https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/fleischersatz-aus-der-brauerei-bitburger-kooperiert-mit-mushlabs-18170083.html

Lebensmittel : Fleischersatz aus der Brauerei

An der Abfüllanlage in der Bitburger Brauerei Bild: dapd

Bitburger will gemeinsam mit einem Hamburger Start-up Reststoffe aus der Bierproduktion zur Kultivierung von Pilzen nutzen. Aus deren Wurzeln soll letztlich ein neuartiger Fleischersatz hergestellt werden.

          2 Min.

          Die Brauerei Bitburger arbeitet künftig mit einem jungen Unternehmen aus Hamburg zusammen. Das norddeutsche Start-up Mushlabs will nach eigener Aussage den Markt für Fleischalternativen mithilfe von gezüchtetem Pilzmyzel revolutionieren. Geplant ist, dass Bitburger dem Start-up Kapazitäten und Nebenprodukte aus der Bierproduktion zur Verfügung stellt, um damit Myzel aus Speisepilzen zu kultivieren. Das Start-up will demnach Pilze heranwachsen lassen, wobei es nicht um die Fruchtkörper (also den eigentlichen Pilz, der im Supermarkt verkauft wird) geht, sondern um dessen ganz feine Wurzeln, das watteartige Myzel, das normalerweise unterirdisch wachsende Pilzgeflecht. Daraus sollen neue Fleischersatzprodukte hergestellt werden. „Die meisten Fleischersatzprodukte werden auf Pflanzenbasis hergestellt, wir setzen dagegen auf Pilze“, sagt Mushlabs-Entwicklungschef Thibault Godard.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bitburger stellt dem Unternehmen dafür nicht ausgelastete Anlagen wie etwa Kessel und Tanks zur Verfügung, die laut dem jungen Biotech-Start-up vergleichsweise einfach für die Flüssig-Fermentation von Myzel aus Speisepilzen umgerüstet werden können, denn der Gärprozess in einer Brauerei ähnelt dem Verfahren zur Myzel-Fermentation.

          Zudem liefert Bitburger Nebenprodukte aus der Bierproduktion, die bislang allenfalls als Tierfutter verwendet wurden. Die Pilze wachsen dabei in den Tanks in einer Nährlösung aus Wasser und den Resten aus der Bierproduktion heran. Die Pilze verstoffwechseln die Reststoffe zu einer Biomasse, die später zu Lebensmitteln weiterverarbeitet werden. Weil nicht darauf gewartet werden muss, bis der Speisepilz die Fruchtkörper bildet, geht der Prozess schneller als die herkömmliche Aufzucht von Speisepilzen. Die dafür selbst entwickelte Technik hat Mushlabs an der Technischen Universität Hamburg und später auch versuchsweise auf dem eigenen Gelände getestet, nun soll die industrielle Produktion bei Bitburger erprobt werden.

          Markteintritt noch unklar

          Das Verfahren möchte sich Mushlabs patentieren lassen, der Prozess dafür laufe gerade, teilte ein Sprecher mit. Man wolle damit auch einen „Beitrag zur Kreislaufwirtschaft in Europa liefern“, heißt es in einer Mitteilung des Hamburger Start-ups. Mit welcher Pilzsorte das Unternehmen arbeitet, will es nicht verraten, nur so viel, es sei einer der üblichen Speisepilze, die auch im Supermarkt verkauft werden.

          Die Idee dazu stammt von Mushlabs-Gründer Mazen Rizk. Der heute 36 Jahre alte Libanese gründete das Unternehmen 2018, nachdem er an der TU Hamburg studiert hatte und sich dort länger mit Hefen und Pilzen beschäftigt hat. Er hält Pilzwurzeln für ein „natürliches Superfood“ mit einem hohen Proteinanteil, wichtigen Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralien. Wann der Fleischersatz von Mushlabs auf den Markt kommt, ist allerdings noch unklar: „So schnell wie möglich“, sagt ein Sprecher auf Nachfrage. Der Zulassungsprozess für das neuartige Lebensmittel (Novel Food) laufe derzeit noch: „Wir könnten jederzeit loslegen, aber wir dürfen noch nicht.“ Daher könne man noch kein Datum für die Markteinführung nennen.

          Mushlabs-Gründer Mazen Rizk
          Mushlabs-Gründer Mazen Rizk : Bild: Mushlabs

          Die Brauereigruppe Bitburger hatte schon Ende 2019 Geld in das Hamburger Start-up investiert – die Summe wurde allerdings nicht verraten: „Wir suchen immer nach Möglichkeiten, die Nachhaltigkeit unseres Produktionsprozesses zu verbessern“, sagt Bitburger-Technikchef Jan Niewodniczanski. Mushlabs hat derzeit nach eigener Aussage knapp 50 fest angestellte Mitarbeiter, bislang macht das Unternehmen noch keinen Umsatz.

          Vor einigen Jahren hat schon einmal eine Brauerei versucht, mit Resten aus der Bierproduktion Pilze zu züchten – damals ging es allerdings nicht um neuartige Lebensmittel, sondern lediglich um die herkömmliche Pilzproduktion. Die Flensburger Brauerei hatte damals einige Zeit Malzreste, den sogenannten Treber, zum Züchten von Champignons und Shiitake verwendet. dafür wurde eigens eine „Glückspilz-GmbH“ gegründet. Am Ende gab es zwar tatsächlich viele Pilze, doch mit der Konkurrenz aus dem Ausland konnte Flensburger nicht mithalten. Das Projekt wurde wieder eingestellt.

          Weitere Themen

          Elon Musk kapituliert

          Twitter-Kauf : Elon Musk kapituliert

          Der Tesla-Chef macht eine abrupte Kehrtwende und bietet an, Twitter nun doch zum vereinbarten Preis zu kaufen. Twitter plant den Verkauf an Elon Musk abzuschließen. Damit fällt der Showdown vor Gericht vermutlich aus.

          Topmeldungen

          Twitter-Kauf : Elon Musk kapituliert

          Der Tesla-Chef macht eine abrupte Kehrtwende und bietet an, Twitter nun doch zum vereinbarten Preis zu kaufen. Twitter plant den Verkauf an Elon Musk abzuschließen. Damit fällt der Showdown vor Gericht vermutlich aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.