gerade in der Strategie hatte es früher Streit zwischen Robert und Clemens Tönnies gegeben. Robert forderte seinen Onkel mehrfach zum Rücktritt auf, nachdem sich im vergangenen Sommer mehr als 1500 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten. Auch die auf politischen Druck erfolgte Abschaffung der Werkverträge ging dem Miteigentümer nicht weit genug.

          Wie der Streit begann

          Alles hatte damit angefangen, dass Robert und sein Bruder ihrem Onkel einst jeweils 5 Prozent der Anteile überlassen haben, die sie nach dem Tod ihres Vaters Bernd erhalten hatten. Robert bekam später die Anteile seines Bruders, was zum Patt im Unternehmensbesitz führte: Wo zwei Streithähne jeweils die Hälfte haben, bewegt sich wenig. In unzähligen Prozessen vor vielen Gerichten sind sich die Familienmitglieder begegnet, sie haben sich nicht nur über Anwälte mitunter übel beschimpft.

          Robert Tönnies' Chipkarte wurde deaktiviert, selbst seine E-Mails gelangten nicht mehr ins Unternehmen. Der mit einer Pressekonferenz groß angekündigte Fleischer-Frieden aus dem Jahr 2017, bei dem Robert sogar einen Schlachterkittel wieder zurückbekam, sollte nicht lange halten. 2019 hatte Robert die Schiedsklage eingereicht mit einem Streitwert von 600 Millionen Euro. Denn wenn es Streit gibt, sollte der Konzern zerteilt werden, wie es in einer Klausel im Einigungsvertrag von 2017 stand. Dieser Streit ist nun passé.

          Das könnte auch damit zusammenhängen, dass der 65 Jahre alte Clemens Tönnies, der seit mehr als  26 Jahren an der Spitze des Unternehmens steht, zuletzt seinen Sohn viel stärker eingebunden hat. „Der Erfolg der vergangenen Jahrzehnte lässt uns nicht müde werden, weiterzumachen und in die nächste Generation zu starten“, hieß es in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter. Robert Tönnies hatte schon mehrfach gefordert, dass sein Onkel die Macht an den Sohn abgeben solle. Möglicherweise steht bald ein richtiger Generationenwechsel an.

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