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Meister im Verschätzen: Clemens Tönnies sah die vergangenen Talfahrten seines Konzerns nicht kommen. Bild: Picture Alliance

Fleischfabrikant : Tönnies verliert noch mehr Umsatz

  • Aktualisiert am

Das verhängnisvolle Corona-Jahr 2020 wurde für den Fleischkonzern noch getoppt. Aber die Marktanteile sind trotzdem gestiegen.

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          joja. Düsseldorf ⋅ Clemens Tönnies hat sich jetzt schon zum zweiten Mal in Folge in seiner Prognose verschätzt. Nach dem für Deutschlands größten Fleischfabrikanten turbulenten Jahr 2020, als der riesige Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück wegen tausendfacher Corona-Fälle zeitweilig geschlossen war, ist das Geschäftsjahr danach sogar noch schlechter verlaufen. Dabei war der Fleischkonzern in seinem zuletzt im Bundesanzeiger veröffentlichten Bericht noch von gleichbleibenden Umsätzen im Vergleich zu 2020 ausgegangen.

          Unterm Strich stand jetzt aber ein Rückgang des Jahresumsatzes von 11,4 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. „Das Jahr 2021 war für uns nicht zufriedenstellend“, ließ sich Clemens Tönnies, der geschäftsführende Gesellschafter der Unternehmensgruppe, zitieren. Grund dafür seien vor allem durchgängig niedrige Fleischpreise gewesen und insgesamt gesunkene Tierzahlen. Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest durften Teilstücke von Schweinen wie Pfoten oder Ohren nicht nach Asien exportiert werden, womit ein wichtiger Absatzmarkt weggebrochen ist. Zudem sei die gesamte Branche weiterhin von der Corona-Pandemie betroffen gewesen: Viele Grillfeste und Familienfeste fielen genauso flach wie Messen, die Fußballstadien blieben noch leer, und auch in Kantinen wurden weniger Fleisch und Wurst verspeist. Trotzdem schlachtet Tönnies allein in Deutschland gut 16 Millionen Schweine im Jahr, das sind fast 44 000 am Tag. Traditionell erwirtschaftet das Unternehmen gut die Hälfte seiner Erlöse hierzulande.

          Gleichwohl habe der größte Fleischproduzent im Vergleich zur Konkurrenz seine Marktanteile noch steigern können, hieß es in der Mitteilung. Beim Wettbewerber Westfleisch etwa ist der Umsatz zwar nur um gut 9 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro gesunken, allerdings schrieb die Genossenschaft einen Verlust von 12 Millionen Euro. Tönnies selbst macht keine Angaben zu Gewinn oder Verlust. Auch ältere Geschäftsberichte, die im Bundesanzeiger veröffentlicht werden, weisen für die Tönnies Holding zwar etwa ein Eigenkapital von 822 Millionen Euro, ein Anlagevermögen von 613 Millionen und Verbindlichkeiten in Höhe von gut 1 Milliarde Euro aus – als persönlich haftende Gesellschafterin der Tönnies-Holding wird allerdings die in Dänemark sitzende Tönnies Holding Verwaltungs ApS gelistet, der wiederum Unternehmenschef Clemens Tönnies vorsitzt.

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