https://www.faz.net/-gqe-81dyz

Fitnessketten : 9 Millionen Deutsche gehen ins Fitness-Studio

Einer geht noch: Hanteltraining im Fitnessstudio Bild: dpa

So viele Deutsche wie nie zuvor schwitzen im Fitnessstudio. Und die Branche hofft auf noch mehr. Denn verglichen mit anderen Ländern gehen die Deutschen gar nicht besonders häufig zum Gewichte stemmen.

          Die Zahl der Mitglieder in Fitnessstudios wuchs im vergangenen Jahr von rund 8,6 auf mehr als 9 Millionen. Das geht aus einer am Montag vom Prüf- und Beratungsunternehmen Deloitte veröffentlichten Studie hervor. Die Branche hat mit dieser Steigerung der Mitgliedszahlen um 6,1 Prozent ihren kontinuierlichen Wachstumstrend der vergangenen Jahre fortgesetzt. Unter den 15 bis 65 Jahre alten Deutschen geht derzeit schon fast jeder Fünfte ins Fitnessstudio.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Trotz dieses hohen Niveaus habe der Markt auch noch weiteres Wachstumspotenzial, sind die Berater überzeugt. Das lasse sich aus der Penetrationsquote ableiten, also dem Verhältnis von Fitnessmitgliedern zu den Einwohnern eines Landes. Während Märkte wie Norwegen mit 19,6 Prozent, Schweden (16,6) und die Niederlande (16) deutlich höhere Penetrationsquoten aufwiesen, liege Deutschland mit Blick auf diesen Wert bei nur 11,2 Prozent – und damit trotz der hohen absoluten Zahl relativ gesehen lediglich im europäischen Fitness-Mittelfeld.

          Insgesamt legte der Umsatz der Fitness- und Gesundheitsbranche um 3,3 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu; im Jahr 2000 waren es noch 2,3 Milliarden Euro gewesen. Das macht die Branche als Arbeitsmarkt immer attraktiver. Mehr als 200.000 Deutsche finden dort mittlerweile Arbeit. Besonders große Fitnessketten wie Mc Fit und Fitness First dürften den Angaben zufolge zunehmend Marktanteile gewinnen. Die größte Kette ist schon heute mit Abstand der Anbieter Mc Fit mit mehr als einer Million Mitgliedern. Vor allem Frauen finden das Training im Studio attraktiv: Der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl aller Mitglieder in Deutschland ist schon auf mehr als 56 Prozent gestiegen.

          Mit der Mitgliedschaft entstehen zum Teil hohe Kosten. Im Durchschnitt zahlen die Mitglieder für eine zwölfmonatige Standardmitgliedschaft in Deutschland 53,20 Euro. In den großen Ketten zahlt die Hälfte der Mitglieder zwar weniger als 26 Euro. Die teuersten Studios verlangen für jeden einzelnen Trainingsmonat aber mehr als 105 Euro. Der durchschnittliche Umsatz, den die Studios vor allem mit den Mitgliedsbeiträgen erwirtschaften, liegt je Mitglied bei 518 Euro im Jahr. Nur rund ein Zehntel des Umsatzes machen die Betreiber mit Zusatzleistungen. Dazu zählen zum Beispiel die Gastronomie oder das Personal-Training.

          Mehr als 80 Prozent der Betreiber erwarten, dass sich die wirtschaftliche Situation in den nächsten zwölf Monaten weiter verbessert. Für die kommenden beiden Jahre ist demnach weiter mit Zuwächsen zu rechnen – allerdings nur noch mit Wachstumsraten zwischen 1 und 2 Prozent. Die Studie basiert auf Daten, die von Deloitte, dem Arbeitgeberverband der deutschen Fitness- und Gesundheits-Anlagen und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement bei den Betreibern von Fitnesseinrichtungen erhoben wurden. Im Rahmen der Studie wurden 8026 Studios befragt. Die veränderten Konsumentenwünsche führe einerseits zu einer anhaltenden Polarisierung der Preissegmente, was an der steigenden Zahl von Discountanbietern einerseits und Premiumanbietern andererseits zu erkennen sei. Hinzu komme eine immer breitere Diversifizierung des Angebotes, so dass sich neben den klassischen Full-Service-Anbietern (ein Studio für viele Sportarten) auch Special-Interest-Angebote wie „Mrs. Sporty“ (reines Frauenzirkeltraining) und „Bodystreet“ (für die Elektromuskelstimulation) erfolgreich etablieren konnten. Zu diesen Spezialangeboten zählt auch die anspruchsvolle Trainingsmethode „Cross Fit“ (unter anderem mit Gewichten oder dem eigenen Körpergewicht), welche zum Jahresende von rund 31200 Mitgliedern in 160 „Cross Fit-Box“ genannten Studios in ganz Deutschland betrieben wurde.

          Apple will mit seiner Uhr vom Fitness-Trend profitieren

          Auf den Fitness-Trend setzt nicht zuletzt auch der amerikanische Elektronikhersteller Apple mit seiner Apple Watch, die im April auf den Markt kommen wird. Die Uhr wird mit diversen Sensoren ausgestattet sein, welche die Menschen daran erinnern sollen, sich zu bewegen und die Intensität dieser Bewegung dann auch messen. Wie zu hören ist, wird die Uhr von Apple schon seit geraumer Zeit in einem hauseigenen Fitnessstudio getestet, um den Anforderungen dieser Kundschaft gerecht werden zu können – und zum Beispiel die Auswirkungen wechselnder Temperaturen in der Trainingsumgebung auf die Sensoren in der Uhr abschätzen zu können.

          Mit dem Handy gekoppelt, werden die entsprechenden Gesundheitsdaten in dafür vorgesehenen Apps, vor allem der hauseigenen Health App von Apple, gesammelt. Das Ziel des amerikanischen Konzerns ist es, auf diesem Weg eine umfassende Datenbank für Gesundheitsinformationen aufzubauen.

          Weitere Themen

          Wie China zur Industrie-Supermacht werden will Video-Seite öffnen

          Asien in Zahlen – Teil 3 : Wie China zur Industrie-Supermacht werden will

          China will zu den stärksten Wirtschaftsmächten der Welt aufschließen. Die Regierung hat deshalb einen ambitionierten Plan aufgelegt, der das Land auch technologisch an die Spitze bringen soll. Im Rest der Welt ist „Made in China 2025“ umstritten.

          Neues Angebot für die Deutsche Bahn Video-Seite öffnen

          Im Tarifstreit : Neues Angebot für die Deutsche Bahn

          Nach dem bundesweiten Streik zu Wochenbeginn ringen die Deutsche Bahn und die Gewerkschaften weiter um eine Einigung im Tarifstreit für die 160.000 Beschäftigten. Nun soll ein neues, verbessertes Angebot vorgelegt werden.

          Topmeldungen

          EU-Gericht urteilt : Drohen jetzt auch neuesten Dieselautos Fahrverbote?

          Statt auf dem Prüfstand muss der Schadstoffausstoß von Autos inzwischen auf der Straße gemessen werden. Im Schnellverfahren wurden Stickoxid-Grenzwerte gelockert. Das ist nicht zulässig, urteilte jetzt das EU-Gericht – und ebnet damit den Weg für neue Fahrverbote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.