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Firmen-Imperium : Merckles Kinder und die Last des Erbes

  • -Aktualisiert am

Adolf Merckle nahm sich 2009 das Leben Bild: ddp

Nach dem Tod des Gründers Adolf Merckle war die Firma am Ende. Ein verworrenes Portfolio hat die Situation nicht gerade einfacher gemacht. Jetzt sorgt ein Sohn für das überraschende Comeback.

          Adolf Merckle war Multimilliardär, der fünftreichste Deutsche, Besitzer vom Medikamentenhersteller Ratiopharm und von dem Baustoffproduzenten Heidelberg Cement. Er hatte 100.000 Mitarbeiter, machte 35 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Er war eine Unternehmerlegende. Bis er sich an der Börse mit VW-Aktien verzockte. Das Imperium stand am Abgrund, er hatte Schulden in Milliardenhöhe und die Kontrolle über seine Unternehmen verloren. In der Familie gab es Streit. Adolf Merckle wollte nicht mehr. Vor drei Jahren warf er sich vor einen Zug.

          Zurück ließ er eine Familie, die den Überblick verloren hatte. Es musste entschieden werden, ob es weitergehen sollte, wie - und wer seine Rolle übernehmen sollte.

          Sohn Tobias Merckle ist Sozialpädagoge und leitet ein Projekt für straffällige Jugendliche in Leonberg bei Stuttgart

          Zwei der vier Geschwister schieden sofort aus: Jutta und Tobias. Jutta hatte sich nie fürs Geschäft interessiert, sie lebt heute in Berlin, weit weg von dem 12.000-Seelen-Städtchen Blaubeuren bei Ulm, von wo aus die Familie die Unternehmen führte. Und Tobias ist Sozialpädagoge und leitet ein Projekt für straffällige Jugendliche in Leonberg bei Stuttgart.

          Eigentlich kamen nur Ludwig und Philipp in Frage. Beide haben Erfahrung als Unternehmer und haben schon Merckle-Unternehmen geführt. Nach dem Tod des Vaters haben sie eine neue Rolle gefunden. Der eine, Philipp, will nichts mehr mit den Geschäften zu tun haben. Der andere, Ludwig, rettet das Erbe seines Vaters.

          Beteiligungen der Merckle-Gruppe

          Ludwig ist Alleinerbe, darauf haben sich die Geschwister geeinigt. Der Betriebswirt wurde schon früh von seinem Vater in die Geschäfte eingeführt. Eine Zeitlang war er Chef von Ratiopharm und später Geschäftsführer der VEM Vermögensverwaltung, die lange so etwas wie die Holding der Familie war. Außerdem saß er in den Aufsichtsräten verschiedener Firmen. Nach dem Tod des Vaters stand er vor einem riesigen Scherbenhaufen. Er wollte zurückholen, was sein Vater verspielt hatte.

          Ein verworrenes Portfolio als Basis

          Tatsächlich war das eigentliche Problem nie, dass die wichtigen Unternehmen schlecht dastanden. Es waren einfach viel zu viele, zeitweise mehr als 100. Geld wurde hin und her geschoben. Wenn ein Unternehmen Geld brauchte, borgte er es sich von einem der anderen Unternehmen. Kredite nahm Adolf Merckle bei vielen verschiedenen Banken auf, und besicherte sie mit den eigenen Aktien.

          Das Konglomerat war deshalb so verschachtelt mit etlichen Mantel- und Querbeteiligungen, weil Adolf Merckle Steuern sparen wollte.

          Merckle war ein großer Spekulant. Und genau das wurde ihm zum Verhängnis, als er sich erst mit dem Kauf einer Baustofffirma verhob, dann an der Börse auf fallende VW-Aktienkurse wettete und sich damit grandios verspekulierte. Die Banken wollten ihm keine Sicherheiten mehr geben. Merckle musste die Kontrolle über seine gesamten Beteiligungen abgeben. Ihm blieb sein Wald, 9000 Hektar groß, und ein Schloss bei Rostock. Da brachte er sich um.

          Die Weiterführung des Erbes

          Nach dem Tod des Vaters griff Ludwig Merckle durch. Er einigte sich mit 50 Gläubigerbanken auf ein Stillhalteabkommen und auf einen Überbrückungskredit. Treuhänder übernahmen die Regie über die Firmen. Gemeinsam mit Ludwig Merkle verkauften sie Unternehmen und Aktien, dafür gab es ein paar Milliarden. Seitdem geht es bergauf. Das „Handelsblatt“ hat ihn deshalb im vergangenen Jahr zum „Familienunternehmer des Jahres“ gekürt. Äußern will er sich zu alldem aber nicht.

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