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Fischerei : Auf den Spuren des Kabeljaus

Fangfrisch: Dem Kabeljau - auch Dorsch genannt - geht es nicht so schlecht wie oft behauptet. Bild: ddp

Die Schlagzeile von der „Überfischung der Meere“ führt in die Irre. Kaum eine Art ist vom Aussterben bedroht. Man sollte aber darauf achten, wo der Fisch ins Netz gegangen ist.

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          Fische sind gesund. Wer sie isst, tut etwas für Herz und Kreislauf. Heilsame Wirkung versprechen vor allem Seefische aus kalten Meeren. Denn diese sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die vorbeugen sollen gegen Schlaganfall und Demenz. Zu viel Fisch sollte man freilich auch nicht verzehren, denn mitunter tragen die Meeresbewohner allerlei Schwermetalle in sich. Das gilt vor allem für große Fische wie den Thunfisch. Aber generell gilt: Wenn sie nicht gerade in einer überfüllten Zuchtanlage vor sich hin dümpeln, erfüllen die Fische höchste Öko-Ansprüche.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Wilde Meeresfische werden nicht gemästet, und sie haben reichlich Platz in ihrem Unterwasserreich. Dort können sie sich frei bewegen - bis sie im Netz eines Fischers landen. Mit etwas Glück bleibt dem Fisch dieses Schicksal erspart, wobei er dann immer noch Gefahr läuft, von einem größeren Artgenossen verspeist zu werden. Landet der Wildfisch jedoch in der Kühltheke, dann könnte man ihm mit Fug und Recht einen großen grünen "Bio"-Stempel auf die Schuppen drücken.

          Trotzdem beschleicht viele Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie einen Fisch kaufen oder im Restaurant bestellen. Allenthalben lesen und hören sie von "Überfischung" und bedrohten Arten. Das verunsichert. Wer will schon derjenige sein, der gerade den letzten seiner Art in Butter und Zitrone wendet? Daher greifen die Besorgten unter den Fischliebhabern zu Einkaufsführern, wie sie Greenpeace und WWF herausgeben. Greenpeace bietet seinen Fischratgeber sogar als Anwendung für das iPhone an. Nach einem Ampelsystem haben die Umweltschützer die Fische dieser Welt klassifiziert. "Rot" bedeutet: Es ist "grundsätzlich nicht vertretbar", diesen Fisch zu kaufen. Doch so einfach und plakativ dieses System auch sein mag: Für Klarheit und Wahrheit sorgt es nur bedingt.

          Stand mit Fischbrötchen auf Rügen

          Ein Beispiel: Greenpeace hat den Kabeljau mit "rot" gekennzeichnet. Dabei geht es diesem Fisch, der in der Ostsee Dorsch heißt, gar nicht so schlecht, jedenfalls nicht überall. "In der Nordostarktis gibt es so viel Kabeljau wie nie zuvor", sagt Matthias Keller vom Bundesverband der Deutschen Fischindustrie. Tatsächlich schreibt auch Greenpeace in seinem Fischratgeber über bestimmte Ausnahmen. So sei es vertretbar, Kabeljau zu essen, der zum Beispiel im Golf von Alaska oder im Nordostatlantik gefangen wurde. Trotzdem haben die Umweltaktivisten ihn mit "rot" gekennzeichnet. "Das ist irreführend", sagt Keller. Die pauschalen Warnungen hätten dazu geführt, dass kaum mehr Kabeljau verkauft werde. Keller belegt dies mit Statistik: "2008 hatte der Kabeljau hierzulande noch einen Marktanteil von 3 Prozent. Heute sind es 0,8 Prozent." Das gefährde Teile der deutschen Fischwirtschaft.

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