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Fitnesskult in der Wirtschaft : Nicht ohne meinen Personal Trainer

Eisbrecher Fitnesscoach: Fließt erstmal der Schweiß, zeigen die Wirtschaftslenker auch mal ungewohnte Schwächen. Bild: Shutterstock

Manager huldigen dem Fitnesskult wie nie. Der Marathon genügt nicht mehr. Wer heute etwas auf sich hält, braucht seinen eigenen Coach. Im Dienste der Effizienz soll das Outsourcing der persönlichen Fitness Körper und Geist optimieren.

          Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain hat einen, Verleger Hubert Burda ebenso, Promi-Koch Alfons Schuhbeck trifft sich mit ihm spätnachts, wenn er sein Lokal zusperrt: Deutschlands Unternehmer und Manager haben den Personal Trainer für sich entdeckt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der eigene Fitness-Coach, gebucht für exklusive Sportstunden, entwirft ihnen einen Trainings-, Bewegungs- und Ernährungsplan, begleitet sie in den Kraftraum, liegt mit ihnen auf der Yogamatte, läuft nachts mit ihnen durch den Wald – und verändert so den Lebensstil der Wirtschaftselite.

          Als rhetorische Figur taucht der Personal Trainer schon im Small Talk unter Managern auf, ob das Gespräch sich nun um Nullzins, Wetter oder Griechen dreht. „Mein Personal Trainer sagt...“, „Mein Personal Trainer meint...“. So reden Frankfurts Banker, so sprechen die Kapitäne der deutschen Industrie, gerade so, als hätte sich die Gruppe die exklusiven Leibesübungen zur Pflicht gemacht: Nie ohne meinen Personal Trainer. „Unfassbar, wie oft Kollegen neuerdings von ihrem persönlichen Fitness-Coach erzählen“, lästert ein Vorstand aus der Autoindustrie, den ein schlechtes Gewissen plagt, weil er auf dem Feld nichts zu bieten hat, außer dem zeitweiligen Physiotherapeuten, „und das auch nur, weil ich am Knie verletzt war“.

          Dieser Artikel ist aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
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          Im Showbetrieb schon lange gang und gäbe

          Die Liebe zum Trainer bettet sich in ein größeres Phänomen: „Achtsamkeit“ heißt das Gebot der Stunde, man achtet auf Körper und Geist, um die eigene Leistung zu optimieren. Das Konzept verliert jeden Anschein von Esoterik, wenn es Manager, diese Effizienzbestien, anfassen.

          Selbst knochentrockene Automanager (wie BMW-Chef Reithofer) und Energiekonzernlenker (RWE-CEO Terium) meditieren heute regelmäßig – und reden auch noch offen darüber. Man ernährt sich bewusst, verzichtet auf Alkohol wie Nachtisch. Eines ist offensichtlich: Die Bosse mit den dicken Zigarren und den dicken Bäuchen, wie wir sie von den schwarzweißen Wirtschaftswunderfotos kennen, sind aus den Chefetagen verschwunden. Stattdessen lassen sie sich in Konzernzentralen Fitnessstudios einbauen, mit bodentiefen Fenstern, damit jeder sehen kann, was Sache ist. Hardcore-Typen halten gar Meetings im Laufen ab, mit ihren nebenhertrabenden Bodyguards. Die heutige Generation an Unternehmensführern hält sich fit, am liebsten angeleitet von Profis.

          Hollywood-Stars und sonstige Spitzen des Showbetriebs leisten sich den eigenen Personal Trainer schon lange. Und was Madonna und Barack Obama in Amerika recht ist, setzt sich nun auch hierzulande durch: Gewöhnliche Manager, Anwälte und Berater gönnen sich ihren Fitness-Coach. „War gestern der überstandene Marathon das sportliche Statussymbol“, sagt ein Unternehmensberater, „dann ist das heute der eigene Personal Trainer.“ Man turnt nicht im Sportverein, nicht im Fitnessclub, sondern individuell. Hinterher tauscht man sich darüber aus, vergleicht Aufwand und Ertrag, Blutwerte und sonstige Kennzahlen, wie im Konzernalltag eingeübt.

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