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Starkes Mitgliederwachstum : Mehr als 10 Millionen Deutsche in Fitnessstudios

Radeln für die Gesundeit: Jeder achte Bundesbürger ist zurzeit in einem Fitnessstudio angemeldet. Bild: Imago

Jeder zehnte Deutsche besucht mittlerweile McFit und Co. Die Branche wächst weiter und macht Sportvereinen immer mehr Konkurrenz.

          3 Min.

          In keinem anderen Land Europas gehen so viele Menschen in Fitnessstudios wie in Deutschland. Mit 10,1 Millionen Mitgliedschaften und fast 8700 Anlagen verzeichnet der deutsche Markt Höchstwerte. Im Vergleich zum Vorjahr konnten die Betriebe ihre Mitgliederzahl um 6,5 Prozent steigern. Über die vergangenen fünf Jahre sind 2,2 Millionen neue Kunden dazugekommen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während der durchschnittliche Monatsbeitrag vor allem durch das starke Mitgliederwachstum in der Sparte der Discountanbieter um 1,8 Prozent auf 43,41 Euro gesunken ist, erzielte die Branche einen Umsatzrekord von 5 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent). Das ergab eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte, in Kooperation mit dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken.

          Fitness und Gesundheit stellten einen „Megatrend“ dar, heißt es in der Studie. Sie durchdrängten tiefgreifend die Lebens- und Konsumbereitschaft der Gesellschaft. Welche Bedeutung die kommerziellen Bewegungsangebote nach und nach erreicht haben, zeigt auch ein Blick auf traditionelle Angebote der Sportvereine. Hier herrscht in vielen Bereichen Stagnation oder Schwund. 27,2 Millionen Mitgliedschaften registrierte der Deutsche Olympische Sportbund nach eigenen Berechnungen zuletzt in rund 90.000 Vereinen. Zu beachten ist bei dieser Zahl allerdings, dass viele Menschen zugleich in verschiedenen Vereinen mit unterschiedlichem Sportangebot aktiv sind.

          Verglichen mit den rund 10 Millionen Mitgliedschaften in den Fitnessanlagen liegen die größten Sportverbände dahinter. Der Deutsche Fußball-Bund (7 Millionen Mitglieder) ist neben dem Deutschen Alpenverein (1,1 Millionen) der einzige Großverband, der zumindest leicht wächst. Turnen (5 Millionen), Tennis (1,4 Millionen), Schützen (1,3 Millionen) oder Leichtathletik (819.000) schrumpfen. Der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag in einem Sportverein beträgt im Monat 6,30 Euro. Nur 3200 Sportvereine haben eigene Fitnessstudios.

          Verschiebung von Vereinssport zu Fitnessstudios hält weiter an

          So hält die Verschiebung vom klassischen Vereinssport zu kommerziellen Sportangeboten weiter an. Laut Deloitte-Studie sind inzwischen 12,3 Prozent der Gesamtbevölkerung in einem Fitnessstudio angemeldet. Die zunehmende Verdichtung der Städte und eine Ausbreitung in ländliche Regionen würden zu einer höheren Marktabdeckung von Fitnessstudios sowie zur Erschließung neuer Zielgruppen führen. Trotz der hohen Mitgliederzahl liegt der relative Anteil der trainierenden Menschen in Deutschland im europäischen Mittelfeld.

          Fitnessmärkte in Schweden (21,1 Prozent), Norwegen (19,2) und den Niederlanden (16,7) haben wesentlich höhere Mitgliederquoten. Aus Sicht der Autoren der Studie deute dies ebenfalls auf Wachstumspotential. Gemessen am Umsatz, liegt der deutsche Fitnessmarkt knapp hinter Großbritannien (5,2 Millionen). Dies liegt an der höheren Teilnehmerquote (14,1 Prozent) auf der Insel und durchschnittlich niedrigeren Monatsbeiträgen in Deutschland. In Großbritannien zahlen Mitglieder im Schnitt 48,50 Euro. Am meisten wenden Trainierende in der Schweiz (68,20 Euro) und in Österreich (53 Euro) für Fitnessstudios auf.

          Wachstumstreiber sind in Deutschland die Betriebe der Fitnessketten. Sie steigerten ihre Mitgliederzahl um 11,4 Prozent auf 4,8 Millionen und haben erstmals mehr Kunden als Einzelstudios. Marktführer ist die McFit-Gruppe mit 1,1 Millionen Mitgliedern und 181 Anlagen. Dahinter liegt das Franchise-Unternehmen Clever Fit mit fast 515.000 Mitgliedern und die Kette Fit X (340.000). Alle drei Unternehmen gehören zu den Billigpreis-Discountern auf dem Markt.

          In diesem Segment expandieren die Anbieter stark, der Preiskampf sorgt für leicht fallende Preise. Der durchschnittliche Mitgliedsbeitrag liegt hier monatlich unter 26 Euro. Im Premiumsegment, zu dem Ketten wie Injoy, Meridian Spa oder Holmes Place gehören, starten Monatsmitgliedschaften im Schnitt bei 66 Euro. Im mittleren Bereich mit Anbietern wie Fitness First (269.000 Mitglieder), der größten Kette außerhalb des Discountsegments, oder Kieser Training (234.000) liegen die Preise zwischen 26 und 66 Euro. In dieser Spanne befindet sich 66 Prozent des Gesamtangebots.

          Höhere Mitgliederdichte bei Anlagen von Ketten

          Betriebsübergreifend verzeichnen die Fitnessstudios in Deutschland eine durchschnittliche Mitgliederzahl von 1161 Kunden je Anlage. Das Durchschnittsalter der Mitglieder fiel leicht auf 39,9 Jahre, der durchschnittliche Jahresumsatz je Mitglied lag 2016 bei 501 Euro. Anlagen von Ketten weisen laut Studie mit 1,2 Mitgliedern je Quadratmeter eine höhere Mitgliederdichte aus als Einzelstudios (0,7).

          Dies hänge damit zusammen, dass Einzelstudios vornehmlich in kleineren Städten sowie der Peripherie stationiert seien, während die Ketten ihre Betriebe auf den urbanisierten Raum mit der höheren Bevölkerungsdichte ausrichteten. Über alle Anlagen hinweg entfallen 0,9 Mitglieder auf einen Quadratmeter Studiofläche. Beschäftigt sind in der Branche insgesamt mehr als 209.000 Mitarbeiter.

          Immer interessanter wird der Markt für Transaktionen von Investoren (M&A). Im vergangenen Jahr fanden 17 Übernahmen statt. So verstärkte der Schweizer Handelskonzern Migros seine Präsenz auf dem deutschen Fitnessmarkt und erhöhte seine Beteiligung an der Franchisekette Injoy. Das Private-Equity-Unternehmen Auctus Capital Partners schloss im Januar 2016 eine Kooperation mit der Premiumkette Holmes Place.

          Zuletzt verkauften die Gründer Werner und Gabriela Kieser ihre gleichnamigen Studios. Festzustellen ist ein Trend zur Fokussierung der Studios auf Kundenwünsche oder Trainingsschwerpunkte. Zudem etablieren sich auch Online-Fitnessstudios. Von den dort registrierten 563.000 Kunden zahlten etwa 194.000 Nutzer eine Monatsgebühr zwischen 5 bis 10 Euro.

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