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Firmenerbin klagt auf Schadensersatz : Klägerfront um Oppenheim wächst

  • -Aktualisiert am

Firmenerbin Sabine Rau verklagt die Privatbank Sal. Oppenheim Bild: Privat

Die Bank Sal. Oppenheim wird ihre Altlasten nicht los. Mit der Firmenerbin Sabine Rau hat eine weitere Kundin der Vermögensverwaltung eine Millionenklage auf Schadensersatz eingereicht.

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          Nach dreijährigen Vergleichsverhandlungen zieht Sabine Rau die Notbremse: Knapp zwei Wochen vor dem drohenden Ablauf der Verjährungsfrist hat die Erbin der Walter Rau Lebensmittelwerke GmbH in Hilter ihren Anwalt in Marsch gesetzt. Am Donnerstag gab ihr Anwalt Stefan Kraus persönlich eine Schadensersatzklage in zweistelliger Millionenhöhe am Landgericht Köln ab – und zahlte auch gleich den Prozesskostenvorschuss ein.

          Dabei hatte die Privatbank Sal. Oppenheim gemeinsam mit ihrer neuen Eigentümerin, der Deutschen Bank, noch im letzten Moment versucht, den Ernstfall abzuwenden. Ein Kurier der Anwaltskanzlei, der sich vergangene Woche schon auf den Weg zum Justizgebäude gemacht hatte, wurde daraufhin in der Hoffnung auf eine gütliche Einigung zurückbeordert.

          „Sal. Oppenheim hat mein Vermögen vernichtet, das ich der Bank zur Verwaltung anvertraut hatte“, sagte die Hochschullehrerin für Familienunternehmen dieser Zeitung. Die dreifache Mutter hatte sich einst ihren Anteil am Familienerbe – dem Hersteller von Streichfetten wie der „Deli“-Margarine – auszahlen lassen, um es bei der vermeintlich seriösen Privatbank anzulegen. Doch wie rund 200 weitere Geschädigte musste Rau im Jahr 2009 feststellen, dass das Traditionshaus kurz vor der Pleite stand – und auch viele der gemeinsam mit dem Immobilienunternehmer Josef Esch aufgelegten Immobilienfonds floppten.

          „Die Phalanx der Altgesellschafter bröckelt“

          Die Margarine-Erbin befindet sich mit ihrem Misserfolg ebenso wie mit ihrer juristischen Gegenwehr in bester Gesellschaft: Von Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz über den früheren Karstadt-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff bis zum Schuhhändler Heinz-Horst Deichmann und dem früheren VW-Chef Carl Hahn und dem Erben Wilhelm von Finck junior reicht die Liste prominenter Geschädigter. Gegen Middelhoff ging die Bank freilich zur Gegenwehr über: Vergangene Woche reichte sie gegen ihn eine sogenannte Widerklage in Höhe von 78 Millionen Euro ein. Hoffnung setzen die Kläger, die über ihre Anwälte eng miteinander vernetzt sind, zudem auf das Strafverfahren gegen Esch und die frühere Führungsriege von Sal. Oppenheim.

          Seit Februar dümpelt die Hauptverhandlung am Landgericht Köln vor sich hin. Die Staatsanwaltschaft hat den Immobilienentwickler und die Ex-Manager – darunter die einst persönlich haftenden Gesellschafter – wegen des Verdachts auf Untreue angeklagt. Dabei geht es um zwei Immobiliengeschäfte sowie vorübergehend auch um einen Kredit an Schickedanz. Bis Ostern kommenden Jahres sind bereits Termine angesetzt. In Verteidigerkreisen heißt es: „Der Verhandlungsstil der Vorsitzenden Richterin ist hoch distanziert und völlig unkalkulierbar – wir wissen einfach nicht, wie die Strafkammer tickt.“

          Bei dieser Latte von Zeugen und Gutachtern könnten auch Erkenntnisse auftauchen, die die Anleger in ihren Zivilklagen verwenden könnten. „Die Phalanx der Altgesellschafter bröckelt“, heißt es bei deren Anwälten – Matthias Graf von Krockow soll schon gedroht haben, selbst in einige seiner Fonds nicht mehr einzuzahlen. Andere Mitglieder der weitverzweigten Familie sehen sich ohnehin als Opfer der Affäre. Und sogar einer der Strafverteidiger sagt: „Von den Angeklagten kämpft jeder für sich allein.“

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