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Firma produziert Edelsteine aus Totenasche : Unvergänglich - wie ein Diamant

  • Aktualisiert am

Meier und Schulze friedlich nebeneinander Bild: AFP

In der Natur dauert es tausende von Jahren, bis ein Diamant entsteht. Im Labor braucht man dafür sechs bis acht Wochen. Eine Schweizer Firma bietet jetzt künstliche Edelsteine der besonderen Art an: aus der Asche von Verstorbenen. Dieses Verfahren ist freilich alles andere als unumstritten.

          3 Min.

          Manchen ist der Gedanke ein Gräuel, unter die Erde zu kommen. Andere wollen über ihren Tod hinaus etwas Besonderes bleiben und lassen ihre Asche unter Bäumen, auf See oder gar im Weltall verstreuen. Das junge Schweizer Unternehmen Algordanza bietet einen ungewöhnlichen Dienst an: Es verarbeitet die Asche von Verstorbenen zu Diamanten. Bei der Firma gehen jeden Monat dutzende Aufträge aus aller Welt ein. Die Klientel ist ganz unterschiedlich: Sie reicht „vom Busfahrer bis zum Philosophieprofessor“, wie einer der beiden Firmengründer, Rinaldo Willy, sagt.

          Im Algordanza-Labor im Schweizer Kanton Graubünden laufen die 15 Maschinen rund um die Uhr. Angestellte mit Schutzbrillen hantieren hinter Absperrungen. Für Besucher ist der Arbeitsbereich tabu - aus Pietät vor den Toten, wie Willy sagt. „Ein menschlicher Leichnam hinterlässt zweieinhalb bis drei Kilogramm Asche“, erläutert er: „500 Gramm reichen, um einen Diamanten daraus machen.“ Aus der Asche werden zunächst Kalium und Kalzium vom Kohlenstoff getrennt, der dann durch extremen Druck und Temperaturen von rund 1700 Grad in Graphit umgewandelt wird. Danach wird das Material erneut starkem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt, bis ein Diamant entstanden ist.

          In sechs Wochen zum Edelstein

          Sechs bis acht Wochen dauert dieses Verfahren. Das ist eher zügig. In der Natur formen sich Diamanten über mehrere tausend Jahre. Im Labor wird der Rohdiamant noch individuell geschliffen. Die Herzform ist sehr beliebt, mal als Anhänger, mal als Ring getragen. „Jeder Diamant ist einzigartig“, betont Willy, mit der Zusammensetzung der Asche ändere sich die Farbe. „Sie variiert von einem dunklen Blau bis hin zu Weiß - wie ein Spiegel der Persönlichkeit des Verstorbenen“, philosophiert der Firmengründer. Je mehr Borsäure enthalten sei, desto blauer der Stein.

          Diamanten - swiss made
          Diamanten - swiss made : Bild: AP

          Ob auch wirklich der verstorbene Ehepartner oder Vater im Diamanten steckt, lässt sich nicht beweisen, wie Willy zugibt. Doch das Unternehmen nehme von der eingereichten Kremationsasche am Anfang stets einen „chemischen Fingerabdruck“, mit der die Bestandteile der Asche analysiert werden. Damit werde nicht nur das Verfahren bestimmt, sondern auch der Beweis geführt, dass jeder seinen echten Schatz nach Hause geliefert bekomme.

          Ein Diamant für 2800 Euro

          Der Preis für den Aufwand: Zwischen 2800 und 10.600 Euro kostet die Diamantenherstellung, je nach Größe des Steins. „Eine Bestattung kann auch ziemlich teuer werden“, bewirbt Willy seine Dienstleistung. „In Deutschland kostet das rund 12.000 Euro.“ Weltweit soll das Geschäft mit den von Menschen gemachten Diamanten boomen. Ähnliche Firmen wie Algordanza gibt es in den Vereinigten Staaten, Russland, Spanien und in der Ukraine. Trotz der großen Konkurrenz ist die 2004 gegründete Schweizer Firma schon in 21 Ländern vertreten. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund hundert Mitarbeiter.

          Besonders beliebt seien die Schweizer „Erinnerungsdiamanten“ in Japan, berichtet Willy. An manchen Tagen schickt die dortige Filiale vier Urnen mit Kremationsasche zur Weiterverarbeitung in die Schweiz. Die nächsten Niederlassungen sind in Indien und China geplant. Er glaube, dass die Globalisierung die Nachfrage nach den Diamanten steigere, sagt Willy: Da die Menschen viel unbeständiger lebten als früher und häufig umzögen, werde es immer schwieriger, Grabpflege zu betreiben. Auch mit einer Urne im Gepäck lasse sich schlecht herumreisen. Meistens kämen deshalb die Familien eines Verstorbenen auf die Firma zu, um ein wertvolles Stück zu bekommen.

          Ein höchst umstrittenes Verfahren

          Das Verfahren ist freilich alles andere als unumstritten. Im April 2007 untersagte das Amtsgericht Wiesbaden der Tochter eines Verstorbenen, die Asche ihres Vaters in einen Diamanten umwandeln zu lassen. Sie habe den letzten Willen ihres Vaters nicht hinreichend glaubhaft machen können, hieß es damals. Die junge Wiesbadenerin wollte die Asche ihres im Alter von 60 Jahren verstorbenen Vaters in der Schweiz zum Edelstein pressen lassen. Die Mutter war dagegen und wünschte eine herkömmliche Beisetzung der Urne.

          In Deutschland ist die „Diamantbestattung“ bislang verboten. Grundsätzlich herrscht hierzulande nach wie vor Friedhofszwang. Algordanza zufolge darf die Asche eines Verstorbenen aber auf Wunsch der Hinterbliebenen auch zur Bestattung ausgeführt werden. Das Unternehmen sei in Chur ordnungsgemäß als Bestatter im Handelsregister eingetragen, heißt es.

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