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„Fire Phone“ : Amazon-Handy startet auch in Deutschland

  • -Aktualisiert am

Das Handy vom Händler Bild: AFP

Amazon bringt sein hauseigenes Smartphone hierzulande mit der Deutschen Telekom auf den Markt – zum Preis von einem Euro. Doch es gibt einen Haken.

          2 Min.

          Mit Kampfpreisen kennt sich Amazon aus. Das liegt auch daran, dass der größte Onlinehändler der Welt in seinem Kerngeschäft versucht, günstiger zu sein als die Konkurrenz. Doch auch wenn es um die eigene Hardware geht, macht Amazon bei der Preispolitik keine Ausnahme. Schon die E-Reader und Tabletrechner der Kindle-Familie waren im Vergleich zur Konkurrenz recht günstig. Am Montag verkündete Deutschland-Chef Ralf Kleber einen weiteren Niedrigpreis. Schon für 1 Euro werde es das neueste Gerät aus dem Hause Amazon geben: das Fire Phone. Das hauseigene Smartphone ist seit Montagabend in Deutschland bestellbar, und soll Ende September ausgeliefert werden.

          Wie bei Handyverkäufern üblich, steckt der Teufel für Kunden aber im Detail. So bietet die Deutsche Telekom als exklusiver Vertriebspartner hierzulande das Gerät in Kombination mit ihren neuen Mobilfunktarifen zwar durchaus für den symbolischen Preis an. Allerdings nur, wenn sich Kunden auch für einen Telekom-Tarif entscheiden, der dann mindestens 50 Euro im Monat kostet. Darin enthalten ist freilich wiederum eine Gerätesubventionszahlung von 10 Euro monatlich. Tatsächlich kostet das Gerät über eine Vertragslaufzeit von zwei Jahren also 241 Euro. Das ist mehr als in den Vereinigten Staaten, wo vertragsgebundene Käufer umgerechnet 154 Euro für das Gerät zahlen. Im freien Verkauf kostet es dort rund 500 Euro.

          „Unsere Gerätestrategie ist es nicht, am ersten Tag alles Geld verdienen zu wollen und zu müssen“, sagte Amazon-Manager Kleber dennoch am Montag. Der tatsächliche Preis hin oder her – Amazon folgt mit eigener Hardware stets einem Weg: Das Unternehmen sieht die Geräte als Eingang, über den Kunden mehr digitale Inhalte bei ihm kaufen. Alle neuen Fire-Phone-Nutzer werden gleichzeitig auch Abonnenten des kostenpflichtigen Amazon-Dienstes „Prime“, der nicht nur schnellere Lieferung für physische Produkte bietet sondern auch Zugriff auf digitale Bücher, Musik und Filme sowie Fernsehserien.

          Der direkte Link zum Online-Shop

          Gleichzeitig bringt das Handy aber auch die „Firefly“-Funktion nach Deutschland. Dabei handelt es sich um einen Scanner, mit dem Nutzer Produkte fotografieren können. Sind diese Waren bei Amazon verfügbar, weist das Handy gleich auch per Link den direkten Weg in den Onlineshop. Die Technik hinter dieser Funktion steht aber auch anderen Entwicklern von Smartphone-Anwendungen offen. So ist es durchaus vorstellbar, dass irgendwann auch Händler auf die Idee kommen, die Bilderkennung in eigene Applikationen einzubauen und so Kunden dann in die eigenen Onlineshops locken.

          Noch sei Firefly sehr auf Amazon zentriert und könne von den Nutzern möglicherweise umgangen werden, sagte Annette Zimmermann vom Technikanalysehaus Gartner. Insgesamt bewertet Zimmermann die hinter dem Handy stehende Technik aber als spannend. „Amazon hat viel investiert, um das Smartphone nutzerfreundlich zu machen“, sagt Zimmermann. Ob das reicht, um die derzeit führenden Smartphone-Hersteller Apple und Samsung anzugreifen, wird sich aber erst noch zeigen. In Amerika ist das Fire Phone seit rund sechs Wochen auf dem Markt. Die kolportierten Verkaufszahlen deuten eher darauf hin, dass das Gerät noch kein Renner ist. Offiziell nennt das Unternehmen keine Absatzziffern.

          Dass es in Deutschland allerdings anders kommt, stand für Michael Schuld von der Deutschen Telekom am Montag kaum in Frage. Die Telekom sei immer dabei gewesen, wenn es etwas „Großes und Neues“ auf dem Smartphone-Markt gab. So sei man der erste exklusive Anbieter des iPhone von Apple gewesen, sagte der Leiter der Kommunikation und des Vertriebsmarketing der Telekom Deutschland GmbH. Ganz am Ende entscheide dann aber doch der Kunde, gab Schuld zu. Der kann sich aber zumindest darauf einstellen, dass die Telekom ihn auf das neue Amazon-Gerät aufmerksam macht. Das Fire Phone werde ein Schwerpunkt der Telekom-Werbekampagne rund um das Weihnachtsgeschäft werden, sagte Schuld.

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